Buch

Der Mann hinter Schindlers Liste

Im Gespräch: Ellen Presser (l.) und Regina Pemper. Digital zugeschaltet war Viktoria Hertling. Foto: Marina Maisel

Mietek Pemper, der als Zeitzeuge bis zu seinem Tod vor zehn Jahren ein gefragter Gesprächspartner war, erhielt viele Auszeichnungen der unterschiedlichsten Art. Eine besonders außergewöhnliche Ehrung besteht aus einem Foto und ein paar handschriftlichen Zeilen darauf. Der amerikanische Filmregisseur Steven Spielberg bedankte sich auf diese Weise bei Pemper für seine beratende Mitwirkung an dem Spielfilm Schindlers Liste.

Der Termin für die gemeinsame Veranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde und des NS-Dokumentationszentrums, bei der die 2020 erschienene Biografie Mietek Pemper: Der kluge Kopf hinter Oskar Schindlers Liste der Historikerin Viktoria Hertling vorgestellt wurde, hätte nicht besser gewählt werden können. Am 24. März wäre der Holocaust-Überlebende 101 Jahre alt geworden.

beachtung Die Historikerin war bereits an Pempers 2005 erschienenem Buch Der rettende Weg beteiligt, das 2018 unter dem Titel Wie es zu Schindlers Liste kam neu aufgelegt wurde. Das Kapitel »Warum wir uns erinnern müssen« verdient nach Ansicht von Regina Pemper, die an der Veranstaltung mitwirkte, besondere Beachtung. »Diese Aussagen«, stellt die Nichte von Mietek Pemper fest, »sind leider hochaktuell.«

In Spielbergs Film ist Oskar Schindler (1908–1974) die Hauptfigur. Er betrieb in Krakau eine Emaille- und Munitionsfabrik, die von den Nazis als »kriegswichtige Produktionsstätte« eingestuft worden war. Schindler beschäftigte 1200 Juden aus den besetzten Ländern Polen und Tschechoslowakei in seinen Betrieben und rettete sie dadurch vor der Ermordung in Auschwitz.

entstehung Ohne die Hilfe von Mietek Pemper wäre das nicht möglich gewesen. So wird es auch in beiden Büchern beschrieben. Pemper war im KZ Krakau-Plaszow inhaftiert und musste für den gefürchteten Lagerkommandanten Amon Göth als Stenograf arbeiten. In dieser Position gelang es ihm, Informationen aus geheimen SS-Unterlagen an Oskar Schindler weiterzuleiten, die zur Entstehung der Namensliste führten.

Eine Kopie des berühmten Schriftstücks wird heute beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen aufbewahrt. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist auf dem YouTube-Kanal des NS-Dokumentationszentrums und auf der Internetseite www.ikg-live.de abrufbar.

Viktoria Hertling: »Der kluge Kopf hinter Oskar Schindlers Liste«. Hentrich und Hentrich, Berlin 2020, 126 S., 16 €

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Deutschland

Morddrohung gegen Charlotte Knobloch nach AfD-Wahlsieg

Die Gewaltandrohung steht in explizitem Zusammenhang mit dem Wahlsieg der AfD. Knobloch sagt aus Sicherheitsgründen Veranstaltung ab

 11.09.2026

Neujahr

Mit Tatkraft und Ausdauer

Gerade in diesen Zeiten müssen wir als jüdische Gemeinschaft die Werte der Demokratie verteidigen. Denn auch wir tragen Verantwortung – mehr denn je

von Charlotte Knobloch  11.09.2026

Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

»Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind« schreibt Frank-Walter Steinmeier

 11.09.2026