Stiftung

Das neue Klassenzimmer

Die Lauder Beth-Zion Grundschule ist schmal, aber dafür hoch. »Ich bin immer wieder erstaunt, dass ich diese Treppen schaffe, ohne einen Herzinfarkt zu bekommen«, verkündet Ronald S. Lauder in der frisch renovierten Aula im sechsten Stock des Schulgebäudes in der Rykestraße.

Vor vier Jahren wurde Lauder Beth-Zion als dritte jüdische Grundschule Berlins eröffnet. 17 Schüler hatte sie damals, inzwischen sind es über 50. »Wir werden immer größer, das ist ein Glück – wir sagen danke heut, von Herzen«, singt der kleine Schulchor. Danke sagen die Kinder vor allem Ronald S. Lauder, der mit seiner Stiftung die Eröffnung von Beth-Zion erst möglich gemacht hat.

Der Philanthrop ist aus New York nach Berlin angereist, um am Dienstagnachmittag eine ganze Reihe von neuen und alten Projekten zu eröffnen und zu begutachten. Nach dem rapiden Anstieg der Schülerzahl wurde die Einrichtung immer größer – aus den zwei Etagen sind inzwischen sechs geworden.

Familie Lauder schreibt diesen Erfolg auch den Eltern zu: »Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns Ihr Kostbarstes anvertrauen. Und ich möchte mich auch bedanken, dass sie Ihre Kinder auf eine jüdische Schule schicken. Eines Tages werden hoffentlich die Schüler von heute als Eltern morgen ihre Kinder hier einschulen.«

Die Erweiterung der Schule ist auch durch Spenden ermöglicht worden. So hat das Joint Distribution Committee (JDC) Smartboards gekauft. Der Schule wurden auch Gemälde von Karl Hofer vermacht, die verkauft wurden, um mit dem Erlös die Renovierung des fünften Stocks des Gebäudes zu bezahlen. In dieser Etage hängt jetzt eine Gedenktafel für Mathilde Scheinberger, die Ehefrau von Karl Hofer, die 1942 in Auschwitz ermordet wurde. Roland Lauder weihte sie zusammen mit Nachkommen ein. Felix Scheinberger erzählt, dass Mathilde trotzdem noch durch Erzählungen präsent sei. Er findet wichtig, dass nicht nur durch abstrakte Worte, sondern auch durch konkrete Namen erinnert wird.

Erfolg Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Schule 400 Schüler. Heute ist sie, wie Ronald Lauder sagt, »in Berlin gleich doppelt besonders«. Und für Justizsenator Thomas Heilmann ist Lauder Beth-Zion ein wichtiges Erfolgsbeispiel: »Diese Stadt heißt Juden willkommen. Und wer sie nicht willkommen heißt, dem stellen wir uns entschieden entgegen«, sagte Heilmann auch in Anwesenheit von Rabbiner Daniel Alter.

Beim Empfang im ebenfalls renovierten und dicht gedrängten Speisesaal unter dem Dach werden dann Kanapees und Fruchtsaft gereicht, während sich Eltern und Unterstützer der Schule begegnen. Die Kinder interessiert das weniger: Sie spielen lieber in ihrem Klassenzimmer mit Würfeln und fragen gespannt, wann denn endlich die neuen Smartboards eingerichtet werden.

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