Hamburg

»Comics haben großes Potenzial«

Seit Oktober 2021 ist Kim Wünschmann Direktorin des IGdJ in Hamburg. Foto: Moritz Piehler

Hamburg

»Comics haben großes Potenzial«

Kim Wünschmann über Publikum, Themen und Forschung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden

von Moritz Piehler  25.05.2022 08:10 Uhr

Frau Wünschmann, was hat Sie an der Leitung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) gereizt?
Ich kannte das Institut aus meiner eigenen Ausbildung und fand es immer toll. Das IGdJ ist dafür bekannt, dass es sich immer neuer Themen annimmt, darunter viele im digitalen Bereich. Und es hat diese zwei Säulen: Forschung und Vermittlung, die auch Schwerpunkte meiner Biografie sind. Wissenschaft ist wichtig, aber wir müssen immer auch überlegen, wie wir unsere Inhalte und Ergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit vermitteln können.

Können Sie einige Ansätze der Vermittlung benennen?
Mit den Projekten »Geschichtomat« und der Online-Quellendokumentation »Schlüsseldokumente« wurde hier schon früh mit digitalen Formaten gearbeitet, das hat mich beeindruckt. Auch der Podcast »Jüdische Geschichte Kompakt«, jetzt gemeinsam produziert mit meiner Vorgängerin Miriam Rürup und dem Moses Mendelssohn Zentrum, ist eine echte Erfolgsgeschichte.

Ihr Einstieg seit Oktober 2021 in Hamburg mitten in einer Corona-Hochphase war vermutlich nicht ganz einfach, oder?
Der Anfang fühlte sich an wie mit angezogener Handbremse. Ich wollte mich vorstellen, Kontakte knüpfen und viele Leute treffen. Das ging bis vor ein paar Wochen nur schwer. Dafür konnte ich das Haus und die Kollegen und Kolleginnen intensiv kennenlernen, was gut war. Aber ich war schon sehr ungeduldig auf die Stadt, zumal ich Hamburg bisher nur von Besuchen kannte.

Wie erleben Sie die Einbindung des Instituts in die Stadt und Gemeinde bislang?
Mir ist wichtig, dass wir eine gute Kooperation mit den jüdischen Gemeinden haben. Momentan arbeiten wir an zwei größeren Projekten mit der Jüdischen Gemeinde.

Wo setzen Sie selbst zukünftige Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Als Forschungsinstitut mit zunächst historischer Ausrichtung merken wir immer deutlicher, dass Geschichte und Gegenwart zusammengehören und wir hier auch Gegenwartsforschung betreiben. Unser Kerngeschäft ist und bleibt die Wissenschaft. Wir fragen uns jedoch auch, was die Bedarfe der Gesellschaft sind und was ein Institut wie unseres dazu beitragen kann.

Werden die Bürger mit eingebunden und wenn ja, wie?
Ich freue mich darauf, das Haus so weit wie möglich zu öffnen, jetzt, wo es wieder möglich ist. Für mich ist wichtig, mir zunächst die jüdische Lokalgeschichte Hamburgs zu erarbeiten, um zu verstehen, welche neuen Fragen wir daran tragen können. Es gibt eine wechselvolle Beziehungsgeschichte zwischen einer traditionell vielfältigen jüdischen Gesellschaft und der nichtjüdischen Mehrheit. Diese Sozialgeschichte zu erforschen, ist ein Schwerpunkt für mich, auch mit neuen Ansätzen.

Sie sind aber auch in der Lehre tätig?
Mein erstes Seminar an der Uni Hamburg gebe ich zu jüdischer Geschichte im Comic. Darüber freue ich mich, denn ich finde, dass Comics großes Potenzial haben, Geschichte zu vermitteln und uns die Annäherung an didaktisch herausfordernde Themen wie die Schoa zu ermöglichen. Comics berühren Menschen und können helfen, ein breites Publikum für jüdische Geschichte und Kultur zu interessieren.

Mit der Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) in Hamburg sprach Moritz Piehler.

München

Religiöse Heimat

Die Stadtteilsynagoge Sha’arei Zion in der Georgenstraße ist seit Jahrzehnten ein Zentrum jüdischen Lebens im Schwabing

von Esther Martel  22.02.2026

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026