Perspektiven

Blick auf Israel

Diskussionsrunde im Historischen Kolleg Foto: Tom Hauzenberger

Als Gilad Shenhav 2023 mit der Planung für eine Konferenz im Mai 2024 zum Thema »Israel – Deutsche Projektionen« begann, war man in Israel mitten im Konflikt rund um eine Justizreform, die nach einer Abschaffung der unabhängigen Justiz aussah.

Der Israeli, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität sowie Koordinator des Zentrums für Israel-Studien, konnte damals nicht ahnen, dass die Demonstrationen weitergehen würden, jedoch für ein noch viel dramatischeres Thema, nämlich die Forderung an die israelische Regierung, alles Menschenmögliche zur Befreiung der am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas in den Gazastreifen verschleppten Geiseln aus Israel zu tun.

Damals sorgte man sich in Deutschland um die Zukunft der israelischen Demokratie. Inzwischen besteht Anlass zur Sorge um die Gesamtsituation im Nahen Osten und andernorts.

Wie Shenhav in seinem Eröffnungsbeitrag zu der vom Zentrum für Israel-Studien organisierten Tagung im Historischen Kolleg Ende Mai ausführte, habe Franz Kafka in seinen letzten Lebensjahren, schon bei sehr schlechter Gesundheit und nicht mehr reisefähig, angefangen, Hebräisch zu lernen und von der Eröffnung eines Cafés in Tel Aviv mit Dora Diamant geträumt. Was man im ersten Moment bei der Formulierung »Deutsche Projektionen auf Israel« womöglich übersehen könnte, sind jüdische Denker wie Heinrich Graetz, Martin Buber und Hannah Arendt.

Michael Brenner befragte seine drei Gesprächspartner als Erstes zu ihren Empfindungen bezüglich des 7. Oktober.

Bevor es am zweiten Tag der Konferenz ins Detail ging mit Beiträgen über Buber und Gandhi, Mao und Moshe Dayan, Palästina/Eretz Israel durch die Linse von Fotopionierinnen und die Debatte um Israels Mitwirkung am Eurovision Song Contest, loteten vier Israel-Kenner, zwei davon dort wohnhaft, »Israel in deutschen Augen heute« aus. Der Historiker Michael Brenner befragte seine drei Gesprächspartner als Erstes behutsam zu ihren Empfindungen bezüglich des 7. Oktober.

Hätte der Soziologe Natan Sznaider nicht am Abend davor Geburtstag gefeiert, wäre seine Tochter womöglich auf den Rave in der Wüste gefahren. Zwei ihrer Freundinnen wurden dort ermordet. Die Kommunikationswissenschaftlerin Gisela Dachs war im Ausland, begriff noch auf dem überstürzten Heimweg angesichts der Opferzahlen, dass es nicht mehr dasselbe Land sein würde, in das sie zurückkehrte. Der Historiker Johannes Becke, tätig an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, befand sich in Beer Sheva, doch nicht auf einer lange geplanten Tagung, sondern im Bunker.

Gespannt darf man auf die nächste Ausgabe der »Münchner Beiträge zur Jüdischen Geschichte und Kultur« warten, wo die Reflexionen achtsamer Forscher rekapituliert werden – inzwischen im Wissenschaftsbetrieb keine Selbstverständlichkeit mehr, soweit es Israel betrifft.

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