Armee

An der Front

200 Jahre Armeegeschichte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Foto: orell füssli

Armee

An der Front

Juden in den deutschen, österreichischen und Schweizer Streitkräften

von Israel Schwierz  04.01.2016 17:45 Uhr

Juden starben nicht nur für das deutsche Vaterland, berichtet Hauptmann Michael Berger vom Bund Jüdischer Soldaten in seiner Ende November erschienenen Dokumentation jüdischer Soldaten in den Armeen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Rund 200 Jahre umfasst seine Mo nografie über die Position jüdischer Soldaten in den Armeen.

Beginnend mit der Epoche der Emanzipation um 1817 stellt Berger militärische Persönlichkeiten der deutschen Staaten sowie der k.u.k. Österreichisch-Ungarischen Armee vor. Es folgt die Zeit der Republiken in Deutschland und Österreich: Berger vergleicht den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) mit seinem Pendant, dem Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs (BJF).

Spanischer Bürgerkrieg Der Chronologie folgend befasst sich die Dokumentation schließlich mit dem jüdischen Widerstand gegen den Faschismus im Spanischen Bürgerkrieg bis hin zur Zeit der Nazi-Verfolgung ehemals hoch angesehener jüdischer Frontsoldaten aus Deutschland und Österreich. Berger erzählt aber auch von zwei Soldaten jüdischer Abstammung, die zwischen 1933 und 1945 in den deutschen Streitkräften Dienst taten. Der Abschnitt nach dem Zweiten Weltkrieg ist schließlich Juden in der Bundeswehr und der Frage nach der Vereinbarkeit von jüdisch-religiösem Lebensweg und Militärdienst gewidmet. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Aktivitäten des Bundes jüdischer Soldaten.

Eine Dokumentation über jüdische Soldaten in Armeen kommt ohne einen Blick auf die Dreyfus-Affäre in der französischen Armee von 1894 nicht aus. Wohl um darauf hinzuweisen, dass latenter Antisemitismus trotz größter Bemühungen bis heute nicht völlig verschwunden ist. Berger nennt den Fall eines jüdischen Berufsoffiziers in der Bundeswehr und seinen verzweifelten Kampf gegen Antisemitismus.

Register Ergänzt wird der deutsche Blickwinkel um die Erfahrungen jüdischer Soldaten in der Schweizer Armee. Nach einer kurz gefassten Geschichte der Schweizer Juden und ihrem Militärdienst der letzten 100 Jahre stellt Berger ihre heutige Situation dar und wagt eine Prognose für die Zukunft. Ein Anhang, der eine Übersicht über den Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs (BJF) gibt, eine übersichtliche Liste mit Anmerkungen, ein Personenregister, ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie eine Auswahlbibliografie zu verschiedenen Teilen der Arbeit sowie eine Vita der Autors runden diese verdienstvolle Arbeit ab.

Berger setzt mit seinem Buch nicht nur den jüdischen Gefallenen der deutschen und österreich-ungarischen Armeen des Ersten Weltkriegs und ihren im Spanischen Bürgerkrieg im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Kameraden ein bleibendes Denkmal. Es ist auch die erste umfassende historische Darstellung jüdischer Soldaten in den Armeen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Ihre Geschichte erzählt von der Überwindung des Antisemitismus, der Emanzipation des jüdischen Bürgertums und der Begründung des modernen Zivilstaates. Ein Buch, das in militärischen Ausbildungsstätten aller drei Länder nicht fehlen sollte.

Michael Berger: »Für Kaiser, Reich und Vaterland«. Jüdische Soldaten. Eine Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute. Orell Füssli, Zürich 2015, 352 S., 24,95 €

Reform

Hilfe im Alltag

Familien mit behinderten Kindern sorgen sich, dass ausgerechnet die Unterstützung gekürzt wird, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht

von Christine Schmitt  05.08.2026

Erfurt

Schicht um Schicht

Dort, wo eben noch Parkplätze waren, wird seit wenigen Tagen nach einem Stück jüdischer Geschichte gegraben. Erst mit dem Bagger, dann von Hand

von Katrin Richter  05.08.2026

Geschichte

Bedrohlich aktuell

Ein Forschungsprojekt von NS-Dokuzentrum und Lenbachhaus untersucht, wie völkische Gedanken vor dem Ersten Weltkrieg wirkten

von Luis Gruhler  05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026