Maccabiah

An den Start

Leo Friedman ist Makkabäer, auch seine Tochter Yael war schon bei der Maccabiah. Foto: Gregor Zielke

Maccabiah

An den Start

In drei Wochen beginnen die jüdischen olympischen Spiele in Israel

von Joshua Schultheis, Katrin Richter  23.06.2022 08:42 Uhr

Die Zahlen sind beeindruckend: Aus 180 Meter einen 4,26 Zentimeter kleinen Ball in ein Loch von 10,79 Zentimeter Durchmesser schlagen – Laien staunen, Profis nennen das Hole-in-one. Und genau solch ein Meisterstück gelang Leo Friedman am vergangenen Sonntag bei einem offiziellen Turnier.

Wie viele dieser Asse es bei der Maccabiah in Israel geben wird, das steht natürlich noch in den Sternen, aber Friedman, einer der mehr als 200 Teilnehmer an dem wohl größten jüdischen Sportevent, ist guter Dinge und setzt für das Golf-Team auf große Ziele: »Gold strebt man immer an, aber ich bin froh, wenn wir in die Top Ten kommen«, sagt der erfahrene Golfer im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Für Friedman ist es die achte Maccabiah, die am 14. Juli im Jerusalemer Teddy-Kollek-Stadion eröffnet werden soll.

»Das Vorbereitungscamp ist traditionell ganz wichtig.«

Alon Meyer, Makkabi Deutschland

Das allererste Mal dabei ist die Tennis-Spielerin Kristina Sachenko. Im letzten Jahr hat sie bereits an den Makkabi Deutschland Games teilgenommen. »Das war für mich eine neue, schöne Erfahrung«, sagt Sachenko, die vom Deutschen Tennis Bund in den Nachwuchskader für Spieler unter 13 berufen wurde. Bei der Maccabiah wird sie zu den jüngsten Mitgliedern der deutschen Delegation zählen.

Team Das Makkabi-Deutschland-Team steckt mitten in den Vorbereitungen. Und die sollen sich auch in Medaillen widerspiegeln. Brachten die Athletinnen und Athleten bei der letzten Maccabiah 2017 46 Medaillen mit nach Hause, so könnten es bei dieser Maccabiah 2022 vielleicht noch mehr werden. Die Konkurrenz ist mit über 10.000 Sportlerinnen und Sportlern aus insgesamt 80 Ländern sicherlich groß, aber das Team hat den Spirit, den es braucht, um zu gewinnen.

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Wettkämpfe in Israel wird es bereits beim Precamp in Duisburg geben. Ab dem 8. Juli treffen sich die Makkabäer nicht nur zum Sport, sondern auch, um gemeinsam Schabbat zu feiern.

»Das Vorbereitungscamp, das dieses Jahr in Duisburg stattfinden wird, ist traditionell ganz wichtig, damit sich das deutsche Team noch einmal vor dem Start der Maccabiah zusammenfindet«, sagt Makkabi-Präsident Alon Meyer. In Israel seien alle Sportler über mehrere Städte verteilt, und das bedeute, »dass sich die meisten Sportler nur bei der Eröffnungs- und Abschlussfeier sehen werden«.

precamp Deshalb sei das gemeinsame Precamp umso bedeutender, »um sich auf die gemeinsame Sache einzuschwören«, betont Meyer. Außerdem sei diese Maccabiah eine ganz besondere, »weil sie auf den 50. Jahrestag des Terroranschlags auf die israelische Delegation bei den Olympischen Spielen 1972 in München fällt. Der getöteten israelischen Athleten wollen wir in einer würdigen Zeremonie in Duisburg gedenken«.

Nach fünf Jahren wird es am 12. Juli in Richtung Israel gehen. Endlich!

Und dann wird es am 12. Juli in Richtung Israel gehen. Endlich! Nach fünf Jahren – davon zwei unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Für die Sportlerinnen und Sportler bedeutete dies, dass beispielsweise der Ligenbetrieb im Fußball einstweilen ausgesetzt werden musste, dass Trainingseinheiten und Veranstaltungen verschoben und komplett umgeplant werden mussten.

Static & Ben El Das soll am Abend des 14. Juli vergessen sein. Spätestens bei »Karneval«, dem offiziellen Song der Maccabiah 2022, den Static & Ben El singen, werden Abende ohne Training keine Rolle mehr spielen. Denn der Song macht einfach nur gute Laune. Und davon kann es nie genug geben.

Static, ein Mitglied des Duos, das auch schon bei der Jewrovision auftrat, postete den Song bei Instagram und schrieb dazu: »Eines der lustigsten Dinge, die ich gemacht habe. Was für ein besonderes Projekt ist es, wenn man die Möglichkeit bekommt, Sportler auf einem solchen Niveau zu treffen? Und mit ihnen einen Clip zu drehen? Verrückt! Danke für die Gelegenheit!«

Nicht nur die Sportlerinnen und Sportler haben ein hohes Niveau, auch was die Austragungsorte angeht, waren die Ansprüche hoch. Mit Jerusalem, Haifa, Netan­ya, in denen die Wettkämpfe in 47 Disziplinen ausgetragen werden, wurden drei Zentren gewählt, die sportlicher nicht sein könnten. Die Junioren treten in Haifa an, wo auch das olympische Dorf sein wird. Die Wassersportler haben ihren Beach Hub in Netanya. Alle Disziplinen der »Open«-Kategorie werden in Jerusalem ausgetragen.

Ball Golf wird laut Maccabiah-Website im Golf Club von Caesarea gespielt. Und wenn Leo Friedman für seine Disziplin werben sollte, dann würde er das sagen: »Man unterschätzt Golfen: Viele denken vielleicht, das sei ein Sport für alte Männer oder Frauen, die über den Platz gehen und mal alle 200 Meter einen Ball abschlagen. Das ist falsch.«

Golf sei ein Ganzkörper- und athletischer Sport, den man das ganze Jahr über an der frischen Luft ausüben könne, betont Friedman, der seit 1977 bei Makkabi aktiv ist und dort die Tennis-Abteilung aufgebaut hat. »Es ist ein super Sport für Körper, Seele und Geist. Hinzu kommt: Es ist ein toller Sport für Kinder, die verhaltensauffällig sind. Beim Golfen können alle ganz tolle Erfolge erzielen.«

Auch persönlich hat die Maccabiah Friedman nur Gutes gebracht, denn auf dem Sportevent 1989 lernte er seine Frau, eine Volunteer aus Kolumbien, kennen, drei Monate später heirateten beide. »Wir Friedmans sind mit Herz und Seele Makkabäer!«

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