Vortrag

Alltag und Widerstand

Im Gespräch: die Historikerin Andrea Löw mit einem Zeitzeugen des Warschauer Ghettos Foto: Marina Maisel

Seit mehreren Jahren läuft an der Münchner Volkshochschule das Projekt »Europa im Nationalsozialismus«, das in jedem Semester eine andere europäische Region in den Fokus nimmt. Im Montagsforum, das sich derzeit dem Schicksal Jugoslawiens in der NS-Zeit widmet, gab es kürzlich einen Veranstaltungsabend, der bezüglich Thema und Ort aus dem Rahmen fiel. Anlass war der 70. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto und das Erscheinen des kleinen, doch ebenso inhaltsreichen wie bedeutungsschweren Buchs Das Warschauer Getto. Alltag und Widerstand im Angesicht der Vernichtung der Historiker Andrea Löw und Markus Roth.

Als Veranstaltungsort hatte die Münchner Volkshochschule, die als größte Volksbildungseinrichtung in Mitteleuropa gilt, das jüdische Gemeindezentrum am Jakobsplatz ausgewählt. Im Kulturzentrum der IKG hatte sie einen bereitwilligen Kooperationspartner gefunden.

symbolträchtig München hatte bekanntlich weder in der Vergangenheit noch in der jüngeren Gegenwart ein Ghetto, wohl aber eine »gründliche« Arisierungs- und Vernichtungspolitik. Nach der Schoa hatte es einige wenige Überlebende, die aus Warschau stammten und die den Untergang dieser Metropole mit erlitten hatten, trotzdem nach München verschlagen. Hier haben sie zum Aufbau einer neuen jüdischen Gemeinde beigetragen. Insofern war der sehr gut besuchte Abend in München mit der jungen Historikerin Andrea Löw, die über »Leben und Kampf im Warschauer Ghetto« sprach, durchaus symbolträchtig.

Bei dem Vortrag saßen nichtjüdische Zuhörer und jüdische Zeitzeugen und deren Nachfahren einträchtig nebeneinander und hörten von den katastrophalen Bedingungen einer dem Untergang geweihten Zwangsgemeinschaft: »Sie kämpften um ihre körperliche und geistige Selbstbehauptung und sie kämpften erfolgreich gegen das Ziel der Nationalsozialisten an, nicht nur die Menschen, sondern auch die Erinnerung an sie auszulöschen.«

Auf welche Quellen sie sich bei ihrer Studie stützte, wurde Andrea Löw gefragt. Es waren die Funde aus dem Untergrundarchiv des Historikers und Archivars Emanuel Ringelblum, Teile der erhaltenen Akten des Judenrats, Berichte von Überlebenden und Tagebücher – und nicht zuletzt auch die Aufsätze von Kindern zum Thema »Was bedeutet Krieg?«.

Limmud

Limmud: Eine jüdische Erfolgsgeschichte

Bei dem Festival wird gemeinsam gelernt, diskutiert und gefeiert

von Imanuel Marcus  08.06.2023

Fußball

Jubel nach Verlängerung

TuS Makkabi zieht als erster jüdischer Verein in die Hauptrunde des DFB-Pokals ein

von Joshua Schultheis  08.06.2023

Bayern

In Feuchtwangen zu Hause

In der Kleinstadt wurden acht Stolpersteine für die Familie von US-Botschafterin Amy Gutmann verlegt

 08.06.2023

Gelsenkirchen

Fragen nach dem Alltag

Beim Tag der offenen Tür erfuhren Besucherinnen und Besucher, was die jüdische Gemeinde bewegt

von Stefan Laurin  08.06.2023

Rendsburg

Frischer Blick auf den Norden

Das Jüdische Museum bietet nach dem Umbau viele neue Perspektiven

von Heike Linde-Lembke  08.06.2023

Limmud

Alle lernen, alle lehren

Beim Festival in Hannover geht es am kommenden Wochenende um ChatGPT, Challot und Tora

von Talja Blumenthal  08.06.2023

Gemeindetag

Zusammen in Berlin

1200 Jüdinnen und Juden aus ganz Deutschland kommen im Dezember in die Hauptstadt

von Joshua Schultheis  08.06.2023

Nürnberg

»L’Chaim« beim Evangelischen Kirchentag

»Nachdenklich bis vergnüglich-vielfältige Perspektiven auf das jüdische Leben in Deutschland« sind zu hören

 08.06.2023

Graphic Novel

Gezeichnete Erinnerungen

Die Geschichte von vier Überlebenden für Kinder erzählt

von Jan Popp-Sewing  06.06.2023