Talmudisches

Von Leiern und Liedern

Antike Leier auf der israelischen Halbschekel-Münze Foto: Getty Images

»Wie viele Saiten hatten die Leiern, auf denen die Leviten im Tempel spielten? Rabbi Jehuda sagt: sieben. Denn es heißt: ›Täglich preise ich Dich siebenfach für Deine Rechtssätze‹ (Tehillim 119,164).

In den Tagen des Messias werden es dann acht sein, wie es heißt: ›dem Vorbeter in Melodien auf der Achten‹« (6,1). In der kommenden Welt, so der Talmud (Arachin 13b) weiter, »werden es dann zehn sein, denn es heißt: ›Gott, ein neues Lied werde ich Dir auf einer zehnsaitigen Leier singen‹« (144,9).

TEmpel Der Jerusalemer Tempel, den die Römer im Jahr 70 n.d.Z. zerstörten, war bekanntlich auch ein Ort der Musik. Die Leviten begleiteten dort die verschiedenen von der Tora vorgeschriebenen Opfer und Zeremonien auf vielerlei Instrumenten.

»Und David befahl den Leitern der Leviten, dass sie ihre Brüder, die Sänger, mit Instrumenten ausstatten sollten, mit Zupfinstrumenten und Leiern und Zimbeln, Töne zu erzeugen, um durch erhobene Laute Freude auszulösen« (1. Buch der Chroniken 15,16).

Die Zupfinstrumente und Leiern nun, auf die auch Rabbi Jehuda im Talmud anspielt, gehören zu den ältesten und meisterwähnten Instrumenten des Tanach. Von den zahlreichen Namen, die die Heilige Schrift für Musikinstrumente benutzt, kennen wir heute oft weder die genaue Form noch ihre Funktion.

Kinor Ziemlich gesichert jedoch durch vielfältige antike Abbildungen, unter anderem auf Münzen aus der Bar-Kochba-Zeit, ist die Zuordnung des althebräischen Saiteninstruments »Kinor«, der Leier, die der antiken griechischen Lyra ähnelte. Im Neuhebräischen steht das Wort »Kinor« heute für »Geige«.

Die Tora berichtet, dass die Leier bereits früh als Teil der kulturellen Revolutionen im Nahen Osten infolge der Einführung der Landwirtschaft aufgekommen sei. So wird Juwal, ein Nachkomme Adams in der siebten Generation, »Vater aller Saiten- und Blasinstrumentenspieler« genannt (1. Buch Mose 4,21).

DAvid Später begegnet uns die Leier als Inbegriff einer Ruhe, aber auch Freude verströmenden Musik. Der Hirtenjunge David, der später zum Herrscher Israels und zum Vorfahren des zukünftigen Messias wird, vertreibt etwa die Melancholie König Schauls mithilfe einer Leier (1. Buch Schmuel 16,23).

Laut den rabbinischen Weisen ist David der Autor und Redaktor des biblischen Buches Tehillim (Bava Batra 14b). Es wird auf Griechisch »Psalterion« genannt, was auf Deutsch so viel wie »Saiten-Instrumental-Gesangbuch« bedeutet.

Überhaupt nennt sich in europäischen Sprachen die inspirierte Dichtkunst »Lyrik«, was sich von der griechischen Lyra herleitet.

Saiten Die genaue Anzahl der Saiten dieser alten Zupfinstrumente konnte variieren. Der Tanach erwähnt sowohl achtsaitige als auch zehnsaitige Leiern. Wie Rabbi Jehuda im 2. Jahrhundert n.d.Z. überliefert, hatte die gewöhnliche Tempelleier allerdings nur sieben Saiten. Es hätte damit eine theologische Bewandtnis, erklärt Rabbi Jehuda: Demnach werde die Saitenzahl, wie eingangs beschrieben, erst dann von sieben auf acht erhöht, wenn der Messias aus dem Hause Davids kommt und die Welt vervollkommnet.

Nach dem Maharal, Rabbi Löw von Prag (1520–1609), symbolisiert die Zahl sieben eine diesweltliche Vollkommenheit, während die Acht für eine leichte Erhebung ins Übernatürliche steht. In der Olam Haba schließlich, der zukünftigen metaphysischen Umwandlung der uns bekannten Schöpfung in etwas rein Geistiges, würde dann sogar ein Sprung von acht auf zehn Saiten erreicht. Der süße Klang des Leierspiels symbolisiere demnach die Präsenz Gottes in der Welt. Nimmt diese zu, so steigt auch die Saitenzahl der Leier.

Berlin

Chanukka am Brandenburger Tor

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas entzündete das erste Licht

 28.11.2021

Andreas Nachama

»Die Macht des aufklärenden Wortes«

Der Berliner Rabbiner wird 70 Jahre alt. Ein Gespräch über seine Familie, die Gemeinde und den jüdisch-christlich-muslimischen Dialog

von Leticia Witte  28.11.2021 Aktualisiert

Chanukka

Lichter der Hoffnung

Mitten in Pandemie und Dunkelheit: Das Fest könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen

von Rabbiner Julian-Chaim Soussan  26.11.2021

Wajeschew

Das Leben feiern

Die Tora lehrt, in jeder Erfahrung einen Sinn zu sehen und daran zu wachsen

von Rabbiner Yehuda Teichtal  26.11.2021

Talmudisches

Licht ins Dunkel

Ein Rabbiner erklärt, was es mit dem achttägigen Lichterfest auf sich hat

von Rabbiner Avraham Radbil  26.11.2021

Chanukka

Macht euch keine Sorgen!

Die Botschaft des Festes ist: Wir sollen ohne Angst existieren – auch im Angesicht unserer Feinde

von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl  25.11.2021

Orthodoxe Rabbinerkonferenz

»Ich habe kein Verständnis fürs Nichtimpfen«

Rabbiner Julian-Chaim Soussan ruft zu Corona-Impfungen und zum Boostern auf

 24.11.2021

Stahnsdorf

Neuaufstellung des Grabsteins von Max Friedländer geplant

Evangelische Kirche kündigt an, für ein ehrendes Gedenken des Musikwissenschaftlers zu sorgen

 19.11.2021

Statistik

Anzahl der Köpfe oder Anzahl der Kippot?

Was die Tora zu Volkszählungen sagt – und wie unterschiedlich sich Rabbiner zu dieser Frage positionieren

von Dovid Gernetz  19.11.2021