Rosch Haschana

Und wie sollte der Rabbiner so sein?

Bloß nicht farblos: Jugendliche haben ganz bestimmte Vorstellungen über ihren Rabbiner. Foto: imago images/ylivdesign

»In diesem Jahr ist Rosch Haschana etwas ganz Besonderes, denn ich kann wieder in die Synagoge gehen«, sagt Hanna aus Dortmund. Vor zwölf Monaten fiel der Gottesdienst aus und die 15jährige hatte lediglich über Zoom bei einem Treffen des Jugendzentrums teilgenommen.

Doch nun hofft sie, dass die Zahl der Neuinfektionen nicht explosionsartig nach oben schellen und die Tage so sein können, wie sie es mag. Ebenso wünscht sie sich, dass ein Kiddusch möglich sein wird. Schon in den vergangenen Wochen und Monaten hat sie Freitag abends die Synagoge besucht. Freunde seien da eher seltener dabei, die treffe sie aber beim jüdischen Religionsunterricht oder im Jugendzentrum.

Gespür Für die Zehntklässlerin es beim Gottesdienst wichtig, dass der Rabbiner gut deutsch sprechen kann. Denn wenn er den Wochenabschnitt vorliest, dann möchte sie es auch verstehen. Außerdem findet sie, dass er ein Einfühlungsvermögen für die Menschen und Situationen haben sollte.  Und natürlich auch ein Gespür für Jugendliche und diese auch mal im Jugendzentrum besucht.

Zu Neujahr setzt sich Hanna auch immer mit ihren Eltern zusammen und sie lassen gemeinsam das vergangenen Jahr Revue passieren. Sie hat bereits einen Vorsatz fürs neu gefasst: »Ich möchte nicht mehr so faul sein und mehr für die Schule lernen.« Denn nun besuche sie die zehnte Klasse und strebt das Abitur in ein paar Jahren an.

Handy Dan aus Frankfurt hat viele Gründe, sich auf Rosch Haschana zu freuen. In der Synagoge wird der 15-jährige endlich auch mal seine alten Freunde wiedertreffen. Da er keine jüdische Schule besucht, sieht er sie eher seltener und wegen Corona war es sowieso schwerer, sich zu treffen. Mit seiner Familie wird er den Gottesdienst besuchen. »Für mich ist es wichtig, dass der Rabbiner eine moderne Ausrichtung hat.« Beispielsweise würde er sein Handy nicht als Arbeitsgerät bezeichnen und es auch an einem Samstag gerne nutzen. Und als Madrich betreut er bei der Zionistischen Jugend Deutschlands samstags eine Gruppe von Kindern drei Stunden lang. »Ich möchte ihnen Israel näherbringen, und wir spielen und haben zusammen Spaß. Aber dürfen sie auch einen Stift in die Hand nehmen, um zu malen?«

Sein Zwillingsbruder Ron ergänzt: »Ein Rabbiner sollte charismatisch sein und eine gute Verbindung zu den älteren und jüngeren Gemeindemitgliedern haben.« Viele Jugendliche sind nicht so Fan von langen Gottesdiensten, deshalb schlägt Ron vor, sie etwas zu kürzen – aber nur so viel, wie es die Halacha empfiehlt. Mehrere Monate konnte auch er nicht die Synagoge besuchen. »Als es wieder erlaubt war, hatte ich mich sehr gefreut. Es war und ist ein gutes Gefühl, in der Synagoge zu beten.« Auch auf den Ruf des Schofars freut er sich, den er mit Familie und Freunde zusammen hören möchte.

»Ein Rabbiner sollte charismatisch sein und eine gute Verbindung zu den älteren und jüngeren Gemeindemitgliedern haben.«

Ron aus Frankfurt

Mit zehn Jahren fing auch er an, die die Gruppen der Zionistischen Jugend Deutschlands zu besuchen. Nun möchte der Zehnklässler den jüngeren Kindern das weitergeben, was ihm wichtig ist.

»Dass wir alle zusammen sind und gemeinsam in der Synagoge beten können«, wünscht sich Fanny aus Berlin zu Rosch Haschana. Ihr habe in der Zeit, in der sie keine Gotteshäuser besuchen konnte, das »Feeling« gefehlt. »Hoffentlich bleibt de Corona-Lage so, dass ich wieder regelmäßig gehen kann.« Für sie sei es wichtig, dass der Rabbiner über umfassende jüdische Kenntnisse verfügt und einem das Judentum näherbringt, so die 14-jährige, die die Jüdische Traditionsschule besucht. Aber sie habe auch nichts dagegen, wenn der Rabbiner mal fröhlich und lustig ist.

Chor »Sie sollten gut Deutsch sprechen, die Menschen verstehen, zuvorkommend sein, ein offenes Ohr haben und immer freundlich sein«, zählt die 13-jährige Sheina, ebenfalls aus Berlin, auf. Sie möchte sich auf jeden Fall zu den Hohen Feiertagen für den Gottesdienst-Besuch anmelden. Schade sei es, dass immer noch Maskenpflicht herrsche. Aber daran hätte sie sich mittlerweile ja gewöhnt, denn in der Schule müsse sie das ebenfalls und auch bei den Proben ihres Chores, der sich derzeit nur draußen treffen darf. »Ich würde so gerne wieder normal proben und mein altes normales Leben wie vor Corona haben.«  Was sie auch noch sehr gerne mag, sind die typischen Speisen zu Rosch Haschana.

 »Was auf den Tisch kommt, ist mir egal, Hauptsache es schmeckt«, sagt hingegen David. An zwei von vier Samstagen macht sich der 16-Jährige auf den Weg zur Synagoge. Vergangenes Jahr war hart für ihn, da die Gottesdienste ausfielen. Am allermeisten mag er es, wenn er zur Thora aufgerufen wird, dann geht er nach vorne, steht er vor der Gemeinde und liest. »Seitdem ich 13 Jahre alt bin, ruft mich der Rabbiner auf«, sagt der Schüler aus Essen.

»Es gibt immer etwas Neues zu erzählen.«

Sheina aus Berlin

Der Rabbi achte darauf, auch jüngere Leute einzubinden und zu motivieren, die Gottesdienste zu besuchen. »Für mich ist es wichtig, dass ein Rabbiner gut durch den Gottesdienst führt, ich finde es cool, wenn er anschließend noch etwas erzählt und ein paar Weisheiten teilt. Außerdem sollte er nicht zu ruhig sein, es soll Spaß bringen, sich mit ihm zu unterhalten und er soll natürlich nett sein und alle Fragen beantworten.« Ein Höhepunkt wird nach dem Rosch Haschana Gottesdienst das Kiddusch sein, denn da sitzen die jüngeren Leute zusammen und können sich unterhalten. »Es gibt immer etwas Neues zu erzählen.«

Zu Rosch Haschana kommt seine ganze Familie – auch die Großeltern – zusammen, und wahrscheinlich eine befreundete Familie von nebenan.  »Wir essen gemeinsam und werden Spiele auspacken.« Seine Favoriten sind dabei Strategiespiele. Wie bei alle anderen ist sein größter Wunsch, dass die Pandemie endlich eine Ende hat.

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