Mischpatim

Sie greift die Feinde an

Foto: Getty Images

Eretz Israel ist das Land, wohin die Juden nach der Befreiung aus Ägypten ziehen müssen. In den vergangenen Wochenabschnitten ging es darum, wie wir am Berg Sinai von Gʼtt, Haschem, die Tora empfangen haben, jetzt lesen wir in Paraschat Mischpatim von vielen zivilrechtlichen Regeln. Die Tora erzählt von unserem Einzug nach Israel, den Problemen, die auf uns zukommen können, und wie wir uns damit auseinandersetzen sollen. Warum lesen wir dies gerade hier und jetzt, welche Botschaft ist damit verbunden?

Beim Auszug aus Ägypten und am Berg Sinai sind es zwei Stationen gewesen, die uns gezeigt und bewiesen haben, dass Haschem mit uns anders umgehen will als mit anderen Völkern. Die Gegenwart Gʼttes an diesen beiden Stationen war so offenkundig, dass wir spüren konnten: Wir werden anders behandelt als andere Völker.

Spirituelle Kräfte im Himmel und Sternzeichen

Die anderen Völker unterstehen verschiedenen spirituellen Kräften im Himmel, denen bestimmte Sternzeichen entsprechen. Schon bei Jakow haben wir gesehen, dass er gegen einen Engel, einer spirituellen Kraft seines Bruders Esaw, kämpfen musste. Nachdem Jakow ihn besiegt hatte, wurde er von ihm gesegnet und Israel genannt.

Awraham, Jizchak, Jakow und das jüdische Volk werden direkt von Gʼtt regiert. Die Nähe zu Haschem kann Gutes mit sich bringen, allerdings auch schwer sein. Je näher man Gʼtt ist, umso empfindlicher kann die Lage sein: Genauso schnell, wie man belohnt wird, wird man im schlimmsten Fall auch bestraft.

Eretz Israel ist das Land, das direkt von Haschem regiert wird.

Eretz Israel ist das Land, das direkt von Haschem regiert wird. Da steht niemand zwischen Gʼtt und dem Volk. Denn es heißt: »Ein Land, das Er, dein Gʼtt, aufsucht, stets sind Seine, deines Gʼttes Augen darauf, von der Frühe des Jahres bis zur Jahresspäte« (5. Buch Mose 11,12).

Die anderen Länder folgen den Regeln der Natur. Doch Eretz Israel wird mit anderen Regeln geführt. So wie wir den Auszug aus Ägypten und die Gabe der Tora am Berg Sinai erlebt haben, können wir jetzt verinnerlichen, dass wir uns ganz anders auf den Einzug nach Israel vorbereiten sollen. Es ist kein Land wie alle anderen. Laut dem Kommentator Abarbanel (1437–1508) folgen die Natur und der Mensch dort anderen Gesetzen.

Solange wir uns in der Wüste befanden, wurden wir von einem Engel begleitet. Darüber, wer dieser Engel war, wird viel diskutiert. Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808–1888) kommt zu der Schlussfolgerung, dass es sich um Mosche selbst handelt, denn wir kennen keinen anderen Engel, dessen Anweisungen wir folgen sollten. Mosche ist beauftragt, uns nach Israel zu bringen. Unterwegs in der Wüste sollen wir auf die Anweisungen hören, die er von Gʼtt bekommt.

Einzug nach Eretz Israel

Der Einzug nach Eretz Israel fordert sehr viel von uns. Anstatt uns dort mit den Völkern zu mischen und ihre Kultur anzunehmen, müssen wir uns an die Tora halten. Die finanziellen Erfolge und die Fruchtbarkeit der Natur können uns täuschen. Warum sollen wir nicht den Wegen der Völker folgen, die dort sein Langem ansässig sind? Schließlich können sie doch auf Erfolge verweisen!

Es geht darum, dass wir ihr Glaubensverständnis nicht nur nicht übernehmen, sondern weit von uns und dem von uns eroberten Land halten sollen. So wie beim Auszug aus Ägypten und am Berg Sinai sollen wir auch im Land alles immer in einem Bezug zu Gʼtt sehen.

Unser Erfolg in Eretz Israel kommt dadurch, dass wir Haschem treu sind. So wie es heißt: »Ihm, eurem Gʼtt, dient! So wird Er segnen dein Brot und dein Wasser, beseitigen will Ich Krankheit aus deinem Innern« (2. Buch Mose 23,25).

Die Qualität unserer Existenz hängt von dem Verständnis ab, dass unser Glaube und unsere Verbundenheit mit Haschem einzigartig sind.

In Ägypten haben uns die Herren des Landes mit Essen versorgt, in der Wüste hat uns der Ewige 40 Jahre lang täglich Manna vom Himmel gegeben, in Israel sollen wir für unser Brot selbst arbeiten. Ob dies gut gelingt, hängt davon ab, ob wir uns an die moralischen Regeln halten, die uns der Ewige gegeben hat.

Um uns zu helfen, schickt Gʼtt eine Wespe, die unsere Feinde angreifen soll (2. Buch Mose 23,28). Laut Rabbi Awraham, dem Sohn des Rambam (1186–1237), geht es dabei um Epidemien, die sich unter den Feinden verbreiten sollen, damit sich ihre Zahl verringert. Der mittelalterliche französische Tanach-Kommentator Rabbi Chizkuni meint, damit soll uns gezeigt werden, dass der Sieg leicht zu erreichen ist. Und laut Rabbi Meir Simcha, dem Meshech Chochma (1843–1926), wird die Wespe in den Tunnel hineinfliegen, damit die Feinde ihn verlassen müssen und wir die Wespe fangen können.

Unsere Präsenz in Israel darf uns nicht verwirren. Wir dürfen uns nicht überschätzen und glauben, dass uns die Götzen der dort ansässigen Völker nicht stören. Die Qualität unserer Existenz hängt von dem Verständnis ab, dass unser Glaube und unsere Verbundenheit mit Haschem einzigartig sind. Halten wir uns daran, so haben wir das Recht, dieses Land zu besitzen. Denn es heißt: »Da, ein Volk, einsam wohnt es, unter die Erdstämme rechnet es sich nicht« (4. Buch Mose 23,9).

Bleibt zu hoffen, dass die Wespe in die Tunnel der Hamas fliegt und es schafft, alle Terroristen sowie deren Führung hinauszujagen und alle Geiseln schnellstmöglich zu befreien und nach Hause zu bringen.

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD).

INHALT
Der Wochenabschnitt Paraschat Mischpatim wird auch als Buch des Bundes bezeichnet. Es geht um Gesetze, die das Zusammenleben regeln. Der zweite Teil besteht aus Regelungen zur Körperverletzung, daran schließen sich Gesetze zum Eigentum an. Am Ende steigen Mosche, Aharon, Nadav, Avihu und die 70 Ältesten Israels auf den Berg, um den Ewigen zu sehen.
2. Buch Mose 21,1 – 24,18

Der Eruv kann auch teilweise aus ergänzten bei der Sigi-Feigel-Terrasse

Schweiz

Ein Eruv für Zürich

Unsichtbar im Stadtbild, spürbar im religiösen Alltag. Die größte jüdische Gemeinschaft der Schweiz spannt einen symbolischen Faden – und macht jüdisches Leben sichtbarer

von Nicole Dreyfus  20.01.2026 Aktualisiert

Talmudisches

Schlechter Atem als Scheidungsgrund

Was unsere Weisen über Mundgeruch wussten

von Detlef David Kauschke  16.01.2026

Rabbi Schalom Scharabi

Jedes Wort eine Intention

Der jemenitische Raschasch ist in unseren Breitengraden kaum bekannt. Dabei hat er schon im 18. Jahrhundert gelehrt, was auch heute wieder gefragt ist: ganz bewusst zu leben – und zu beten

von Vyacheslav Dobrovych  16.01.2026

Waera

Wahre Größe

Mosche blieb stets bescheiden – und ist damit ein Vorbild an vollkommener Demut

von Aviezer Kantor  15.01.2026

Schemot

Mutige Hebammen

Die Tora lehrt, dass Zivilcourage oft im Verborgenen beginnt – bei Menschen, die keine Chronik nennt

von Rabbiner Joel Berger  09.01.2026

Talmudisches

Fledermaus

Unsere Weisen diskutieren: Handelt es sich um ein Kriechtier unter den Vögeln oder einen Vogel unter den Kriechtieren?

von Rabbinerin Yael Deusel  09.01.2026

Piraten

Ahoi vey!

Entführte Rabbiner und Sefarden auf Kaperfahrt: Ein unbekanntes Kapitel jüdischer Geschichte

von Sophie Goldblum  08.01.2026

Wajechi

Wenn Taten Segen bringen

Wie jeder einzelne Mensch durch sein Tun Engel erschaffen kann

von Vyacheslav Dobrovych  02.01.2026

Talmudisches

Sorge dich nicht!

Was unsere Weisen über den Umgang mit Angst und innerer Unruhe lehren

von Detlef David Kauschke  02.01.2026