Nachruf

Priester, Vaterjude, Versöhner: Trauer um Klaus Mayer

Monsignore Klaus Mayer sel. A. Foto: picture alliance / dpa

Im Alter von 99 Jahren ist der Mainzer Priester Klaus Mayer gestorben, der die einzigen Kirchenfenster des jüdischen Künstlers Marc Chagall in Deutschland ermöglicht hat. Der Geistliche starb am Freitagmittag, wie das Bistum Mainz mitteilte. Zu seinem Gedenken wurden die Glocken von St. Stephan in Mainz eine Viertelstunde lang geläutet - dort ziehen die in einem magischen Blau gehaltenen Fenster zur biblischen Botschaft jährlich rund 200 000 Menschen an.

Klaus Mayer habe sein Leben im Zeichen der Versöhnung geführt, erklärte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). »Seiner Initiative haben wir die berühmten Fenster von Marc Chagall zu verdanken.« Er habe Kontakt zu diesem aufgenommen und die Realisierung des Glaskunstwerks betreut. Dieses stehe auch für die christlich-jüdische Versöhnung.

Auch die Stadt Mainz trauert um ihren Ehrenbürger. Bürgermeister Günter Beck (Grüne) würdigte Mayers »unablässiges Wirken für den Frieden, die Völkerverständigung und das gelebte Miteinander«. Monsignore Mayer habe Einzigartiges und Bleibendes für Mainz geschaffen und geleistet.

Der Geistliche nahm 1973 Kontakt mit dem jüdischen Künstler auf. Daraufhin schuf der damals bereits 86-jährige Chagall 1978 das erste Fenster zum Thema »Gott der Väter«. Danach folgten noch acht weitere Fenster zur biblischen Heilsgeschichte und zum Lob der Schöpfung. Später vervollständigte die Werkstatt Chagalls das Projekt, das mit fast 180 Quadratmetern das größte Glaskunstwerk ist, das Chagall je geschaffen hat.

Mayer brachte Kirchenbesuchern die Botschaft der Fenster in zahllosen Meditationen bei. Er wurde am 14. Februar 1923 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Darmstadt geboren. Erst im Benediktinerkloster in Ettal in Oberbayern, dann als Hilfsarbeiter in einer Holzhandlung in Mainz, überstand er die NS-Zeit. Nach dem Krieg trat er ins Priesterseminar ein und wurde 1950 in Mainz zum Priester geweiht. Die Pfarrei St. Stephan leitete er von 1965 bis zu seinem Ruhestand 1991, war aber auch danach immer wieder in St. Stephan präsent.

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