Lag Baomer

Plausch am digitalen Lagerfeuer

»Die Flamme Lamed«, gestaltet von Hili Noy Foto: Screenshot: Jérôme Lombard

Lag Baomer

Plausch am digitalen Lagerfeuer

Trotz Corona erinnert die Studierendenunion an den Bar-Kochba-Aufstand und feiert das Leben

von Jérôme Lombard  20.05.2020 12:31 Uhr

Es ist eine lieb gewonnene Tradition: Zu Lag BaOmer kommen Juden in Israel und weltweit an Lagerfeuern zusammen, um an den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer zu erinnern. Doch wegen der Corona-Pandemie mussten auch hierzulande alle Lagerfeuer in diesem Jahr ausfallen.
Wirklich alle Lagerfeuer? Nein!

Die Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) wollten sich das gemütliche Beisammensein der Krise zum Trotz in der vergangenen Woche nicht nehmen lassen. Am Vorabend des Halbfeiertags Lag BaOmer, der diesmal auf den Dienstag fiel, veranstalteten sie kurz entschlossen ein symbolisches, virtuelles Lagerfeuer.

SCHAWUOT »Lag BaOmer ist ein ganz besonderer Tag, da er die 49-tägige Trauerzeit zwischen Pessach und Schawuot unterbricht und jeden daran erinnert, dass es trotz aller Widrigkeiten einen Grund gibt, das Leben zu feiern«, sagte Mischa Ushakov von der JSUD. Der 21 Jahre alte Student aus Berlin hatte die digitale Lag-BaOmer-Feier mittels der digitalen Konferenzplattform »Zoom« organisiert.

»Auch wenn wir in diesem Jahr nicht wie gewohnt zu Partys zusammenkommen können, ist es uns als jungen Menschen an einem Datum wie Lag BaOmer ein Anliegen, wenigstens digital miteinander zu sprechen, zu lachen und zu tanzen«, sagt Ushakov.

Tatsächlich hatte die virtuelle Studentenparty für die rund 80 Teilnehmer, die sich über den Abend zugeschaltet hatten, einiges zu bieten. Neben Musik von DJs wie Misha Frenkman, der seine Beats vom heimischen Kölner Wohnzimmer aus auflegte, gab es Cocktail-Mix-Anleitungen für daheim und Gesprächsrunden.

HIGHLIGHT Ein Highlight beim »Plausch am Lagerfeuer« war das Gespräch mit Henrietta Singer und Sara Neuman, die ihr Projekt »70 Posters« vorstellten. Anhand dieser Poster erzählen sie die Geschichte Israels nach. Während ihrer Recherche stellten sie fest, wie sehr das Design durchzogen ist von Erzählungen, die ein Spiegelbild der künstlerischen Seele eines ganzen Volkes sind.

»Die handverlesenen Poster individueller israelischer Künstler, die wir über unsere Internetseite vertreiben, repräsentieren Zeitfenster in eine andere Kultur und Zeit«, sagt Sara Neuman.

»Es ist unsere Vision, aus dem Blickwinkel von Design eine Kultur der anderen näherzubringen.« Eines der Poster, das Sara Neuman und Henrietta Singer den Zuschauern präsentierten, war eine Collage der Künstlerin Hili Noy mit dem Titel »Die Flamme Lamed«. Darauf ist eine Gruppe von Menschen zu sehen, die um eine lodernde Flamme tanzen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man in der mächtigen Flamme den hebräischen Buchstaben »Lamed«.

WÄRME »Dieses Poster steht wie kein zweites für Lag BaOmer«, sagt Neuman. »Das Feuer spendet den Menschen, die zusammenkommen, Wärme von außen. Im Inneren entsteht die Wärme durch den gemeinsamen Austausch.« Sich diese zwischenmenschliche Wärme von innen auch in der Corona-Krise irgendwie zu erhalten, ist aus ihrer Sicht eine ganz wichtige Aufgabe.

»Ich persönlich finde dieses Poster auch deswegen so schön, weil ich mich beim Betrachten an die Lag-BaOmer-Feiern in meiner Kindheit erinnern kann«, sagt Henrietta Singer. Und während sie dies sagt, nicken viele der zugeschalteten Gesprächsteilnehmer zustimmend. In einer Zeit, in der soziale Distanz das Gebot der Stunde ist, denkt man gerne an schöne Momente zurück.

JSUD-Präsidentin Anna Staroselski will aber auch die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. »Was uns als Juden jüdisch macht, ist unsere Tradition«, sagt sie. »Deshalb ist Lag BaOmer ein wichtiger Tag, der auch und vielleicht gerade unter den aktuellen Bedingungen von Corona als Freudentag gefeiert werden muss.«

PARTY Sie ist sehr zufrieden, dass so viele Studierende an der virtuellen Party teilgenommen haben. »Die Leute wollen wieder raus, sie wollen wieder feiern«, sagt Staroselski. »Es ist aber wichtig, dass wir trotz aller Fortschritte im Kampf gegen Corona die Gefahren des Virus jetzt nicht unterschätzen, damit wir im nächsten Jahr hoffentlich wieder alle physisch gemeinsam zu Lag BaOmer am Lagerfeuer tanzen können.«

Israel

In Deboras Fußstapfen

Seit 2018 versuchen Frauen, an den Halacha-Prüfungen des Oberrabbinats teilzunehmen. Nun ist es ihnen gelungen

von Sophie Goldblum  08.05.2026

Talmudisches

Die Zahl 80

Was unsere Weisen über die wahre Stärke im Alter lehren

von Avi Frenkel  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026

Medien

Worte wiegen schwer

Was dürfen Journalisten? Auch Pressekodex und Gesetz kennen Grenzfälle. In der jüdischen Ethik wirft der Chafetz Chaim einen interessanten Blick auf die Frage, was an die Öffentlichkeit gehört

von Mascha Malburg  07.05.2026

Behar–Bechukotaj

Vom Joch befreit

Wie der Ewige seinem Volk die Last der Unterdrückung nimmt

von Rabbiner Avraham Radbil  07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Interview

Josef Schuster: »Juden und Muslime sind keine Erzfeinde«

Bald startet der Katholikentag in Würzburg. Mit dabei: der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Welche Tipps er für Gäste hat - und wie er auf Juden, Christen und Muslime in aufgeheizten Zeiten blickt

von Leticia Witte  06.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert