Köln/Rom

Offene Fragen

In den Äußerungen von Benedikt XVI. sehen sie Rabbiner eine Gefahr für den Dialog mit der katholischen Kirche: Petersdom in Rom Foto: dpa

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) hat vergangene Woche einen Brief an Kurienkardinal Kurt Koch gesandt, den Präsidenten der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. In ihrem Schreiben äußern die Rabbiner ihr Befremden darüber, dass Koch ein Geleitwort zu einer Veröffentlichung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verfasst hat.

Die Zeitschrift »Communio« hatte am 12. Juli unter dem Titel »Gnade und Berufung ohne Reue« einen Text Benedikts veröffentlicht. Darin setzt sich der emeritierte Papst mit der sogenannten »Substitutionstheorie« und dem Begriff »nie gekündigter Bund« auseinander. »Beide Thesen«, schreibt er, »dass Israel nicht durch die Kirche substituiert werde und dass der Bund nie gekündigt worden sei – sind im Grunde richtig, sind aber doch in vielem ungenau und müssen kritisch weiter bedacht werden«.

Gespräch Die Rabbiner sehen in diesen Äußerungen eine Gefahr für den jüdisch-katholischen Dialog. Sie möchten von Kardinal Koch wissen, warum er in seinem Geleitwort meint, dass Benedikts »theologische Reflexionen in das künftige Gespräch zwischen Kirche und Israel eingebracht werden sollten« und »der vorliegende Beitrag das jüdisch-katholische Gespräch bereichern wird«.

Sie könnten sich des Eindrucks nicht erwehren, schreiben die Rabbiner, »dass Papst Benedikt XVI. in seinen theologischen Überlegungen für eine religiöse Wertschätzung des heutigen Judentums (...) wenig Platz lässt«.

Darüber hinaus fragten sie sich, »wie die Überlegungen des emeritierten Papstes in Einklang mit den Aussagen von Papst Franziskus stehen«. Dieser hatte 2013 formuliert: »Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes«. Es sei daher »auch für die Kirche eine Bereicherung, wenn sie die Werte des Judentums aufnimmt«. Die Rabbiner bitten nun Koch, ihnen »dabei zu helfen, Antworten auf unsere Fragen und Zweifel zu finden«.

Bereits im Juli hatte der Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Rabbiner Walter Homolka, Benedikts Text kritisiert. Er warf dem emeritierten Papst vor, einen neuen Antisemitismus auf christlicher Grundlage zu fördern und »christliche Identität auf Kosten der jüdischen« zu formulieren. tok

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