Schawuot

»Manche Regeln im Judentum nerven«

Laura (10)
Natürlich kenne ich die Zehn Gebote, und ich befolge sie auch. Aber es gibt im Judentum auch Regeln, die mich nerven. Zum Beispiel, dass ich zur Synagoge laufen muss, wenn ich zwölf Jahre alt bin, also wenn ich Batmizwa hatte. Da nutze ich es jetzt aus und genieße es, dass ich noch fahren darf. Ansonsten sind bei uns zu Hause vor allem unsere Tischregeln anstrengend. Zum Beispiel, dass wir immer ermahnt werden, dass wir die Ellbogen vom Tisch nehmen sollen, und dass wir nach dem Essen die Teller in die Spülmaschine räumen sollen. Und es ist blöd, dass ich während der Woche nicht fernsehen darf und wir viel früher ins Bett gehen müssen als am Wochenende! Da sollen wir schlafen, obwohl es draußen noch so schön hell ist!

Joshi (6)
Man darf nicht töten, man darf nicht klauen, man darf nicht beißen. Wenn man eine Frau heiratet, darf man nicht noch eine andere haben. Und man soll auf die Eltern hören, sagt meine Mama. Manche Regeln gefallen mir aber nicht. In der Schule finde ich es nicht gut, dass die Hofpause so kurz ist. Zu Hause würde ich gerne Cola trinken. Und mal eine Pizza mit Salami probieren! Das erlauben die Eltern aber leider nicht. Außerdem würde ich in meinem Zimmer lieber meine Ruhe haben. Aber meine kleine Schwester ist immer da, und ich soll auch noch nett zu ihr sein. Manche Regeln sind okay: Ich darf zu Hause viel spielen und habe tolles Spielzeug. Sogar eine ferngesteuerte Spinne. Und ich bekomme zwei Kugeln Eis auf einmal, wenn ich will. Das ist auch genug!

Ori (8)
Gebote und Regeln – was mir auf die Nerven geht? Also, mich stört, dass man auf dem Pausenhof fragen muss, ob man mitspielen darf. Mich haben mal Kinder gefragt, ob ich mitspielen will. Ich habe Nein gesagt und dann eine andere Gruppe gefragt, ob ich mitspielen darf. Und dann sagen die Nein, und ich kann gar nichts spielen. Das ist doch bescheuert! Und es nervt mich, dass die Lehrer in die Schultasche gucken dürfen, wenn man heimlich mit dem Handy Mathe-Aufgaben löst. Wenn die das nicht dürften, könnte ich den Handy-Taschenrechner viel öfter benutzen! Eine blöde Regel zu Hause ist, dass ich keinen Nachtisch bekomme, wenn ich vom Tisch aufstehe, bevor das Essen zu Ende ist. Das ist doof!

Leia (9)
Dass es in der Regel Hausaufgaben gibt, ist nicht so schön. Ansonsten ist es schon okay, was in der Schule erlaubt und was verboten ist. Aber eine wichtige Regel fehlt: Auf dem Pausenhof müsste es eine Grenze geben, bis wohin der Fußball beim Spielen rollen darf. Sonst rollt er ins Blumenbeet. Zu Hause haben wir uns einmal abends einfach nicht fürs Bett fertig gemacht, und dann ist mein Papa so richtig sauer geworden. Deswegen haben wir jetzt die Regel, dass wir von Montag bis Freitag nicht mehr fernsehen dürfen. Die Zehn Gebote haben wir in der Schule auch schon gelernt. Am wichtigsten davon ist, dass man die Eltern ehren soll. Aber ich mache es leider nicht ...

Mit Laura, Ori und Leia sprach Rivka Kibel in Frankfurt am Main. Mit Joshi sprach Ayala Goldmann in Berlin.

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  14.08.2026

Schoftim

Was wir sehen – und was nicht

Die moderne Wahrnehmungsforschung und die Tora verweisen auf dieselbe Einsicht: Unser Blick prägt unser Urteil

von Rabbiner David Kraus  14.08.2026

Talmudisches

Von Marktplätzen und Badehäusern

Was unsere Weisen über die Vervollkommnung der materiellen Welt lehren

von Vyacheslav Dobrovych  14.08.2026

Klima

Wenn der Himmel den Hahn zudreht

Wassermangel ist ein zentrales Motiv in der jüdischen Tradition – von der Schöpfung bis zum Gebet für Regen

von Rabbiner Elischa Portnoy  13.08.2026

Religion

Sonnenfinsternis zum Beginn des Elul

Das Himmelsereignis fällt mit einem besonderen jüdischen Datum zusammen

 12.08.2026

Vorfall

»Hitler« und »Freies Palästina«: Jüdisches Gebetbuch antisemitisch beschmiert

Ein Mitarbeiter des deutsch-jüdischen Vereins »WerteInitiative« bestellte einen Machsor für die anstehenden Feiertage – doch als er ihn zu Hause öffnete, fand er darin eindeutige Schmierereien

von Mascha Malburg  12.08.2026

»Dina de Malchuta Dina«

Gottes Gebot oder Staates Gesetz?

Ein talmudisches Prinzip besagt, dass sich fromme Juden auch an das Gesetz ihres Landes halten müssen. Doch was geschieht, wenn dies mit den Pflichten der Religion kollidiert?

von Rabbiner Daniel Fabian  07.08.2026

Talmudisches

Durst

Was unsere Weisen über die lebensspendende Kraft des Wassers lehren

von Rabbinerin Yael Deusel  07.08.2026

Re’eh

Segen und Fluch

Warum die Tora uns die Wahl lässt – aber dennoch zum Leben aufruft

von Jay Schlesinger  06.08.2026