Interreligiöser Dialog

»Gemeinsamkeiten entdecken«

Rabbiner Elias Dray Foto: Gregor Zielke

Herr Rabbiner, Sie sind vor Kurzem bei einer Veranstaltung des Berliner Projekts »meet2respect« mit dem muslimischen Gemeindevorsitzenden Ender Cetin in eine Schule in Kreuzberg gegangen – und haben dort gemeinsam über das Judentum und den Islam gesprochen. Wie waren Ihre Erfahrungen?
Ich war äußerst positiv überrascht, dass die muslimischen Schüler sehr offen waren und ein großes Interesse hatten, mehr über das Judentum zu erfahren und zu lernen. Es waren Schüler aus der 5. Klasse, und es war ein gutes Erlebnis.

Was wussten die Schüler schon über das Judentum?
Sie wussten ein bisschen Bescheid, aber vieles war ihnen nicht klar. Sie dachten zum Beispiel, dass nur Muslime kein Schweinefleisch essen – sie wussten nicht, dass es bei Juden genauso ist. Manche meinten auch, dass nur Muslime von Awraham abstammen. Aber sie wussten, dass wir Juden die Tora haben, und sie hatten auch davon gehört, dass es in jüdischen Gotteshäusern keine Bilder von Menschen gibt. Sie hatten also die Möglichkeit, eine Menge Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Wäre es nicht hilfreich, in eine solche Veranstaltung auch jüdische Schüler miteinzubeziehen?

Ja, das wäre sicherlich sinnvoll. Ich finde dieses Projekt sehr wichtig und hoffe, dass es nicht nur in Berlin, sondern deutschlandweit stattfinden kann. Denn wenn man Vorurteile schon im Schulalter abbauen kann, dann ist dies das Gebot der Stunde. Wir sollten nicht warten, bis die Leute älter sind. Ich fände es auch gut, wenn jüdische Dachverbände solche Gespräche mit Schülern unterstützen und jüdische Gemeinden sich daran beteiligen würden. Die ganze jüdische Gemeinschaft sollte das unterstützen. Es gibt viele Rabbiner, die sich beteiligen würden, aber man bräuchte auch einen Koordinator.

Sind Sie bei Ihrem Gespräch mit den Schülern auch auf Vorurteile gegenüber Juden gestoßen?

Nein, es war ein gutes Treffen. Aber die Lehrerin hat mir gesagt, dass es bei einem Gespräch mit Schülern aus höheren Klassen wahrscheinlich nicht ganz so friedlich abgelaufen wäre.

Der interreligiöse Dialog mit Erwachsenen verläuft sicherlich anders als mit Schülern. Geht es bei Gesprächen zwischen Juden und Muslimen, die Sie erlebt haben, verstärkt um religiöse Traditionen?
Ja, das ist so. In München war ich einmal bei einer Veranstaltung über Sterbevorschriften, und es war hochinteressant und verblüffend, wie ähnlich sich jüdische und muslimische Bräuche sind. Im Judentum wird zum Beispiel in Richtung Jerusalem, im Islam Richtung Mekka begraben.

Wie kommt der jüdisch-muslimische Dialog bei Ihren Gemeindemitgliedern an? Erhalten Sie Zustimmung, oder gibt es auch Kritik?
Ich habe persönlich noch keine Kritik gehört. Ich finde es sehr wichtig, dass wir es machen. Aus meiner Erfahrung, auch aus vielen Treffen mit Erwachsenen, kann ich sagen: Das Gespräch hilft, allein die Begegnung baut Vorurteile ab. Das gilt auch für uns Juden. Ganz banal gesagt: Es tut gut, zu hören, dass bei Weitem nicht alle Muslime Gewalt befürworten.

Mit dem Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg sprach Ayala Goldmann.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  01.10.2026

Talmudisches

Frieden mit sich selbst und anderen

Was unsere Weisen über das innere Gleichgewicht und das Miteinander lehren

von Vyacheslav Dobrovych  01.10.2026

Feiertage

Gut gefüllt

Zu Sukkot gibt es eigentlich keine traditionellen Speisen wie an Rosch Haschana oder Pessach. Und doch essen sich gefülltes Gemüse, Teigtaschen und gestopfte Weinblätter in der Laubhütte besonders gut. Steckt mehr dahinter?

von Daniela Rusowsky  29.09.2026

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Zusammenhalt

Was uns verbindet

Sieben Tage feiern Juden in der Laubhütte. Der achte aber hat eine eigene Botschaft

von Rabbiner Elischa Portnoy  25.09.2026

Sukkot

Mit Herz und Sinnen

Welche Bedeutung die Vier Arten an Sukkot haben und warum sie den Menschen erfreuen

von Rabbiner Avraham Radbil  24.09.2026

Sukkot

»… und du sollst nur fröhlich sein«

Warum die Tora gerade das Laubhüttenfest zu einer Zeit unserer Freude erklärt

von Vyacheslav Dobrovych  24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

Laubhüttenfest

Ein Fest der Natur

Vom Feiern der Schöpfung zur Verantwortung für ihre Bewahrung

von Rabbiner Yehoyada Amir  23.09.2026