Tu Bischwat

Geduld mit den Sprösslingen

Tu Bischwat-Pflanzung in Gusch Ezion Foto: Flash 90

Tu Bischwat

Geduld mit den Sprösslingen

Was das Neujahrsfest der Bäume mit Kindererziehung zu tun hat

von Moshe Don Kestenbaum  26.01.2015 19:49 Uhr

Ein Kind großzuziehen, kann in meinem Augen damit verglichen werden, einen Baum zu pflanzen. Wir haben von Gott eine kostbare Saat bekommen, um zu sehen, wie sie sich entwickelt und wächst. Wir haben die Art der Saat nicht ausgewählt, und wir können ihr Wachstum nicht kontrollieren. Wir versuchen nur, unser Bestes zu geben, damit sie wächst und gedeiht, und wir lehnen uns zurück und warten. Vielleicht deswegen lautet das hebräische Wort für Nachkommen »zerah« – das bedeutet »Samen« oder »Saatkorn«.

Manche von uns haben Saatgut bekommen, das wenig Aufmerksamkeit braucht, während andere Saatkörner von etwas komplizierterer Art sind. Wir dürfen deswegen nicht frustriert sein, weil der Ewige uns gerade dieses Saatkorn gegeben hat, sondern unsere spezielle Mission annehmen. Das Saatkorn jedoch anzuschreien: »Was soll das? Kannst du nicht endlich wachsen?«, wird seine Entwicklung definitiv verzögern.

Unser Ziel ist es, unseren Kindern so viel angedeihen zu lassen wie möglich. Wir lieben sie dafür, wer sie sind. Wir zeigen ihnen, wie wunderbar die Tora ist. Wir »gießen« sie, wir sorgen für Sonnenschein. Nur weil wir das Wachstum nicht sofort bemerken, heißt das nicht, dass es nicht stattfindet.

Wachstum Wenn eine Pflanze aus dem Boden hervorbricht, hat ihr Wachstum bereits Monate zuvor begonnen – unsichtbar für unsere Augen. Seit Jahren sehe ich, wie Schüler der 12. Klasse gute Lernfortschritte machen, während sie in der 11. Klasse schlechte Schüler waren. Manchmal dauert es einfach seine Zeit, bis sich inneres Wachstum auch in äußere Handlungen umsetzt.

Rabbiner Samson Raphael Hirsch erklärt, dass darin die Bedeutung des Feiertages Tu Bischwat liegt. In seinem poetischen Stil schrieb er: »Obwohl wir uns noch in der düsteren Umklammerung des Winters befinden, hat das sanfte Murmeln des erwachenden Frühlings bereits seine verborgene Arbeit begonnen. Im Kern und in dem aderartigen Netzwerk der Bäume, still und sanft, jenseits des zufälligen Blickes, fließt das neue Lebensmark und kündet vom Kommen des Frühlings.«

Wären wir stärker in Kontakt mit dem realen Wachstumsprozess unserer Kinder und Menschen im Allgemeinen, dann würden wir den wahren inneren Zustand unseres Kindes besser verstehen. Ein Elternteil hat mir einmal erzählt, er sehe keine bedeutende Veränderung; allerdings sei das Kind zu Hause jetzt etwas höflicher. Ich sagte: »Das ist doch toll. Hier findet wirklich inneres Wachstum statt. Mit Gottes Hilfe wird es weitergehen.«

Sonnenstrahl Als Eltern und Erzieher sollten wir den Schwerpunkt nicht darauf legen, Früchte zu erzeugen, sondern darauf, die Saat wachsen zu lassen. Wenn man einen Baum auf ungesunde Art und Weise manipuliert, um die Frucht schneller reifen zu lassen, dann wird die Produktion langfristig und häufig sogar kurzfristig darunter leiden.

Wir müssen uns darauf konzentrieren, der Frucht große Mengen an Wasser und Sonnenschein zur Verfügung zu stellen, und es jedem Kind erlauben, in seiner Weise und in seinem Tempo zu wachsen und zu blühen. Jedes Anzeichen von Liebe ist ein weiterer Sonnenstrahl. Jedes positive Wort ist ein weiterer Wassertropfen. Jede positive Erfahrung trägt dazu bei, dass sich das Potenzial des Saatgutes verwirklichen kann. Umgekehrt richtet jede negative Erfahrung Schaden an.

Wir leben in turbulenten Zeiten. Die Stürme um uns herum werden immer stärker. Und während wir unser Bestes geben, um diese Stürme abzuwehren, liegt die einzige Lösung darin, einen Baum mit stärkeren und tieferen Wurzeln hervorzubringen. Wir müssen unser Bestes tun, um jedem Kind einen großen Teil an Selbstbewusstsein und Liebe für die Tora einzupflanzen. Wenn nicht, besteht das Risiko, dass das Kind von den Stürmen hinweggefegt wird.

Möglicherweise haben wir nach einem langen Winter noch keinen Durchbruch einer Pflanze an die Oberfläche gesehen. Dennoch müssen Eltern und Erzieher sich klarmachen, dass ihre Anstrengungen nicht umsonst sind. Es sind oft die kostbarsten Früchte, deren Reife am Längsten dauert.

Übersetzung und Abdruck mit freundliche Genehmigung von www.aish.com

Meinung

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Ein Kommentar von Daniel Neumann

von Daniel Neumann  02.03.2026

Krieg zwischen Iran und Israel

»Als sich das Blatt wendete«

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt zum Tod von Ali Chamenei: »Dies ist der Moment, auf den das iranische Volk seit einem halben Jahrhundert gewartet hat«

 01.03.2026

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Tezawe

72 Buchstaben

Jedes Wort der heiligen Sprache trägt eine innere Essenz in sich. Der Zahlenwert eines jeden Begriffs hat eine besondere Bedeutung

von Vyacheslav Dobrovych  27.02.2026

Talmudisches

Wunder und Weisheit

Was unsere Weisen über die Kraft des Gebets und die Verantwortung des Menschen lehren

von Rabbiner Avraham Radbil  27.02.2026

Purim

Die geniale Königin

Ein Detail in der Megilla verrät, wie gekonnt Esther ihren Mann Ahasveros gegen Haman aufbrachte, um ihr Volk zu retten

von Rabbiner Yehuda Teichtal  26.02.2026

Teruma

Geben und Nehmen

Das menschliche Leben ist von Abhängigkeiten geprägt. Wer dies akzeptiert, öffnet sich für die Gemeinschaft und die göttliche Gegenwart

von Guy Balassiano  20.02.2026

Talmudisches

Den inneren Löwen besiegen

Was unsere Weisen über die physische Wirklichkeit hinter der spirituellen Realität des Tanach lehrten

von Vyacheslav Dobrovych  20.02.2026