Talmudisches

Ein Vorbild echten Gemeinsinns

Sukkot in Mea Schearim in Jerusalem Foto: Flash 90

Im Talmud finden wir ein ganzes Traktat, das sich mit Sukkot, dem Laubhüttenfest, beschäftigt. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Bau und der Gestaltung der Sukka, der Laubhütte, und dem Feststrauß Lulaw. Beide sind Eckpfeiler des Festes und Thema vieler talmudischer Betrachtungen und Auslegungen.

Jedoch zeichnen Lehrmeinungen und Berichte des Talmuds immer nur ein Bild eines vollkommenen Festes in einer vollkommenen Gemeinschaft. Tatsächlich kann aber die Umsetzung dieser Anleitungen dem Ideal immer nur nachstreben, ohne je die Vollkommenheit zu erreichen, denn keine Gemeinschaft von Menschen kann je perfekt und ganz ohne Tadel sein.

Der Talmud erzählt uns deshalb, wie unsere Weisen es sich stets zum Ziel gemacht haben, ihre Anhänger zur Vollkommenheit anzuleiten und nach der Tora zu leben.

LEBENSWANDEL Im Talmudtraktat Sukkot 28a lesen wir von Rabbi Elieser, dessen Ziel es stets war, alle durch seinen vorbildlichen Lebenswandel zu inspirieren. Sein voller Name war Rabbi Elieser Ben Hyrkanos. Er war einer der Lehrer von Rabbi Akiwa und ist als einer der großen Lehrer der Periode der Mischna bekannt.

Einst feierte Rabbi Elieser den Schabbat im nördlichen Galil. Viele Menschen hatten sich versammelt, um den berühmten Weisen persönlich zu erleben. Nach seinem Vortrag stellte man ihm 30 Rechtsfragen, die die Laubhütte, die Sukka, betrafen.

Auf zwölf Fragen erwiderte er, er habe die Antworten und rechtliche Entscheidungen von seinen Lehrern gehört. Und auf 18 weitere Fragen erwiderte er, er habe diesbezüglich keine Entscheidungen seiner Lehrer vernommen und könne demnach die gestellten Fragen auch nicht beantworten.

ÜBERLIEFERUNGEN Die Menschen fragten ihn daraufhin: Beruhen denn all deine Worte nur auf den Überlieferungen deiner Lehrer? Hast du selbst denn gar keine eigene Meinung darüber?

Da erwiderte er ihnen: »Jetzt nötigt ihr mich, etwas zu sagen, das ich nicht von meinen Lehrern gehört habe. Obwohl ich das ungern tue, muss ich nun einmal über mich selbst reden sowie über die Art und Weise meiner Lebensführung. Nun, so sei’s! Vernehmt also, was ich für besonders wichtig erachte: Immer treffe ich als Erster im Lehrhaus ein und verlasse es als Letzter; nie im Leben schlief ich im Lehrhaus; niemals überlasse ich mich der unnützen und müßigen Rede; und außerdem sage ich nie etwas, das ich nicht bereits von meinem verehrten Lehrer Rabbi Jochanan ben Zakkaj vernommen hätte.«

So zeichnete der berühmte Gelehrte ein beispielhaftes Bild der Bescheidenheit, das allen als Vorbild dienen sollte.

Über Rabbi Eliesers Vorbild, den berühmten Weisen Jochanan ben Zakkaj, wird ebenfalls überliefert, er habe niemals unnütze Rede geführt, er sei stets der Erste und der Letzte im Lehrhaus gewesen; habe nie im Leben über unnütze, gewöhnliche Dinge nachgedacht; er sei nie im Leben auch nur vier Ellen weit ohne Tora und ohne Tefillin gegangen; auch habe ihn nie jemand müßig still sitzen sehen, vielmehr saß er immer und lernte die Tora.

schüler Trotz seiner eigenen bedeutenden Stellung öffnete der Rabbi stets persönlich die Tür für seine Schüler. Nie habe er die Anwesenden aufgefordert, es sei Zeit, das Lehrhaus zu verlassen, ausgenommen an den Vorabenden des Pessachfestes, als sie verpflichtet waren, das Pessachlamm zu opfern, und am Vorabend des Jom Kippur, wenn es als Mizwa gilt zu essen und reichlich zu trinken. Und schlussendlich soll auch Rabbi Jochanan ben Zakkaj nie etwas gesagt haben, was er nicht bereits von seinen eigenen Lehrern gehört hätte.

All diese Gepflogenheiten hatte sein Schüler Rabbi Elieser an ihm bewundert, übernommen und weitergegeben, um seine Anhänger auf den Weg zu einer idealen, wahrhaften und selbstlosen Gemeinschaft zu führen.

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Zusammenhalt

Was uns verbindet

Sieben Tage feiern Juden in der Laubhütte. Der achte aber hat eine eigene Botschaft

von Rabbiner Elischa Portnoy  25.09.2026

Sukkot

Mit Herz und Sinnen

Welche Bedeutung die Vier Arten an Sukkot haben und warum sie den Menschen erfreuen

von Rabbiner Avraham Radbil  24.09.2026

Sukkot

»… und du sollst nur fröhlich sein«

Warum die Tora gerade das Laubhüttenfest zu einer Zeit unserer Freude erklärt

von Vyacheslav Dobrovych  24.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  24.09.2026 Aktualisiert

Laubhüttenfest

Ein Fest der Natur

Vom Feiern der Schöpfung zur Verantwortung für ihre Bewahrung

von Rabbiner Yehoyada Amir  23.09.2026

Sukkot

Wenn der Himmel unser Dach wird

Vielleicht können wir Israelis nach Jahren in Schutzräumen die Bedeutung der fragilen Laubhütte heute noch besser verstehen. Ein Essay

von Rabbiner Raphael Evers  23.09.2026

Feiertage

Chatima towa, oder was?

Was von Rosch Haschana über Jom Kippur bis Sukkot die korrekte Grußformel ist

von Rabbiner Yaacov Zinvirt  25.09.2026 Aktualisiert

Jom Kippur

Noch einen Bissen, dann ist Schluss

Für die einen ist Fasten an Jom Kippur religiöses Gebot, für die anderen eine Prüfung von Körper und Willenskraft

von Nicole Dreyfus  18.09.2026