Pessach

Doppelt heilig

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Zweimal im Jahr, während Pessach und Sukkot, gibt es jeweils einen sogenannten Schabbat Chol Hamoed, einen Schabbat der Zwischenfeiertage. Die Toralesung an diesen beiden Schabbatot besteht aus einem Teil des Wochenabschnitts Ki Tissa.

Am Ende der Lesung geht es zusammenfassend um die Schalosch Regalim, die drei Pilgerfeste, die offensichtliche Verbindung zu diesem Tag. Aber wir lesen auch von Dingen, die – auf den ersten Blick! – mit dem Feiertag nichts zu tun haben: Mosche bittet G’tt, den Kindern Israels die Sünde des Goldenen Kalbs zu vergeben und ihnen Seine Nähe nicht zu entziehen (2. Buch Mose 33, 12–19). Es ist eine der aufrichtigsten Bitten, die in der jüdischen Geschichte je geäußert wurden.

Status Die Kommentare erklären diese Passage zwar unterschiedlich, sind sich aber grundsätzlich einig: Das jüdische Volk hatte seinen herausgehobenen Status verloren, und nun war es Mosches Aufgabe, zu versuchen, diese besondere Verbindung wiederherzustellen und G’ttes Wege so gut wie möglich zu verstehen.

G’tt versichert Mosche, dass Er selbst und nicht irgendein Stellvertreter sie in der Wüste begleiten wird (33,14). Mosche bekräftigt: »Wenn aber Dein Angesicht nicht mitgeht, dann führe uns nicht von hier hinauf!« G’tt solle das Volk dann doch lieber nicht auffordern, das Lager zu verlassen.

Mosche zeigt hier seine unglaublich große Liebe zum jüdischen Volk. Die Kinder Israels liegen ihm derart am Herzen, dass er sich, wenn es um ihr Wohl geht, sogar mit G’tt streitet.

Schabbat Chol Hamoed ist ein einzigartiger Tag. An ihm ist sowohl einer der Pessachfeiertage als auch Schabbat. Beide fallen mit ihren jeweiligen Besonderheiten auf einen Tag. Wenn Schabbat und Feiertag verbunden sind, dann verschmelzen sie miteinander und erzeugen eine neue, besondere Heiligkeit.

Königin Schabbat Charakteristisch für den Schabbat ist, dass sie (!) – im Hebräischen ist der Schabbat weiblich – zu den Juden kommt. Wir gehen nach draußen, in die Straßen, um die Königin Schabbat willkommen zu heißen, die auf ihrem Weg zu uns ist. Zu Hause begrüßen wir am Freitagabend auch die begleitenden Engel mit dem Lied »Schalom Alejchem«.

An Feiertagen ist es umgekehrt: Da müssen wir selbst nach Jerusalem hinaufsteigen und uns ins Reich der g’ttlichen Gegenwart begeben. Anders als am Schabbat schickt G’tt Seine Heiligkeit nicht zu uns, sondern wir müssen selbst zu Ihm, an Seinen Platz kommen und Ihn dort begrüßen.

Wenn nun aber Schabbat und Feiertag auf einen Tag fallen, erheben wir uns, steigen hinauf, nähern uns G’tt – und gleichzeitig kommt Er auch zu uns.

Diese Nähe zwischen G’tt und dem jüdischen Volk ist eine qualitativ andere als die am Schabbat oder an einem Feiertag allein. Sie spiegelt sich in der Wiederannäherung zwischen G’tt und Seinem Volk in ebendieser Toralesung wider: G’tt ist einverstanden, dem jüdischen Volk zu vergeben und mit ihm eine Beziehung von bis dahin unbekannter Innigkeit einzugehen. All das verdanken wir Mosches inniger Bitte, seiner Sorge um die Kinder Israels und seiner Liebe ihnen gegenüber.

Schir HaSchirim So können wir verstehen, warum unsere Weisen festgelegt haben, am Schabbat Chol Hamoed Pessach Schir Haschirim, das Hohelied, zu lesen. Denn es beschreibt die Liebe zwischen G’tt und dem jüdischen Volk. Sowohl Schir Haschirim als auch das Buch Kohelet, Prediger Salomo, das am Schabbat Chol Hamoed Sukkot gelesen wird, beleuchten unser Verhältnis zu G’tt und bringen zum Ausdruck, wie nahe wir einander stehen.

Diese beiden besonderen Schabbatot geben uns ein tieferes Verständnis dafür, dass wir niemals allein sind. Sie zeigen uns, dass unsere Liebe zu G’tt damit beginnt, dass wir einen Schritt auf Ihn zugehen, indem wir unsere eigene Trägheit überwinden und selbst aktiv werden. Dann wird auch Er auf uns zukommen.

Der Autor ist Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland.

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