Initiative

»Deutschland singt« will am 3. Oktober bundesweit Danke sagen

Foto: PR

30 Jahre deutsche Einheit - eigentlich wäre am 3. Oktober ein Freudenfest angesagt. Doch er hat sich bislang als ein schwieriger Nationalfeiertag erwiesen, nicht nur wegen des manchmal herbstlichen Wetters.

»In den meisten Ortschaften und Städten gibt es bisher keine öffentliche Feiertradition der Bevölkerung - der 3. Oktober als Nationalfeiertag wird so gerade von der jungen Generation kaum mehr in seiner Bedeutung wahrgenommen«, bemängelt auch eine bundesweite Initiative um den Bundesmusikverband Chor & Orchester und evangelische Musikverbände. Sie ruft Chöre, Gemeinden, Musikgruppen, Bands, Vereine, Musikschulen und Bürger bundesweit auf, am 3. Oktober 75 Jahre Frieden in Europa und 30 Jahre Wiedervereinigung in Deutschland zu feiern.

ZEICHEN Die Veranstalter planen »ein Zeichen der Dankbarkeit und der Hoffnung für die Zukunft des Landes«. Eine positive Botschaft also gegen Unbehagen und Griesgrämigkeit. Das sprichwörtliche »German Jammern«, noch ausstehende Angleichungen von Verhältnissen in Ost und West sowie unterschiedliche Sozialisationen führten zu »einem leider wachsenden Nichtverstehen auf beiden Seiten«. Errungenschaften und Baustellen der letzten 30 Jahre sollten zum Thema gemacht werden.

Zentralratspräsident Josef Schuster wünscht sich, dass »von den Singenden ein Signal ausgeht, für ein friedliches Zusammenleben in einem vereinigten Deutschland, ohne Hass, Rassismus und Antisemitismus«.

Die Schirmherrschaft zu der Aktion unter dem Motto »Deutschland singt« haben der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), übernommen.

Zum Unterstützerkreis gehören auch der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, die thüringische Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der katholische Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers sowie der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, und der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland, Martin Dutzmann.

FRIEDEN Bedford-Strohm bezeichnet das gemeinsame Singen am Nationalfeiertag als wichtiges Zeichen »gegen alle Kräfte, die uns als Gesellschaft auseinanderbringen wollen«. Es sei auch ein Zeichen gegen Angst und Gewalt, Rassismus und Antisemitismus. Schuster wünscht sich, dass »von den Singenden ein Signal ausgeht, für ein friedliches Zusammenleben in einem vereinigten Deutschland, ohne Hass, Rassismus und Antisemitismus«.

Unterstützer der Aktion kommen zum Großteil aus der christlichen Szene. Partner sind unter anderem die Stiftung Creative Kirche, die für das Martin-Luther-King-Musical verantwortlich zeichnete, außerdem der CVJM, der Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Evangelische Allianz.

Schon heute sind nach Angaben der Veranstalter 200 Initiativen aus über 150 Orten, Gemeinden und Städten mit dabei.

Auf Marktplätzen in ganz Deutschland soll es an diesem Tag ab 19.00 Uhr ein Offenes Singen geben. Schon heute sind nach Angaben der Veranstalter 200 Initiativen aus über 150 Orten, Gemeinden und Städten mit dabei. Nur einige wenige Eckpfeiler des Programms sind festgelegt: Beispielsweise soll es Kerzen geben - als historisches Zeichen in Anlehnung an die Kirchen während der »Friedlichen Revolution« 1989.

LIEDER Auch sind die ersten zehn Lieder festgelegt. Es beginnt mit »Die Gedanken sind frei« und »Wind of Change«. Mit dabei sind auch »Nun danket alle Gott«, »Amazing Grace« und »Von guten Mächten«.

Nicht zuletzt hat es das Lied »Hevenu Shalom Alechem« auf die Liederliste geschafft - als Zeichen gegen Antisemitismus. Sonst sind alle Veranstalter frei, das Event auszubauen. Die Initiative gibt Hilfsmittel wie Liederhefte, Playbacks oder Tipps fürs Spendensammeln.

Nicht zuletzt hat es das Lied »Hevenu Shalom Alechem« auf die Liederliste geschafft.

Geplant ist nach Angaben von Pressesprecher Stefan Kahe auch eine Art Live-Stream im Internet: TV-Journalist Tim Niedernolte wird ab 18.45 Uhr vor der Nikolaikirche in Leipzig moderieren. Anschließend werden die zehn Lieder, aufgenommen bei Chorproben, als eine Art Karaoke abgespielt. Dazwischen erzählen Zeitzeugen, wie sie die Wiedervereinigung erlebt haben.

Corona soll kein Hindernis darstellen, auch wenn manche Chöre vom Gesundheitsamt ein Stoppschild gezeigt bekommen haben. »Wir singen zur Not auch vom Balkon und Fenster, falls die Coronakrise am 3. Oktober eine öffentliche Feier auf den Marktplätzen noch nicht ermöglicht«, sagt Projektleiter Bernd Oettinghaus.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Schemini Azeret

Ende und Anfang

Nach der langen Zeit der Feiertage beginnt der neue Jahreskreis

von Chajm Guski  02.10.2026

Simchat Tora

Im eigenen Rhythmus

Die fünf Bücher Mose bilden den Herzschlag des jüdischen Volkes

von Valentin Lutset  02.10.2026

Talmudisches

Frieden mit sich selbst und anderen

Was unsere Weisen über das innere Gleichgewicht und das Miteinander lehren

von Vyacheslav Dobrovych  01.10.2026

Feiertage

Gut gefüllt

Zu Sukkot gibt es eigentlich keine traditionellen Speisen wie an Rosch Haschana oder Pessach. Und doch essen sich gefülltes Gemüse, Teigtaschen und gestopfte Weinblätter in der Laubhütte besonders gut. Steckt mehr dahinter?

von Daniela Rusowsky  29.09.2026

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Zusammenhalt

Was uns verbindet

Sieben Tage feiern Juden in der Laubhütte. Der achte aber hat eine eigene Botschaft

von Rabbiner Elischa Portnoy  25.09.2026

Sukkot

Mit Herz und Sinnen

Welche Bedeutung die Vier Arten an Sukkot haben und warum sie den Menschen erfreuen

von Rabbiner Avraham Radbil  24.09.2026

Sukkot

»… und du sollst nur fröhlich sein«

Warum die Tora gerade das Laubhüttenfest zu einer Zeit unserer Freude erklärt

von Vyacheslav Dobrovych  24.09.2026