Talmudisches

Der verborgene Schatz

Die Kinder des Paares hatten gerade im Hof ihres Hauses gespielt und dort einen großen Schatz in der Erde entdeckt. Foto: Getty Images

Im Jalkut Schimoni (Ruth 607) lesen wir von einem frommen Mann und seiner Frau, die für ihre Redlichkeit und Rechtschaffenheit bekannt und geschätzt waren. Es geschah, dass das Paar all sein Geld verlor, und so waren sie froh, dass der Mann Arbeit bekam, die daraus bestand, ein Feld zu pflügen.

Eines Tages begegnete ihm der Prophet Elijahu, der aber als gewöhnlicher Mann verkleidet war. Elijahu trat auf ihn zu und sprach: »Sechs Jahre des Reichtums warten auf dich. Willst du sie jetzt oder am Ende deines Lebens?«

Der Mann glaubte ihm nicht und sagte mürrisch: »Du bist wohl ein Zauberkünstler. Du kannst mir doch gar nichts schenken. Bitte geh weg und lass mich in Ruhe!«

Wohlstand Doch Elijahu kam immer wieder zu ihm zurück. Das dritte Mal sagte der fromme Mann: »Also gut, aber erst will ich mich mit meiner Frau beraten.«

Er ging zu seiner Frau und sagte: »Dieser Mann ist dreimal zu mir gekommen, um zu verkünden, dass sechs Jahre Reichtum auf mich zukommen werden. Er möchte wissen, wann ich sie haben will: jetzt oder am Ende meines Lebens.« Die Ehefrau erwiderte ohne zu zögern: »Sag ihm, er soll dir den Wohlstand jetzt angedeihen lassen.«

Und so ging der Mann zu Elijahu und erzählte ihm, dass er sich mit seiner Frau beraten hat und dass diese meint, er solle das Vermögen jetzt annehmen. Da sagte Elijahu zu ihm: »Geh nach Hause. Noch bevor du zum Tor deines Vorgartens gelangst, wirst du erfahren, dass du gesegnet und beschenkt wurdest.«

Die Kinder des Paares hatten gerade im Hof ihres Hauses gespielt und dort einen großen Schatz in der Erde entdeckt. Aufgeregt liefen sie ins Haus und erzählten ihrer Mutter von dem Fund.

Diese kam und erblickte den wunderbaren Schatz. Hochbeglückt sagte sie: »Dieses Geld wird tatsächlich sechs Jahre lang reichen, um die Familie zu ernähren, und für weitere Anschaffungen.« Sie rannte hinaus aufs Feld, um ihrem Mann die gute Nachricht zu überbringen, noch bevor er zum Tor ihres Hauses kam. Und der fromme Mann dankte G’tt für die wunderbare Gabe.

Von nun an gab es für die ganze Familie reichlich zu essen und zu trinken und auch Kleidung für alle. Was aber tat die Frau? Sie sagte zu ihrem Mann: »G’tt war so gütig zu uns und gab uns all dieses Geld. Ich denke an all die Mittellosen, armen Menschen, denen nicht so viel Gutes widerfahren ist. Lass uns während dieser sechs Jahre auch anderen helfen und ihnen von unserem Vermögen reichlich zukommen.« Und so taten sie es. Sie suchten alle armen Menschen im Dorf auf und verteilten reichlich Gaben.

Rückgabe Als die sechs Jahre zu Ende gingen, erschein Elijahu wieder und sagte: »Die Zeit ist gekommen, dass ich wieder nehme, was ich dir gegeben habe.«

Der fromme Mann meinte: »Als ich das Geld angenommen habe, habe ich mich mit meiner Frau beraten. Jetzt, wo die Zeit gekommen ist, es zurückzugeben, lass mich noch einmal mit ihr sprechen.« Also ging er zu ihr und sagte:» Der Mann ist gekommen, um zurückzunehmen, was er uns gegeben hat.«

Die Frau antwortete: »Wenn er Leute finden kann, die das Geld nötiger haben als wir, sollte er es nehmen.«

G’tt wusste selbstverständlich von all den guten Dingen, die sie während der Zeit ihres Reichtums für andere getan hatten, und Er beschloss, ihnen noch mehr zu geben, wie es im Buch des Propheten Jesaja (32,17) heißt: »Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille und Sicherheit sein.«

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