Wieso Weshalb Warum

Alef

Nach der jüdischen Tradition hat der Buchstabe Alef eine besondere Bedeutung. Er stellt G’tt, den Schöpfer, das tiefe Mysterium der Einheit, und die Harmonie dar. Foto: Marco Limberg

Das Alef ist der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets. Er ist einer von zwei lautlosen Konsonanten in der hebräischen Sprache, was auch auf seine Eigenschaften hinweist: verborgen, unfassbar, unerklärlich und unendlich. Je nachdem, welchen Vokal man darunter oder darüber setzt, wird Alef A, E, I, O oder U ausgesprochen. Das Wort »Alef« bedeutete ursprünglich »Stier« oder »Herrscher«. Heute, in der israelischen Armee, ist ein »Aluf« ein General.

Nach der jüdischen Tradition hat der Buchstabe Alef eine besondere Bedeutung. Er stellt G’tt, den Schöpfer, das tiefe Mysterium der Einheit, und die Harmonie dar. Der numerische Wert von Alef ist 1. Alef symbolisiert den Anfang von allem im Universum, denn alles hatte seinen Ursprung in G’tt. Auch die Zehn Gebote beginnen mit dem Buchstaben Alef: »Anochi …« – »Ich bin der Herr, dein G’tt, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Hause der Knechtschaft. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben« (2. Buch Mose 20,2).

symbol Mit Alef beginnen auch die drei Worte, denen wir als Symbol für G’ttes mystischen Namen im 2. Buch Mose begegnen: »Ehje ascher Ehje« – »Ich bin, wer Ich bin«, oder nach Martin Buber: »Ich bin der immer Daseiende.« Alef ist ferner der erste Buchstabe des hebräischen Wortes »Emet« – Wahrheit.

Nach der Kabbala, der jüdischen Mystik, ist Alef der »König über den Atem« und symbolisiert die Luft im Universum.
Auch steht Alef in der Kabbala für die Einheit G’ttes. In der Gematria, der Interpretation von Worten mithilfe von Zahlen, steht Alef für die Ziffer 1. Der Sonntag ist Jom Alef, der erste Tag der jüdischen Woche.

Ein bekannter Midrasch wirft die Frage auf, warum das Alef nicht auserwählt wurde, der erste Buchstabe der Tora zu sein. In der Erzählung erscheinen alle Buchstaben vor dem Herrn und geben gute Gründe an, warum jeweils sie der erste Buchstabe sein sollten. Alle kommen – außer dem Buchstaben Alef. Als der Herr fragt, warum das so sei, erklärt das Alef: »Ich bin doch nur ein lautloser Buchstabe und habe deshalb nichts zu sagen.« Doch der Herr zeichnete die Demut des Alef aus und erklärte es zum ersten aller Buchstaben.

namen Es gibt eine Reihe von g’ttlichen Namen, die mit dem Buchstaben Alef beginnen: zum Beispiel El, Elokim, Ehje ascher ehje, Adoschem, Adon Olam, Adir. Der Ausdruck »von Alef bis Taf« (Taf ist der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets) bedeutet »von Anfang bis Ende« und ist das hebräische Äquivalent für den im Deutschen gebräuchlichen Ausdruck »von A bis Z«. Eine bekannte jüdische Redewendung besagt: »Der weiß ja nicht einmal, wie man ein Alef schreibt.« Das heißt, derjenige ist ungebildet.

Interessant zu erwähnen ist vielleicht auch, dass das kyrillische Alphabet die Reihenfolge des hebräischen Alefbets übernommen hat. Ja, Kyrill und Method, die beiden griechisch-orthodoxen Mönche, die das kyrillische Alphabet eingeführt haben, waren Kenner der hebräischen Philologie.

Feiertage

Rosch Haschana für Anfänger

Vom Lichterzünden bis zum Taschlich: eine kleine Einführung für weniger erfahrene Synagogenbesucher

von Rabbinerin Ulrike Offenberg  11.09.2026 Aktualisiert

Rosch Haschana

»Wenn ich einmal reich wärʼ …«

An Neujahr, so sagt der Talmud, legt Gʼtt die Summe fest, die wir im kommenden Jahr verdienen werden. Warum wir trotzdem arbeiten, planen und gut haushalten sollten

von Rabbiner Dovid Gernetz  11.09.2026

Teschuwa

Auf die echte Erneuerung!

Statt einfach nur unsere schlechten Laster loszuwerden, bedeutet die Mizwa vielmehr das Finden unseres wahren Ichs

von Rabbiner Jaron Engelmayer  11.09.2026

Neujahr

Stunde null

Zu Rosch Haschana können wir alljährlich durch Teschuwa unsere guten Potenziale hervorrufen

von Rabbinerin Elisa Klapheck  11.09.2026

Rosch Haschana

Jahr der Einheit

Wenn wir uns gegenseitig stärken, werden wir viel erreichen

von Rabbiner Avichai Apel  11.09.2026

Ernte

Von Möhren und Mehrn

Unsere Redakteurin will zu Rosch Haschana eine selbst gezogene Karotte essen. Ein jiddisches Wortspiel brachte sie auf die Idee – und auf einen Weg, auf dem sie manches über das Judentum und über sich selbst lernte

von Mascha Malburg  11.09.2026

Spiritualität

Eine Reise zum Ich

Unser Autor verbrachte die Feiertage als Kind in der Enge der jemenitischen Gemeinschaft von Kiryat Arba. Dann verließ er die religiöse Welt – und fand sie an Rosch Haschana in der Ukraine wieder

von Yonatan Amrani  11.09.2026

Zuwendung

Hagars Schicksal

Am Neujahrstag erzählt der Toraabschnitt von Saras ägyptischer Magd, der Mutter Jischmaels. Oft übersehen, ist sie eine Figur, die uns mahnt, die Augen offen zu halten und uns anderen Völkern nicht zu verschließen

von Paige Harouse  11.09.2026

Tekia

Wenn das Schofar zur Hoffnung ruft

Warum auch in bewegten Zeiten Zuversicht wachsen kann

von Rabbiner Raphael Evers  11.09.2026