Leipzig

Zweifel am Hauptzeugen im Prozess gegen Ofarim

Ofarim steht seit Dienstag in Leipzig vor Gericht Foto: picture alliance / REUTERS

Im Prozess gegen den Musiker Gil Ofarim hat die Verteidigung am Mittwoch die Aussagen des Leipziger Hotelmanagers angezweifelt. Gegen den 35-jährigen Markus W. war zunächst wegen antisemitischer Beleidigung ermittelt worden, die Ofarim ihm vorgeworfen hatte. Später wurden die Ermittlungen eingestellt. W. ist nun der Hauptzeuge im Leipziger Prozess und zudem Nebenkläger.

Der Hotelmanager hatte am Tag der fraglichen Auseinandersetzung im Leipziger »Westin«, am 4. Oktober 2021, Spätdienst an der Rezeption übernommen. Er verwehrte dem Münchner Rockmusiker das Einchecken, weil dieser ihm - nach einer technischen Panne - mit einer schlechten Hotelbewertung in den sozialen Netzwerken gedroht habe. Die Verteidiger stellten am Mittwoch in der Hauptverhandlung vor der 6. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig einen Antrag auf Vereidigung des Zeugen, bevor sie ihn selbst befragen wollten.

W. habe bisher nicht die Wahrheit gesagt und verschweige etwas Wesentliches aus dem Gesprächsinhalt, sagte Verteidiger Philip Müller. Unter Eid werde eine Wahrheitsfindung ermöglicht. Der Antisemitismusvorwurf »steht und fällt mit der Tatsache«, ob der Manager Ofarim erkannt habe oder nicht. W. behauptet, dass ihm der Rocksänger bis zu dem Vorfall in der Hotellobby nicht bekannt war.

Die Kammer lehnte die Vereidigung des Zeugen W. ab. Zuvor hatte sie sich zu einer Beratung zurückgezogen, der Prozess wurde kurzzeitig unterbrochen. Die Voraussetzung für eine Vereidigung des Zeugen liege nicht vor. Es gebe keine Hinweise dafür, dass der Zeuge bisher nicht die Wahrheit gesagt habe, sagte der Vorsitzende Richter, Andreas Stadler. Die Verteidigung lehnte unter diesen Umständen eine Befragung von W. ab.

Laut Stadler hat die Aussage von W. eine »erhebliche Bedeutung«. Sie werde daher »intensiv zu prüfen sein«. Doch selbst in einer Aussage-gegen-Aussage-Situation sei eine Vereidigung nicht zwingend.

Ofarim steht seit Dienstag in Leipzig wegen des Vorwurfs der falschen Verdächtigung, Verleumdung sowie des Betruges vor Gericht (AZ.: 6 KLs 607 Js 56884/21). Der 41-Jährige hatte im Oktober 2021 behauptet, von dem Hotelmanager antisemitisch beleidigt worden zu sein. In einem Instagram-Video schilderte er, dass ihm das Einchecken verwehrt wurde, weil er eine Kette mit Davidstern getragen habe.

Laut Staatsanwaltschaft hat sich der Vorfall nicht so zugetragen. Zudem habe der Rocksänger die Kette zum Zeitpunkt des vermeintlichen Vorfalls nicht sichtbar getragen, heißt es in der Anklage.

Bis zum Dezember sind im Leipziger Prozess weitere acht Verhandlungstage angekündigt. epd

Chemnitz

Gestohlener Davidstern sichergestellt

Unbekannte hatten laut Polizei in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkortes eine Schautafel beschädigt und den Davidstern mitgenommen

 28.09.2026

Interview

»Die Linkspartei hat vom 7. Oktober und vom Hass auf und der Hetze gegen Israelis profitiert«

Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Yasemin Balci über den Wahlerfolg der Linken in Berlin, Clan-Kontakte und Islamismus in der Partei sowie die politischen Folgen für ihren Bezirk und die Stadt

von Detlef David Kauschke  28.09.2026

Paris, Frankreich mit Eiffelturm

Paris

Flüchtling aus Deutschland in Frankreich als IS-Kämpfer angeklagt

In der französischen Hauptstadt hat der Berufungsprozess gegen einen Syrer begonnen, der eine leitende Rolle in der Terrororganisation »Islamischer Staat« gehabt haben soll

 28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Berlin

Linksjugend: Polizei ist »krimineller Clan«

»Wenn die Presse uns erzählt, in Berlin gebe es ein Problem mit bewaffneten Clans, sind das die, die mit hellen Handschuhen und Knüppeln heute in den Schulstreik hineingerannt sind«, sagt eine Sprecherin

 28.09.2026

Offener Brief

Mehr als 6000 Unterzeichner weisen Vorwurf des Völkermords gegen Israel zurück

»Wir, die Unterzeichner, sind empört und angewidert über die jüngste Blutverleumdung gegen das jüdische Volk: die Lüge, dass Israel in Gaza einen ›Genozid‹ begangen habe«, heißt es in dem Schreiben

 28.09.2026

Berlin

Linken-Chef sieht seine Partei »ganz klar an der Seite jüdischer Menschen«

Nach ihrem Wahlsieg in Berlin strebt die Linke eine Regierungsbildung an. Der Bundesvorsitzende Luigi Pantisano widersprach nun Anschuldigungen, die Partei sei antisemitisch

 28.09.2026

Liverpool

Dutzende Festnahmen bei Solidaritätsaktion für Palestine Action

Am Rande des Labour-Parteitags im nordenglischen Liverpool haben mehr als 250 Menschen gegen das Verbot der als Terrorgruppe eingestuften Organisation demonstriert

 28.09.2026

Berlin

»Die Berliner Linkspartei pflegt einen verstörend engen Kontakt zu Judenhassern«

Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnt die Grünen und die SPD vor einer Regierungszusammenarbeit mit der Berliner Linken

 28.09.2026