Hochschulen

»Zuwendungsrechtliche Fragen waren nicht Teil der Prüfung«

Massiv in der Kritik: Prof. Dr. Naika Foroutan, Direktorin Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) Foto: picture alliance / SZ Photo

Hat das FDP-geführte Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF) als Reaktion auf einen offenen Brief von Berliner Hochschullehrern im Zusammenhang mit zu großen Teilen israelfeindlichen und antisemitischen Studierendenprotesten an der FU Berlin eine Kürzung von Fördermitteln prüfen lassen?

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Diesen Eindruck erweckte ein Bericht des ARD-Magazins »Panorama«. Interne E-Mails aus dem Ministerium würden dies belegen, so das Politmagazin. In dem Aufruf hatten Hunderte Hochschuldozenten die Auflösung einer Besetzung der FU kritisiert und von »Polizeigewalt« gesprochen. Dass es sich bei der Besetzung um Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung handelte und vor allem im großen Maßstab zur Auslöschung Israels und zur Ermordung von Juden aufgerufen wurde, wurde in dem offenen Brief nicht erwähnt. Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger hatte sich gegen den offenen Brief positioniert und ihrerseits die Unterzeichner kritisiert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Hausintern, so »Panorama«, habe Stark-Watzinger um Prüfung gebeten, ob sich in dem Brief strafrechtlich relevante Aussagen finden lassen und inwiefern Hochschullehrern Fördermittel gestrichen werden könnten. Ministeriumsmitarbeiter hätten daraufhin Bedenken gegen eine solche Überprüfung geäußert, da »unabhängig vom Ergebnis einer rechtlichen Prüfung, keine unmittelbaren Handlungs- bzw. Einflussmöglichkeiten in (...) disziplinarrechtlicher Hinsicht« bestanden hätten und die betroffenen Hochschullehrer Angestellte des Landes Berlin seien.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen teilte die Staatssekretärin im BMBF, Sabine Döring, mit, das Ministerium habe den Aufruf der Berliner Lehrenden »vor dem Hintergrund einer öffentlichen Debatte über die Verfassungsmäßigkeit einzelner Aussagen im Brief auf rechtliche Aspekte hin überprüft.«

Weiter erklärte Döring: »Die Hausleitung hat sehr zeitnah nach Erteilung des Prüfauftrags klargestellt, dass zuwendungsrechtliche Aspekte nicht Bestandteil dieser rechtlichen Prüfung sein sollen. Die rechtliche Überprüfung des offenen Briefes hat ergeben, dass sein Inhalt von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Damit erübrigen sich Diskussionen über formale Konsequenzen.«

Der Entzug von Fördermitteln in Reaktion auf den offenen Brief habe für die Leitungsebene nicht zur Debatte gestanden, so Döring. Gleichwohl sehe man den Inhalt des offenen Briefs »unverändert kritisch«.

Der Aufruf beziehe sich »mit keinem Wort« auf den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023, sondern unterstelle pauschal Polizeigewalt und suggeriere, dass Hochschulen ein quasi rechtsfreier Raum seien.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Walter Rosenthal, meldete sich am Dienstag ebenfalls zu Wort - und kritisierte das Ministerium. »Im BMBF gab es Mitte Mai offenbar das Ansinnen, den Ausschluss von Wissenschaftler:innen aus laufenden BMBF-Förderungen zu prüfen, nachdem diese von ihrem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung im Zusammenhang mit den Nahost-Konflikt Gebrauch gemacht hatten«, so Rosenthal in seinem Pressestatement.

Man könne zwar über die Meinungsäußerung unterschiedlicher Auffassung sein und darüber streiten, und er selbst habe den in Rede stehenden offenen Brief kritisiert und stimme seinen Inhalten nicht zu. »Eine Verknüpfung einer nicht strafbewehrten Meinungsäußerung mit der Frage einer weiteren Förderwürdigkeit der wissenschaftlichen Arbeit würde jedoch eine Verletzung der Wissenschaftsfreiheit darstellen. Gut ist, dass es zu diesem befremdlichen Vorstoß im BMBF offensichtlich ganz unmittelbar einen kritischen internen Dialog und entsprechend klare warnende Hinweise gegeben hat«, so der HRK-Präsident. ja

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  10.07.2026

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026