Einspruch

Zu schnell geschnürt

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main Foto: Bildungsstätte Anne Frank / Felix Schmitt

Man soll sich ja über jedes Geschenk freuen, gerade jetzt, so kurz vor Chanukka. So schnürte die Innenministerkonferenz vergangene Woche als Antwort auf den wachsenden Antisemitismus ein »Maßnahmenpaket«: ein ganzer Geschenkkorb für die jüdische Bevölkerung! Darin: mehr Kompetenzen für Polizei und Verfassungsschutz, eine höhere Präsenz der Sicherheitsbehörden im Netz, mehr Stellen für das BKA und nicht zuletzt gepanzerte Türen, Metalldetektoren und weitere »bauliche Maßnahmen« für Synagogen.

Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn sich meine Begeisterung für ein Paket, mit dem sich die Behörden vor allem selbst beschenken, stark in Grenzen hält. Nein, ich will nicht undankbar sein.

terroristen Es ist natürlich großartig und auch rührend, dass man sich in Berlin oder Lübeck Gedanken macht, wie man uns vor Terroristen schützt. Aber ich bitte um Nachsicht, wenn eine Zukunft in hermetisch gesicherten Bunkern für mich kein Anlass zur Beruhigung ist.

Warum fehlen im Maßnahmenpaket steuerfinanzierte Selbstverteidigungskurse?

Noch vor Kurzem riet der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein Juden davon ab, überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Warum aber fehlen dann im Maßnahmenpaket steuerfinanzierte Selbstverteidigungskurse? Der israelische Kampfsport Krav Maga wäre dazu wunderbar geeignet.

sicherheitsmassnahmen Nein, letztlich sind auch die stärksten Sicherheitsmaßnahmen überwindbar. Hetze wird nicht durch Beton aufgehalten, und Vorurteile sind nicht strafbar. Kein bewaffneter Polizist kann das Gerücht über die Juden bezwingen. Das Ziel muss sein, dass Juden und andere Minderheiten nicht stärker gefährdet sind als andere Menschen.

Das wird auf Dauer nicht mit Stacheldraht und Beton gelingen, sondern nur mit nachhaltiger Bildungs- und Präventionsarbeit. Diese Selbstverständlichkeit kann in Zeiten des finanziellen Kahlschlags von Bildungsprogrammen nicht oft genug wiederholt werden. In der Politik sucht man nach schnellen Lösungen – und findet Schnellbeton. Bildung hingegen erfordert Geduld und Ausdauer.

Der Autor ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main.

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026