Meinung

Zu jeder Koalition bereit

Ulrich Sahm Foto: Varda

Meinung

Zu jeder Koalition bereit

Israel streitet sich vor der Knessetwahl. Doch über die entscheidenden Fragen ist man sich einig

von Ulrich Sahm  07.01.2013 20:33 Uhr

Die Prognose, dass Benjamin Netanjahu nach den Parlamentswahlen am 22. Januar wieder die nächste Koalitionsregierung bilden wird, war schon einmal realistischer als derzeit. Bei mehr als 20 Prozent unentschiedenen Wählern und einer voraussichtlich niedrigen Wahlbeteiligung lässt sich den Umfragen kaum glauben.

Vor der Neuwahl hatte Netanjahus Likud mit der Rechtspartei »Unser Haus Israel« von Avigdor Lieberman ein Bündnis geschlossen. Diese Konstellation könnte nun zum Reinfall werden: Gemeinsam muss das »Bibiman«-Projekt mit weniger Mandaten rechnen, als der Likud derzeit alleine in der Knesset hat. Lieberman hat sich zeitweilig aus der Politik zurückgezogen, um sich einem Korruptionsprozess zu stellen. Er hofft nun auf einen Freispruch – und zwar noch vor dem Wahltag. Zudem ließ Lieberman verkünden, sein Bündnis mit dem Likud sei Wahltaktik und werde nach den Wahlen wieder aufgelöst. Für Netanjahus Chancen sind das desaströse Mitteilungen.

Soziale Vision Die entscheidende Frage im Wahlkampf ist nicht, ob die – letztlich zu fast jeder Koalition bereiten – religiösen Parteien erstarken. Es geht darum, ob die eher linken Oppositionsparteien mit ihren sozialen Visionen Netanjahu stürzen können. Für Netanjahu spricht, dass er fast mit allen koalieren kann, auch mit der gemäßigten Linken. Der derzeitige Verteidigungsminister Ehud Barak etwa war Chef der Arbeitspartei, als er sich der Regierung anschloss.

Doch deutsche Betrachter Israels, die von den Medien gerne mit Klischees darüber gefüttert werden, wer hier als rechter Hardliner gilt, sollten sich keine Illusionen über einen großen Wandel machen, sollten die »Linken« einen Wahlsieg erringen. Wichtige Themen wie Irans Atomprogramm, der Friedensprozess und die Beziehungen zu USA und EU sind im Wahlkampf weitgehend ausgeklammert – über sie gibt es nämlich kaum Streit. Auch die meisten Linken planen keine Aufgabe Jerusalems oder den Umzug einer halben Million Israelis aus den Siedlungen, nur weil die Palästinenser das erwarten. Trotz neuer Parteien und neuer Koalitionen gilt im Wahlkampf: Israels Politik präsentiert sich in den entscheidenden Fragen derzeit erstaunlich stabil.

Der Autor lebt als freier Journalist in Jerusalem.

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026

New York

Berichte: Iran legt Sieben-Tage-Plan zur Beendigung des Kriegs vor

Die USA und der Iran verhandeln mit Hilfe von Vermittlern über die Zukunft der Straße von Hormus. Nun will die iranische Seite einen Vorschlag ins Spiel gebracht haben

 25.09.2026