Würzburg

Zentralrat der Juden fordert mehr Zivilcourage gegen Hass

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden Foto: picture alliance/dpa

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat die Menschen in Deutschland zu mehr Zivilcourage aufgefordert. Die Verfolgung jüdischer Menschen in Nazi-Deutschland sei nicht nur wegen des Hasses der Täter möglich gewesen, sondern durch »das Wegsehen der Vielen«, sagte er am Montagabend in Würzburg beim Gedenken an die Novemberpogrome in der Nacht auf den 10. November 1938.

Schuster mahnte: »Es gibt ihn noch: den Judenhass. Und leider gibt es auch immer noch die Gleichgültigkeit.«

Schuster: Nicht stumm bleiben, sondern sich einmischen

Es sei rückblickend erschreckend, wie viele »ganz normale Menschen« in jener Nacht damals Zeugen der Gewalt geworden seien. »Sie hörten die Schreie, sahen die Flammen, die Trümmer, das Leid. Und sie taten - nichts«, sagte der in Würzburg lebende Zentralratspräsident.

Viele hätten damals die Fenster geschlossen, manche plünderten jüdische Geschäfte und Wohnungen, »aber die Mehrheit schwieg«. Zivilcourage zeige man nicht unbedingt, »indem man laut ist«, sagte Schuster und ergänzte: »Man zeigt sie, indem man nicht stumm bleibt« und sich einmische.

Bei den Novemberpogromen vor 87 Jahren gingen die Nationalsozialisten mit offener Gewalt gegen die jüdische Minderheit vor. Trauriger Höhepunkt war die Reichspogromnacht auf den 10. November 1938. Es brannten Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt und getötet.

Drei Jahre vor Beginn der systematischen Massendeportationen und nach zahlreichen rechtlichen Diskriminierungen erhielt die Verfolgung der Juden mit den Ausschreitungen einen neuen Charakter. epd

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