Polen

Zeitung: Merkel besucht erstmals Auschwitz

Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will laut einem Zeitungsbericht erstmals die Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz besuchen. Die Reise sei für den 6. Dezember angesetzt, berichtete die »Süddeutsche Zeitung. Die Kanzlerin habe die Einladung der Stiftung Auschwitz-Birkenau zum zehnten Jahrestag ihres Bestehens angenommen.

Der frühere polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski, selbst Gefangener in Auschwitz und bis zu seinem Tod 2015 auch Gesprächspartner für die Kanzlerin, hatte die Stiftung zum Erhalt der Gedenkstätte 2009 initiiert. Geplant ist, dass Merkel an einem Gedenkakt teilnehmen und sowohl das Stammlager als auch das Lager Birkenau besichtigen wird.

AMTSVORGÄNGER In Auschwitz waren von Merkels Vorgängern nur Helmut Schmidt (1977) und Helmut Kohl (1989 und 1995). Die Kanzlerin besuchte während ihrer Amtszeit viermal die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Sie erklärte die historische Verantwortung und die Sicherheit Israels zu einem Teil der deutschen Staatsräson.

2009 begleitete Merkel Barack Obama nach Buchenwald, an dessen Befreiung ein Großonkel des US-Präsidenten beteiligt gewesen war. 2013 besichtigte sie das ehemalige Lager Dachau.

Die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen jährt sich am 27. Januar zum 75. Mal. Zu den Feierlichkeiten hat sich allerdings bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angesagt. Die »Süddeutsche Zeitung« spekuliert deshalb, dass die Zeit für einen Auschwitz-Besuch von Merkel drängt, weil ungewiss sei, wie lange sie noch im Amt bleibt. Vor allem aber gebe es nur noch wenige Überlebende, die der Kanzlerin ihre Erlebnisse persönlich berichten könnten.

Das Internationale Auschwitz Komitee begrüßte die Ankündigung. Die Überlebenden empfänden dies auch als eine Art Anerkennung ihrer langjährigen Arbeit als Zeitzeugen in Gesprächen mit jungen Menschen in vielen Ländern Europas. Gerade in Zeiten, in denen Auschwitz-Überlebende erneut mit antisemitischen Beschimpfungen und Hass-Mails überzogen würden, sei dieser Besuch der Bundeskanzlerin ein besonders wichtiges Signal des Interesses und der Solidarität.  kna

Stutthof

»Wir wurden ständig verprügelt«

Der 91-jährige Schoa-Überlebende Abraham Koryski sagt im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann aus

 09.12.2019

Umfrage

Mehrheit der Polen sieht Antisemitismus-Problem

Die Mehrheit der Polen bescheinigt ihrem Land ein Problem mit judenfeindlichen Einstellungen

 08.12.2019

Bundesregierung

Anerkennung von Unrecht und Leid

Vor 20 Jahren wurden Zwangsarbeiter-»Entschädigungen« vereinbart

von Leticia Witte  08.12.2019

Konferenz

Innenminister gehen stärker gegen Judenhass vor

Ressortchefs beschließen Maßnahmenpaket im Kampf gegen antisemitische Gefahren

 06.12.2019

Erinnerung

Wie das Gedenken erhalten werden soll

Mit Mitteln einer Stiftung sollen Restauratoren die Reste des einstigen Konzentrationslagers Auschwitz erhalten

von Oliver Hinz  06.12.2019

Berlin/Oswiecim

Merkel besucht Auschwitz

Erstsmals in ihrer Amtszeit reist die Kanzlerin in das ehemalige deutsche Vernichtungslager in Polen

 05.12.2019 Aktualisiert