G7-Gipfel

Zeit zu handeln

Demonstration vergangene Woche in Dresden: NGOs forderten die Spitzen der G7-Länder dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Foto: Reuters

In unserer zunehmend vernetzten Welt können sich Führungspersönlichkeiten nicht länger in ihrem abgekoppelten Einflussbereich einspinnen: Sie müssen Rechenschaft ablegen und auf die Stimmen demokratisch gesinnter, frei denkender Menschen hören. Politiker sind auf der globalen Bühne keine isolierten Akteure, die sich hinter einem Wall von Sicherheitsmaßnahmen verschanzen, der sie von den Menschen trennt, und einseitig Beschlüsse umsetzen, die Auswirkungen auf das Leben von Milliarden haben.

Wir als Teil der liberalen Gesellschaft haben daher die Pflicht, Treffen von globaler Bedeutung – wie den bevorstehenden G7-Gipfel am 7. und 8. Juni – zu nutzen, um das Bewusstsein für Fragen sozialer Gerechtigkeit auf der ganzen Welt zu stärken und Veränderungen einzufordern. Denn es geht darum, dass Menschen, die normalerweise ausgeschlossen sind, auf Schloss Elmau gehört werden.

luxushotel Bei dem Treffen in dem Luxushotel am Fuße des Wettersteins, weit entfernt von der weltweit zunehmenden Instabilität, mit der die Menschheit in unserer Zeit zu kämpfen hat, werden die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten über Lösungen für die dringlichsten der zahlreichen globalen Probleme diskutieren. Im Laufe der zwei Tage werden die ganz großen Fragen erörtert. Die Ergebnisse dieser Diskussionen werden sich nicht nur auf die Bürger der jeweiligen G7-Länder auswirken, sondern das Schicksal unzähliger Menschen beeinflussen.

Die Mächtigen der Welt haben auf Schloss Elmau nicht nur die Möglichkeit, Einfluss auf die internationale Politik zu nehmen, sondern können auch die notwendigen Beschlüsse zur Bekämpfung der Menschheitsgeißeln fassen, die den Planeten noch immer plagen: Armut, Hunger, Obdachlosigkeit. Beten wir dafür, dass sie auf das ferne Ziel hinarbeiten, eine nachhaltige, gerechte Welt zu schaffen.

Die Punkte auf der Agenda des G7-Gipfels behandeln in erster Linie umfassende Fragen der internationalen Sicherheit, der Stärkung der Außenpolitik und des freien Handels zwischen den Staaten. Ein zentrales Thema ist die Zähmung der unberechenbaren globalen Märkte: Sollten keine proaktiven Schritte unternommen werden, wird es in absehbarer Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Krise wie im Jahr 2008 kommen.

bankenbeziehungen So ernst diese Dinge sind, für viele Menschen überall auf der Welt sind sie etwas Abstraktes, das mit ihrem Leben nichts zu tun hat. Was kümmern die japanisch-amerikanischen Bankenbeziehungen einen Bauern in Kenia, der sein Feld nicht bestellen und seine Familie nicht ernähren kann? Was haben deutsch-kanadische Geschäfte mit dem Waisenjungen in Indien zu tun, dessen Eltern Krankheit und Not zum Opfer fielen?

Anstelle der abstrakten Themen erheben wir unsere Stimme für konkrete Veränderung. Vor allem müssen wir das Bewusstsein dafür schärfen, dass fast 800 Millionen Menschen unterernährt sind und keine Nahrungssicherheit haben. Obwohl die Zahl der Hungernden in den letzten zwei Jahrzehnten zurückgegangen ist, ist sie immer noch furchtbar hoch. Wie sollen wir in einer gerechteren Gesellschaft leben, wenn so viele Menschen nicht einmal in der Lage sind, ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen?

Schon im Mittelalter erklärte der Torakommentator Raschi zum 5. Buch Mose 22,1, was es bedeutet, die Not der Armen zu ignorieren: »Die eigenen Augen so zu beherrschen, als sähe man nicht. Die offensichtliche Bedeutung ist hier, dass man nicht sehen soll, nur um dann zu tun, als ginge es einen nichts an.« In der Tora wird Josef erst zu einem großen Staatsmann, nachdem er die Verletzlichkeit seiner entfremdeten Brüder erkannt hat. Ein Mensch verliert nicht an Größe, sondern festigt sie, wenn er die am meisten Benachteiligten der Welt ganz oben auf seine Agenda setzt.

ressourcen Während die Entfernung zwischen den Völkern auf globaler Ebene schrumpft, wird die Arbeit, die getan werden muss, um Gerechtigkeit zu schaffen und den Zugang zu den begrenzten Ressourcen für alle zu sichern, immer umfangreicher. Wir sind moralische Wesen, unsere Aufgabe ist es nicht, die Mächtigen zu unterstützen, sie brauchen uns nicht.

Inspiriert von unseren heiligen Texten und unseren Weisen, ist es unsere Pflicht, uns den Unterdrückten, Einsamen, Stimmlosen zuzuwenden. Nicht, indem wir ab und zu an sie denken oder ab und zu etwas für sie tun. Wir müssen unsere Hinwendung in einem funktionierenden Schutzsystem verankern. Wenn wir die Möglichkeit haben, als Fürsprecher der Unterdrückten, Verfolgten und Schwachen aufzutreten und die Gelegenheiten auf dem G7-Gipfel nicht wahrnehmen, unser Herz gegen die Not verschließen, würden wir unsere Pflichten sträflich vernachlässigen.

Als jemand, der sowohl mit den einflussreichsten als auch den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft zu tun hatte, weiß ich, dass es viel zu tun gibt, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Doch es kann und muss getan werden, um jede herrliche Seele auf dieser göttlichen Erde zu schützen. Der G7-Gipfel in Elmau könnte ein Schritt in diese Richtung sein.

Der Autor ist Verfasser mehrerer Bücher zur jüdischen Sozialethik und Wirtschaftsberater für Non-Profit-Organisationen. Das Magazin Newsweek zählte ihn zu den 50 einflussreichsten Rabbinern Amerikas.

Düsseldorf

Mehr als 600 Dokumente aus NS-Zeit an Gedenkstätten übergeben

Eine im November gestoppte Auktion hat zum Ankauf von mehr als 600 Dokumenten aus der NS-Zeit geführt. Im Düsseldorfer Landtag sind sie nun an Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Archive übergeben worden

 06.07.2026

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026

Bayern

Jüdische Gemeinde München hat einen neuen Vorstand gewählt

Wer die meisten Stimmen erhalten hat - ein Überblick

 06.07.2026

Erfurt

Erkenntnisse aus dem AfD-Parteitag

Während draußen Tausende protestieren, sieht sich die AfD drinnen bereit fürs Regieren. Wer gefeiert wird, wer an Einfluss gewinnt und was es mit einem rätselhaften Star-Wars-Moment auf sich hat

von Jörg Ratzsch, Anne-Beatrice Clasmann und Stefan Hantzschmann  06.07.2026

Berlin

Kommission soll Unrecht an Sinti und Roma aufarbeiten

Auch nach 1945 haben Sinti und Roma in Deutschland Unrecht erlebt. Schon bald soll eine Kommission diesen Teil der Geschichte aufarbeiten. Das hat die Bundesregierung beschlossen

von Alexander Riedel  06.07.2026

Berlin

Wadephul: Irans Zahlung für Minenräumung wäre gerechtfertigt

»Der Iran hat rechtswidrig eine internationale Seefahrtsstraße vermint«, sagte der Bundesaußenminister

 06.07.2026

Berlin

Wegen Kritik an Passage zu Judenhass: CDU entfernt Wahlkampfvideo vorübergehend

In den sozialen Medien schreiben Kritiker, die Wahlwerbung setze friedliche Demonstrationen mit Antisemitismus gleich. Die Partei weist dies zurück

von Imanuel Marcus  06.07.2026

Vermummte Menschen mit Holzlatten

Berlin

Antisemitismus-Streit in linkem Jugendzentrum eskaliert

In Berlin-Hellersdorf ist es am Wochenende zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen konträrer Positionen zu Israel gekommen

 06.07.2026

Gaza

Hamas kündigt Auflösung der De-facto-Regierung an

Auf einer Pressekonferenz verkündet die Terrororganisation die Abgabe der Koordination der zivilen Verwaltung. Die saudi-arabische Zeitung »Asharq Al-Awsat« schreibt, dies könnte den Weg für eine Übergangsverwaltung aus Fachleuten ebnen

 06.07.2026 Aktualisiert