Deutschland

Zahl der Rechtsextremisten dramatisch gestiegen

Kundgebung der Neonazi-Partei Die Rechte für die inhaftierte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck am 9. November 2019 in Bielefeld Foto: imago images/ecomedia/robert fishman

Die rechtsextreme Szene in Deutschland wächst. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag erfuhr, stieg die Zahl der Menschen, die der Verfassungsschutz dem rechtsextremen Spektrum zurechnet, 2019 auf mehr als 30.000 Personen, ein Zuwachs von rund 25 Prozent gegenüber 2018.

Das habe auch damit zu tun, »dass unsere Sicherheitsbehörden noch genauer als bisher hinschauen und ihre Methodik ständig optimieren«, sagte Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke der Nachrichtenagentur. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Zum Vergleich: 2018 lag das rechtsextremistische Personenpotenzial bei 24.100 Personen, darunter 12.700 Gewaltorientierte. Demnächst erscheint der neue Verfassungsschutzbericht mit den exakten Daten für 2019. »Der Rechtsextremismus ist derzeit die größte Bedrohung für unseren demokratischen Rechtsstaat«, hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Wochenende erklärt.

GEFÄHRDER Die Bundesregierung rechnet auch mit einem weiteren Anstieg der Zahl der Rechtsextremisten, die von der Polizei als »Gefährder« eingestuft werden. Die intensivere Analyse in Bund und Ländern sowie der Personalaufwuchs im Bundeskriminalamt ließen mit Blick auf den hohen Anteil gewaltbereiter Extremisten im rechten Spektrum erwarten, »dass auch die Anzahl der als Gefährder eingestuften Rechtsextremisten weiter steigt«, sagte Engelke.

Bundesweit schätzen die Polizeibehörden aktuell 65 Rechtsextremisten als sogenannte Gefährder ein. Die Zahl der islamistischen Gefährder ist etwa zehn Mal so hoch.

Im Juni 2019 waren es 39 Rechtsextremisten, die nach Einschätzung der Polizei in diese Kategorie gehören. Als terroristischer Gefährder gilt jemand, dem die Polizei einen Anschlag oder eine andere »politisch motivierte Straftat von erheblicher Bedeutung« zutraut.

Die Sicherheitsbehörden wollen bis 2022 ein neues Analyse-Instrument für eine weitgehend einheitliche Einschätzung des Personenpotenzials im Bereich des rechtsextremistischen Terrorismus entwickeln. Das soll der Polizei in Bund und Ländern helfen, die Gefährlichkeit von Personen, zu denen schon umfassende Erkenntnisse vorliegen, zu bewerten. Da diese Einschätzung als Basis für die Anordnung von Überwachung und anderen polizeilichen Maßnahmen dient, ist damit ebenso die Hoffnung verbunden, auch mögliche Anschläge von Extremisten zu verhindern, die nicht durch konkrete Tatvorbereitungen auffallen.

ANSCHLÄGE Dass die Bundesregierung und die Sicherheitsbehörden jetzt stärker den Blick auf den Rechtsextremismus richten, hat auch mit zwei Attentaten im vergangenen Jahr zu tun. Im Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf der Terrasse seines Hauses erschossen. Hauptverdächtiger ist ein 46-jähriger Deutscher. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremistischen Motiv aus.

Im Oktober 2019 versuchte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist in Halle in die voll besetzte Synagoge einzudringen. Als dies scheiterte, tötete er eine Frau auf der Straße und einen Mann in einem Döner-Imbiss. dpa

Ausgerechnet am 7. Oktober

Greta Thunberg marschiert mit Terror-Unterstützern und Israelfeinden

Drei Jahre nach den Massakern der Hamas gab es in Berlin israelfeindliche Proteste. Mit dabei: die einstige Klima-Ikone Greta Thunberg

 07.10.2026

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026

Berlin

Initiative von Jüdinnen und Juden wendet sich gegen Koalition mit der Linken

Mit einem offenen Brief an Vertreter von SPD und Grünen in Berlin und auf Bundesebene sowie ihre Fraktionsmitglieder warnen die Unterzeichnenden vor einer Regierung mit der Linkspartei in der Hauptstadt

 07.10.2026

Justiz

Fast 12.500 Strafverfahren zum Nahost-Konflikt in Berlin

Seit dem Terrorangriff auf Israel hat der Antisemitismus zugenommen. Keine Woche vergeht in Berlin ohne Demonstrationen zum Gaza-Krieg. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, zeigen auch Zahlen der Justiz

 07.10.2026