Interview

»Wir sollten sehr dankbar sein«

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist Foto: imago

Der Historiker Michael Wolffsohn warnt vor Antiamerikanismus und einem Konfrontationskurs gegenüber Washington. Dies könne die größte Herausforderung für die transatlantischen Beziehungen werden, sagt er im Kurzinterview zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, dem sogenannten D-Day. Wolffsohn fordert, Lehren zu ziehen. Deutschland habe bereits zweimal »in einem Akt von Hybris gemeint, die USA herausfordern zu können«.

Herr Wolffsohn, wenn wir uns heute an die Landung der Alliierten vor 75 Jahren erinnern, was sollte dabei im Vordergrund stehen?
Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Befreiung von dem verbrecherischen Hitler-Regime. Ein großer Teil der Deutschen empfand das Kriegsende ein Jahr später zwar als Niederlage. Heute betrachten wir dies aber als Befreiung. Die Deutschen sollten Dankbarkeit verspüren gegenüber den USA, die diese alliierte Landung zum Erfolg geführt haben. Dankbarkeit für die Demokratie, für die Freiheit, für unseren Wohlstand. All das hätten wir ohne die Vereinigten Staaten nicht erreichen können.

Und was sind die Lehren aus dem D-Day?
Die sind ganz klar: Deutschland kann heute ohne die USA keine dauerhaft wirksame internationale Rolle spielen – und konnte dies auch früher nicht. Zweimal hat Deutschland im 20. Jahrhundert den katastrophalen Fehler begangen, in einem Anfall von Dummheit, Dünkel und Verbrechertum die USA in einen Krieg zu ziehen. Heute ist Deutschland zwar wieder die stärkste Nation auf dem europäischen Kontinent, aber ohne die USA kann sie weltpolitisch nichts erreichen.

Ohne die USA wären Deutschland und Westeuropa nicht von der Gewaltherrschaft der Nazis befreit worden. Was ist Ihrer Ansicht nach die aktuelle Botschaft aus dieser Erkenntnis?
Dass wir zurückhaltend sein sollten in Bezug auf Belehrungen, die wir den USA erteilen. Wir führen uns auf als die Lehrmeister der Demokratie, was historisch unsinnig und falsch ist, denn die Vereinigten Staaten von Amerika waren und bleiben die erste Demokratie weltweit. Wir kamen mit erheblicher Verspätung, und vor allem mit amerikanischer Unterstützung, zu den Wohltaten der Demokratie.

Mit dem Historiker sprach Thomas Lanig.

 

Bundesrat

Länder: Aufrufe zur Vernichtung Israels sollen strafbar werden

Der Bundesrat hat am Freitag einen Vorschlag Hessens gebilligt, wonach die öffentliche Leugnung des Existenzrechts Israels bestraft werden soll. Ob ihn die Bundesregierung aufgreift, ist noch unklar

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Warschau

Vor 85 Jahren wurden die Juden von Jedwabne ermordet

Ein Massaker 1941 belastet das Verhältnis von Juden und Polen: Anstifter waren Deutsche, doch die Täter waren Polen. Ein Ex-Präsident hat zu dem Gedenktag eine klare Botschaft

 10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Hamburg/Haifa

Netanjahu bremst Milliarden-Fusion von Hapag Lloyd und Zim

Hapag-Lloyd würde die israelische Reederei gerne übernehmen. Doch der israelische Ministerpräsident hat Sicherheitsbedenken

 10.07.2026

Hamburg

Ein Jahr nach Beginn des Block-Prozesses kein Ende in Sicht

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. 63 Verhandlungstage gab es seither. Was ist noch offen?

 10.07.2026

Tirana

Albaniens Premier gibt Millionen für Kanye-Konzert aus

Ein geplanter staatlich geförderter Auftritt spaltet das Land – und verstärkt die ohnehin seit langem wachsende Kritik an Ministerpräsident Rama. Die jüdische Gemeinde will eine Absage

 10.07.2026

New York

Bericht: Israel warnte Trump vor neuem iranischem Anschlagsplan gegen ihn

Seit der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani Anfang 2020 droht der Iran Trump mit Vergeltung

 10.07.2026

Islamabad/Doha

Vermittler wollen Atomgespräche zwischen USA und Iran retten

Pakistan, Katar und andere Staaten bemühen sich laut einem amerikanischen Pressebericht, die jüngste Eskalation einzudämmen

 10.07.2026