USA

Wie präsentieren sich Biden und Trump im TV-Duell?

Präsident Joe Biden und der frühere Präsident Donald Trump (Anm. d. Red.: Nicht auf allen Versionen des Bildes sind beide Politiker zu sehen.) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Selten hat ein US-Präsidentschaftskandidat so viel Material gehabt, das er gegen seinen Rivalen in einer Fernsehdebatte benutzen kann, wie Amtsinhaber Joe Biden. Ex-Präsident Donald Trump ist in 34 Anklagepunkten wegen einer Straftat verurteilt worden, in drei anderen Fällen ist er wegen anderer schwerer Vorwürfe angeklagt.

Als Präsident nominierte Trump drei der Richter des Obersten Gerichtshofs der USA, die für die Aufhebung von Roe v. Wade stimmten und damit den Zugang zu Abtreibungen in Amerika einschränkten. Und als Pläne für eine zweite angestrebte Amtszeit hat Trump angekündigt, dass er Vergeltung gegen politische Feinde in der Demokratischen und der Republikanischen Partei üben wolle.

Doch es ist unklar, ob Biden mit seinen 81 Jahren körperlich oder mental dazu in der Lage ist, Trump verbal in die Schranken zu weisen. Es gibt eigentlich nichts, was bei dieser Debatte wichtiger ist, als das Ausmaß von Energie und Stärke, das Biden auf der Bühne zeigt.

Die Debatte findet am Donnerstag um 21.00 Uhr Ortszeit (3.00 Uhr morgens am Freitag deutscher Zeit) in einem Studio des Senders CNN in Atlanta statt. Die Dauer der Debatte beträgt 90 Minuten.

Nicht nur Trump, auch Biden hat Schwächen, die sein Rivale ausnutzen kann. Beide Kandidaten stellen sich einem riesigen Publikum. Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden erst im September eine weitere Debatte zur US-Präsidentschaftswahl sehen. Jeder Fehler oder Erfolg bei dieser Ausgabe gewinnt dadurch an Bedeutung.

Kann Biden liefern?

Der 78-jährige Trump und dessen republikanische Verbündete haben Biden am laufenden Band wegen Aussetzer verspottet, die dem Anschein nach mit seinem Alter verbunden sind. Das Trump-Lager hat die Frage aufgeworfen, ob es Biden gelingen werde, die gesamten 90 Minuten der Debatte durchzuhalten und überhaupt wach zu bleiben.

Vertreter von Bidens Demokraten hoffen, dass er die gleiche Energie präsentieren kann, die er bei seiner Rede zur Lage der Nation in diesem Jahr demonstrierte. Doch eine vorab verfasste Rede vor dem Kongress unterscheidet sich deutlich von einer Debatte im Live-Fernsehen mit einem Rivalen, der vor verbalen Attacken nicht zurückschreckt. Das Biden-Team weiß, dass sich der Präsident keinen schlechten Auftritt leisten kann.

Kann Trump langweilen?

Weil seine Wählerbasis bereits fest hinter ihm steht, bietet sich für Trump eine Gelegenheit, unentschlossene und gemäßigte Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen, die Biden vor vier Jahren zum Sieg verholfen haben und jetzt Bedenken bezüglich beider Kandidaten haben.

Doch um diese Wähler zu überzeugen, kann sich Trump nicht einfach auf seine gewohnte Taktik bei Auftritten stützen, die in der Regel persönliche Beleidigungen und Verschwörungstheorien umfasst. Statt weitere Aussagen zu geplanter Vergeltung oder Lügen über das US-Wahlsystem zu äußern, müsste Trump eine optimistischere Zukunftsvision anbieten und einen deutlichen Kontrast zu Biden bei klassischen Themen wie Gesundheitsversorgung und Bildung herstellen.

Kurzum: Trump muss bei der Debatte irgendwie langweilen. Kann er diszipliniert sein? Einige seiner Verbündeten haben diesbezüglich Hoffnung. Doch wenn man schaut, wie es in der Vergangenheit war, könnten sie enttäuscht werden.

Kann Trump die Verurteilung umschiffen?

Die außergewöhnlichen juristischen Probleme Trumps bieten für beide Kandidaten auf der Bühne zugleich Gelegenheit und Risiko. Das Biden-Wahlkampfteam hat zunehmende Bereitschaft signalisiert, die Verurteilung Trumps im New Yorker Schweigegeldprozess stärker hervorzuheben.

Biden hat bislang größtenteils davon abgesehen, auf die strafrechtliche Verfolgung Trumps einzugehen, um nicht den Anschein politischer Einflussnahme zu erwecken. Trump behauptet seit Jahren, ohne Beweise vorzulegen, dass Biden ihn strafrechtlich verfolgen lasse.

Gleichzeitig weiß Biden, dass Trump seinen Sohn Hunter attackieren könnte. Das hat Trump schon vor vier Jahren getan. Hunter Biden wurde vor kurzem in drei Anklagepunkten wegen einer Straftat im Zusammenhang mit dem Kauf einer Schusswaffe schuldig gesprochen. Trump hat auch ausländische Geschäfte Hunter Bidens während der Amtszeit von Joe Biden als US-Vizepräsident in Frage gestellt.

Wie funktioniert die Sache mit den stummgeschalteten Mikrofonen?

Wie so häufig, werden wahrscheinlich auch die Moderatoren und die festgelegten Regeln bei der Debatte deren Ausgang mitgestalten. Die Regeln bei diesem Duell sind ungewöhnlich: Die Kandidaten verzichten auf die traditionelle Struktur für solche Präsidentschaftsdebatten und nehmen stattdessen beidseitig beschlossene Vorschriften und Bedingungen an.

Biden und Trump debattieren in einem Studio ohne Publikum und werden keine Stellungnahmen zur Eröffnung abgeben. Das Mikrofon des Kandidaten, der gerade nicht an der Reihe ist, wird stummgeschaltet. Auf der Bühne sind keine Requisiten oder vorab angefertigte Notizen erlaubt. Biden und Trump bekommen lediglich einen Stift, einen Notizblock und eine Flasche Wasser. Per Münzwurf wurde entschieden, dass Trump als Letzter eine abschließende Stellungnahme abgibt.

Moderiert wird die Veranstaltung von den CNN-Moderatoren Dana Bash und Jake Tapper. Beide sind dafür bekannt, Lügen und Verschwörungstheorien Trumps so nicht stehen zu lassen. Zwar haben beide auch kritisch über Biden berichtet. Allerdings dürfte das Biden-Lager hoffen, dass Bash und Tapper aktiv dazu beitragen werden, mögliche Lügen Trumps sofort zurückzuweisen.

Wie sieht es mit Abtreibung und Einwanderung aus?

Manchmal ist Stil auf der Debatten-Bühne zwar wichtiger als Inhalt, doch beide Kandidaten müssen sich auf politisch heiße Eisen einstellen, mit denen sie konfrontiert werden könnten.

Das größte Thema für Trump ist dabei Abtreibung. Er hat mit seinen Nominierungen für den Obersten Gerichtshof der USA diesen dazu in die Lage versetzt, das Abtreibungsrecht zu kippen, woraufhin im ganzen Land Einschränkungen für Schwangerschaftsabbrüche eingeleitet wurden. Trump hat sich wiederholt stolz über seine Rolle bei der Aufhebung des Rechts geäußert. Biden dürfte das Bedürfnis haben, die Rolle Trumps herauszustreichen.

Für den Präsidenten wiederum könnte die größte politische Schwachstelle das Thema Einwanderung sein. Seiner Regierung ist es schwergefallen, die Zahl der Einwanderer einzudämmen, die über die Grenze von Mexiko ins Land kommen. Biden-Verbündete haben hinter den Kulissen zugegeben, dass Biden bei diesem Thema vor der US-Wahl angreifbar sei. Trump liebt es, auf illegale Einwanderung hinzuweisen. Deshalb dürfte er Biden bei der Debatte diesbezüglich attackieren.

Biden könnte sich auch mit schwierigen Fragen zu seinem Ansatz zum Krieg zwischen Israel und der Hamas konfrontiert sehen. Er hat einige potenzielle Unterstützer sowohl mit seiner starken Unterstützung für Israel als auch seiner gelegentlichen Kritik an Israel verprellt. Die Debatte liefert ihm eine Gelegenheit, seine Politik bei diesem komplizierten Thema zu verteidigen. Doch einfach wird das nicht.

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