Meinung

Wer am lautesten brüllt ...

Westliche Demokratien sollten sich von ihrer unglaubwürdigen Appeasement-Politik gegenüber arabischen Despoten abwenden

von Louis Lewitan  08.12.2017 11:53 Uhr

Louis Lewitan Foto: privat

Westliche Demokratien sollten sich von ihrer unglaubwürdigen Appeasement-Politik gegenüber arabischen Despoten abwenden

von Louis Lewitan  08.12.2017 11:53 Uhr

Ultimative Drohgebärden bringen nicht selten Unheil. Seit Jahrzehnten schüchtert die muslimische Weltglaubensgemeinschaft alle Staaten ein, die ihre Botschaft nach Jerusalem verlegen wollen.

Und alle machen in vorauseilendem Gehorsam den Kotau, selbst die mächtigen Präsidenten der USA haben sich in der Vergangenheit demütig den Warnungen der arabischen Staaten unterworfen, keinen Krieg vom Zaune zu brechen, sprich: Jerusalem nicht als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Hätte Helmut Kohl, unter der Bedingung, dass Bonn die Hauptstadt Deutschlands bleiben müsse, der Wiedervereinigung zugestimmt? Wie hätte die Bundesregierung reagiert, wenn allen Nationen untersagt worden wäre, ihre Botschaften nach Berlin zu verlegen?

eskalation Als unter Federführung korrupter arabischer Diktatoren und radikal-islamischer Monarchen die Kulturorganisation UNESCO zum wiederholten Mal die historischen, religiösen und kulturellen Bindungen Israels an Jerusalem leugnete, drohte Netanjahu nicht mit einer selbst verschuldeten »gefährlichen Eskalation«. Die israelische Regierung stachelte die Bevölkerung nicht zu blindwütigen Massenprotesten an und schürte nicht die ohnehin explosive Lage. Im Gegensatz zur palästinensischen Fatah-Bewegung und Terrororganisation Hamas rief die israelische Führung auch nicht zu drei »Tagen des Zorns« auf.

Auf palästinensischer Seite heißt es, nun seien alle Optionen auf dem Tisch, Israel müsse mit legitimen Anschlägen rechnen. Nach palästinensischer Logik gilt es, die arabische Identität Jerusalems mit allen Mitteln zu verteidigen. Und die Welt? Sie schweigt. Die palästinensische Führung, die sich bisher mit Mord und Diffamierung gegenseitig bekämpfte, ist sich wieder einig, dass Israel an ihrer Misere schuld ist. Im engstirnigen Denk-Silo der Palästinenser hat Israel – samt der jüdischen Weltlobby – die USA dazu angestiftet, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Was lässt sich daraus schließen?

frieden Wer am lautesten brüllt, geht nicht hungrig vom Tisch. Doch wer schrill schreit, hat nicht unbedingt recht. Und wer eindringlich droht, ist nicht zwingend glaubhaft. Weder Messerattacken und Attentate der Palästinenser noch eine anhaltende Besatzung eines zukünftigen palästinischen Staates durch israelisches Militär werden den Frieden herbeiführen.

Wie wäre es, wenn die Weltgemeinschaft, anstatt die USA und Israel anzuprangern, die arabischen Staaten und die muslimische Glaubensgemeinschaft in die Pflicht nehmen würde, den Staat Israel und die unauflösliche Bindung des jüdischen Volkes an Jerusalem endlich anzuerkennen? Das wäre eine glatte Abkehr von einer unglaubwürdigen Appeasement-Politik westlicher Demokratien gegenüber arabischen Despoten und morschen Monarchen.

Und Israel wäre gut beraten, aus einer Position der Stärke heraus aktiv auf die Palästinenser zuzugehen und konstruktive Konzepte zu entwickeln. Eines ist jedenfalls sicher: Frieden schließt man nicht mit seinen Freunden, sondern durch Dialog und Begegnung mit dem Feind.

Der Autor ist Psychologe und Stressberater in München. Zuletzt von ihm erschienen: »Stressless: Das ABC für mehr Gelassenheit in Job und Alltag« (zusammen mit Markus Böhler). Ariston, München 2017, 256 S., 16,99 €

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