Meinung

WDR und der Lohn privaten Engagements

Samuel Salzborn Foto: Marta Krajinovic

Es grenzte an ein kleines Wunder, als WDR-Intendant Tom Buhrow in einer E-Mail an die Kölnerin Malca Goldstein-Wolf mitteilte, dass sein Sender die Zusammenarbeit mit Roger Waters beendet.

Goldstein-Wolf hatte eine Petition initiiert mit dem Appell, die Waters-Konzerte im kommenden Jahr wegen dessen antisemitischen Positionierungen nicht zu unterstützen. Neben seiner Sympathie für die antisemitische BDS-Kampagne und dem Versuch, andere Künstler von Auftritten in Israel abzuhalten, gehörten hierzu auch antisemitische Darstellungen auf Waters-Konzerten – am bekanntesten ein Ballon in Schweineform mit Davidstern. Dem WDR folgten weitere Sender: Auch BR, SWR, NDR und RBB beendeten ihre Kooperationen mit Waters.

vorbildcharakter Diese Entscheidungen sind wichtig – und lehrreich. Manchmal fruchtet das private Engagement gegen Antisemitismus eben doch, sodass jede Bemühung fortgesetzt werden sollte. Gleichwohl bleibt zentral, dass gerade die Politik handeln muss. Städte wie Frankfurt, München oder Berlin haben angekündigt, für die BDS-Kampagne keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen. Das sollte Vorbildcharakter haben, auch für die Länder- und Bundespolitik. Ebenfalls beachtlich ist, dass die genannten ARD-Sender in der Lage sind, eigene Fehler zu korrigieren. Das ist zu begrüßen und mit der Hoffnung zu verbinden, dass solche Fehler künftig gar nicht erst begangen werden.

Dann könnte man vielleicht auch lernen, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und seine Bekämpfung nicht nur, wie es beim WDR hieß, ein Signal an die jüdischen Gemeinden. Und das erinnert daran, dass Antisemitismus eben keine tolerierbare Meinung ist, sondern Feindschaft gegen die Demokratie: Meinungsfreiheit ist keine Beliebigkeit und nicht höher zu gewichten als der Schutz vor Diskriminierung. Insofern ist auch das Gejammer der Waters-Fans verlogen: Sie können die Konzerte ja weiter besuchen, nur stellt sich ein Teil der demokratischen Öffentlichkeit jetzt sichtbar gegen sie.

Der Autor ist Gastprofessor für Antisemitismusforschung an der TU Berlin.

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Meinung

Kein Geld mehr für die UNRWA

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag einen Stopp deutscher Zahlungen an das Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser gefordert. Warum der Beschluss richtig ist

von Michael Thaidigsmann  27.02.2026

Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Das israelische Bobteam wurde disqualifiziert – doch dahinter steht eine Geschichte von Loyalität, Koexistenz und Mut

von Sabine Brandes  27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig

 27.02.2026

Montréal

Bericht über IDF-Soldaten als Gastredner an jüdischen Schulen löst Angst aus

Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten. Eltern sorgen sich eher darum, dass die Schulen ihrer Kinder bloßgestellt worden seien

 27.02.2026