Meinung

Vom Dialog zur Perspektive

Seit 50 Jahren wiederholen sich die Rituale. Vertreter von Protestanten, Katholiken und des Judentums treffen sich in den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Einmal im Jahr findet die »Woche der Brüderlichkeit« mit gemeinsamen Veranstaltungen statt – und getragenen Reden.

Als junger Rabbiner bin ich zwar noch nicht so lange am interreligiösen Dialog beteiligt, aber es ist doch auffällig: Die an diesem Thema interessierten Personen werden sowohl auf jüdischer als auch auf christlicher Seite nicht jünger. Bösartige haben dieses Projekt sogar schon als »aussterbendes Modell« bezeichnet.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, der am Sonntag in Leipzig die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen bekam, wünscht sich mehr Leichtigkeit im Verhältnis zwischen Christen und Juden. »Vielleicht können dafür jüngere Leute sorgen, die wir im jüdisch-christlichen Dialog dringend benötigen«, sagte er.

Die Gründungsidee des interreligiösen Dialogs basiert auf unserer gemeinsamen Geschichte. Hauptthema war und ist die Schoa. Und so fanden und finden jedes Jahr Veranstaltungen nach dem immer gleichen Muster statt. Es werden Diskussionen und Vorträge über die Täter und die Opfer angeboten sowie Bücher zu diesen Themen publiziert. Sie sind wichtig, ohne Zweifel, denn wir alle müssen die Geschichte kennen und aus ihr lernen.

Bei all der Rückschau wurde aber versäumt, einen gemeinsamen Dialog über die Gegenwart aufzubauen und einen gemeinsamen Blick in die Zukunft zu wagen. Die Zeit rennt uns davon – wir müssen handeln. Wir brauchen neben den bestehenden Veranstaltungen lokale Treffen, Diskussionen und Seminare zu aktuellen Themen, um die Sicht der Religionen darauf zu vermitteln – und zu entwickeln.

Die christlich-jüdische Zusammenarbeit könnte sich modernisieren, aber vor allem verjüngen. Etwa durch gemeinsame Debatten und Seminare zu Themen wie Medizinethik, Organspende, Sterbehilfe und Patientenverfügung. Ich bin mir sicher, dies würde auf Interesse auch bei der jüngeren Bevölkerung stoßen. Ein erster Schritt wäre getan.

Bewaffnete Konflikte

Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf den Ukraine-Konflikt aus?

Der Krieg im Nahen Osten hat Implikationen für Russlands Invasion in der Ukraine. Moskau und Kiew bekommen dabei die Folgen auf unterschiedliche Weise zu spüren

von André Ballin, Andreas Stein  05.03.2026

Teheran

Revolutionsgarden greifen Tanker im Persischen Golf an

Ein brennender Tanker und scharfe Drohungen aus Teheran. Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu

 05.03.2026

Nachitschewan

Aserbaidschan: Drohnen aus Iran treffen Flughafen

Nach dem Einschlag einer Drohne in Aserbaidschans Exklave Nachitschewan fordert Baku eine Erklärung von Teheran. Zwei Menschen wurden verletzt, das Flughafengebäude beschädigt

 05.03.2026 Aktualisiert

Rom

Italien will mit neuem Gesetz gegen Antisemitismus vorgehen

Das von der rechten Regierung auf den Weg gebrachte bringt deswegen ein neues Gesetz auf den Weg – dieses wird kontrovers diskutiert

 05.03.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Angriffe haben nichts mit Iran-Krieg zu tun

Chef-Terrorist Naim Qassem wandte sich am Mittwoch mit einer Ansprache an die Libanesen

 05.03.2026

Teheran

Iran bestreitet Raketenangriff auf die Türkei

Ein Nato-Abwehrsystem stoppt eine iranische Rakete an der türkischen Grenze. Der iranische Generalstab spricht von einer Falschmeldung

 05.03.2026

Washington D.C.

US-Senat weist Versuch zurück, Trumps Iran-Einsatz einzuschränken

Die Initiative zielte darauf ab, den Präsidenten zu verpflichten, amerikanische Streitkräfte aus Kampfhandlungen gegen Iran abzuziehen, sofern der Kongress keinen formellen Krieg erklärt

 05.03.2026

Attacke auf Lahav Shapira

Berufungsprozess von Mustafa A. beginnt

Der Ex-Lehramtsstudent wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er Lahav Shapira krankenhausreif geschlagen hatte

 05.03.2026

Berlin

Trauer um Chamenei in Berliner Moschee

Auf dem Gelände der Moschee hingen mehrere Traueranzeigen, in denen der getötete Geistliche als Märtyrer bezeichnet wurde

 05.03.2026