Pandemie

Verlag stellt Zusammenarbeit mit Corona-Maßnahmen-Kritiker Bhakdi ein

Kundgebung von Corona-Leugnern und Bhakdi-Anhängern in Leipzig Foto: imago images/Ralph Peters

Der Goldegg-Verlag stellt die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Mikrobiologen und Bestsellerautor Sucharit Bhakdi ein. Anlass sind Äußerungen Bhakdis in einem Interview, die auch im Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet wurden.

»Wir distanzieren uns sowohl als Verlag als auch als Menschen klar von rechtem Gedankengut und Antisemitismus«, erklärte eine Sprecherin des Verlags in Wien. Bisher habe der Verlag den Autor nicht als Menschen kennengelernt, der sich jemals in dieser Weise geäußert habe. Eine vom Verlag geforderte Stellungnahme von Bhakdi sei bisher nicht eingetroffen, hieß es weiter.

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Bhakdi warf Israel in dem Interview vor, einen Zwang zum Impfen auszuüben, und er äußerte sinngemäß, die aktuelle Situation in dem Land sei schlimmer als in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus. »Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie«, sagt er in Bezug auf Juden. »Aber sie haben das Böse jetzt gelernt und umgesetzt, und deswegen ist Israel jetzt living hell - die lebende Hölle.«

Bei der Bundestagswahl kandidiert Bhakdi für die Partei Die Basis. Sie wurde nach eigenen Angaben im Sommer 2020 »als Reaktion auf die Corona-Krise und die darauf erfolgten Maßnahmen der Bundesregierung gegründet«. Die Partei wies entsprechende Vorwürfe gegenüber Bhakdi zu Judenhass und Verharmlosung des Holocausts auf Twitter zurück. »Die Sätze wurden aus dem Kontext gerissen, um diesen Vorwurf zu konstruieren.«

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Ein Fotograf hatte das insgesamt eineinhalb Stunden lange Interview mit Bhakdi bereits im April auf seiner Webseite veröffentlicht. Ein kurzer Ausschnitt aus diesem Video mit der genannten Passage sorgt seit Dienstag für Empörung.

Unter anderem der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume bezeichnete die Aussagen Bhakdis als antisemitisch. Zahlreiche andere Experten teilen diese Einschätzung. Sigmount Königsberg, der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde Berlin, stellte Strafanzeige gegen Bhakdi.

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Bhakdi war Professor für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene in Mainz. Mehrere seiner Thesen zur Covid-Pandemie wurden von Experten - etwa seines ehemaligen Instituts an der Universität Mainz - als irreführend oder sogar falsch eingeordnet.

Sein Buch »Corona Fehlalarm?« war eines der meistverkauften Sachbücher des Jahres 2020. Er gilt als Ikone von radikalen Gegnern der staatlichen Corona-Maßnahmen wie der Querdenker-Bewegung. dpa

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