Mecklenburg-Vorpommern

Verfassungsschutzbericht ohne AfD

Foto: picture alliance/dpa

Die Grünen im Schweriner Landtag haben mit heftiger Kritik auf das Fehlen der AfD im Verfassungsschutzbericht des Landes reagiert. »Dass die AfD im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommern nicht auftaucht, ist an Absurdität kaum zu überbieten. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gilt die AfD nicht nur als Verdachtsfall, sondern als gesichert rechtsextrem, in Mecklenburg-Vorpommern kommt die AfD noch nicht einmal vor«, beklagte die Grünen-Abgeordnete Constanze Oehlrich.

Bei der Vorstellung des Berichts hatte Innenminister Christian Pegel (SPD) auf die Gesetzeslage in Mecklenburg-Vorpommern verwiesen. Demnach dürften Parteien oder Gruppierungen, die als extremistische Verdachtsfälle gelten, nicht in den Jahresbericht des Landesverfassungsschutzes aufgenommen werden.

»Verdachtsfall heißt, dass ich jemanden, bevor ich ihn für gesichert extremistisch halte und bevor die Beweislage klar ist, auch schon im Zweifel öffentlich nenne«, erklärte Pegel. Doch könne eine Behörde auch irren und die Veröffentlichung zu einer Stigmatisierung führen.

Kontroverse Debatte

Er kenne die kontroverse Debatte zu dem Thema im Land und könne den Argumenten beider Seiten etwas abgewinnen. »Wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht das einzige Bundesland sind, das nicht über Verdachtsfälle berichten darf«, sagte Pegel.

Oehlrich warf der rot-roten Koalition Versagen vor. »SPD und LINKE hatten im Landtag die Chance, das zu ändern. Eine entsprechende Initiative hat meine Fraktion bereits vor einem Jahr vorgelegt - die Regierungsfraktionen haben das jedoch abgelehnt«, kritisierte die Oppositionspolitikerin.

Im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns tauchen weder die AfD noch deren Nachwuchsorganisation Junge Alternative auf, die in einigen Bundesländern als gesichert rechtsextremistisch eingestuft werden. Der Bundesverfassungsschutz führt die AfD als Verdachtsfall. Nach Angaben Pegels werden die in MV gewonnenen Erkenntnisse aber an die Bundesbehörde übermittelt.

Im Vorwort erwähnt

AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer erneuerte seine Kritik am Agieren des Verfassungsschutzes, den er als »regierungsgesteuerten Inlandsgeheimdienst« bezeichnete. Der Bericht schweige zwar zur AfD und deren Jugendorganisation Junge Alternative.

»Im Vorwort des Berichts teilt Minister Pegel mit, dass der Verfassungsschutz des Landes als Zuträger für das Bundesamt bei seinen Verdächtigungen gegen AfD und Junge Alternative (JA) tätig war. Obwohl das Landesverfassungsschutzgesetz Verdachtsberichterstattung ausschließt, wissen wir jetzt, dass AfD und JA Herrn Pegel verdächtig sind«, erklärte Kramer.

Größte Gefahr

Der militante Rechtsextremismus stellt nach den Worten Pegels in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin die größte Gefahr für das demokratische Gemeinwesen dar. Landesweit würden 1855 Menschen der rechtsextremistischen Szene zugeordnet, etwa 730 davon als gewaltbereit eingestuft.

Der Anteil der Rechtsextremisten an den Demokratie-Feinden sei mit 53 Prozent gemessen an der Gesamtbevölkerung im Nordosten doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Oehlrich forderte eine ressortübergreifende Landesstrategie gegen Rechtsextremismus. Die Anzahl rechtsmotivierter Straftaten sei um 20 Prozent gestiegen, das Personenpotential bei Rechtsextremisten und -terroristen weiter gewachsen. »Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung und der Sicherheitsbehörden reichen ganz offensichtlich nicht aus«, sagte sie zur Begründung. dpa

Diplomatie

Prosor kritisiert israelischen Minister wegen Merz-Schelte

Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte dem Bundeskanzler nach dessen Kritik an der Siedlungspolitik vorgeworfen, Juden vorschreiben zu wollen, wo sie leben sollen

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Jom Haschoa

»Die Bedrohung ist nicht mehr abstrakt«

Israelischer Botschafter Ron Prosor fordert bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen entschlossenes Handeln und den Schutz jüdischen Lebens

 14.04.2026

Düsseldorf

Studentenparlament fordert Boykott israelischer Hochschulen

Der Antrag stammt aus dem Umfeld der antisemitischen BDS-Kampagne. Jüdische Studenten und andere Demokraten üben heftige Kritik an dem Entschluss

 14.04.2026

Rom

Italien setzt Verteidigungsvereinbarung mit Israel aus

Italien unter Ministerpräsidentin Meloni gilt als enger Verbündeter Israels. Nun setzt ihre Regierung eine Vereinbarung mit dem jüdischen Staat aus. Konkrete Auswirkungen hat dies aber wohl nicht

 14.04.2026

Rechtsextremismus und Antisemitismus

Hetze und KI-Fakes belasten Arbeit in Gedenkstätten

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, beklagt eine besorgniserregende Entwicklung

 14.04.2026

Gedenkstätte KZ Ravensbrück

Hitlergruß im Krematorium: Schülerinnen sorgen für Entsetzen

Nach Angaben der Leitung ließen sich drei Mädchen dabei fotografieren

 14.04.2026

Washington D.C.

Trump löscht umstrittenes KI-Bild, das ihn als Jesus Christus zeigt

Die Abbildung rief scharfe Kritik hervor – auch aus dem konservativen Lager

 14.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  14.04.2026