New York

UNO-Vollversammlung: Holocaust-Überlebende hält erste Rede auf Hebräisch

Sara Weinstein am Dienstag vor der UNO-Vollversammlung Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Bei einer Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen anlässlich des Holocaust-Gedenktages hat die 91-jährige Holocaust-Überlebende Sara Weinstein erstmals in der Geschichte des Gremiums eine Rede auf Hebräisch gehalten. Begleitet von ihren Töchtern und Enkelinnen erzählte sie ihre Lebensgeschichte, nachdem sie ihre Ansprache zunächst auf Englisch begonnen hatte.

»Zum ersten Mal wurde hier ein Zeugnis auf Hebräisch gehört. Schweigen angesichts von Antisemitismus ist ein moralisches Versagen«, betonte Israels UN-Botschafter Danny Danon im Anschluss an die Rede.

Weinstein, geboren in Polen, berichtete von ihrem Leben vor dem Zweiten Weltkrieg, von ihren Eltern, Geschwistern, ihrer Großmutter und dem Haus am Fluss, in dem sie aufwuchs. »Ich erinnere mich nicht mehr an das Gesicht meiner Mutter oder meiner Großmutter«, sagte sie und beschrieb, wie wenig von dieser Zeit geblieben sei.

Aus dem Ghetto geschmuggelt

Die Überlebende schilderte auch, wie sie von einer nicht-jüdischen ukrainischen Familie aus dem Ghetto geschmuggelt wurde. »Jeder Ukrainer wusste, dass man sterben würde, wenn man Juden half«, erklärte sie. Ihre Familie wurde schließlich entdeckt, als Dorfbewohner bemerkten, dass die Familie, die sie versteckte, mehr Lebensmittel einkaufte, als sie benötigte.

Lesen Sie auch

»Die Dorfbewohner fanden das Haus, erschossen die nicht-jüdischen Beschützer und dann meine Familie und verbrannten das Haus«, berichtete Weinstein. Sie überlebte, weil sich ihre Mutter schützend über sie legte und die Kugeln abfing. Danach lebte sie mit ihrem Vater und zwei Schwestern, den einzigen Überlebenden ihrer Familie, in einem nahegelegenen Wald. »Am Tag des Kriegsendes wurde mein Vater von Dorfbewohnern getötet. Meine Schwestern und ich blieben allein zurück«, sagte sie.

Nach Stationen in mehreren Waisenhäusern kam Weinstein schließlich in einen Kibbuz in Israel, wo sie ein Zuhause gründete, heiratete, Kinder, Enkel und später Urenkel bekam. »Der Holocaust begann nicht mit den Gaskammern. Er begann mit Worten, Hetze, Propaganda, Witzen, Anschuldigungen und Gleichgültigkeit. Und heute sehe ich ihn wieder: Antisemitismus erhebt sein Haupt, Juden werden angegriffen, während die Welt schweigt«, schloss sie ihre Rede.

Antisemitische Lügen

Danon nutzte die Gedenkveranstaltung ebenfalls, um zu mahnen: »Wir gedenken der sechs Millionen, aber heute reicht Erinnerung allein nicht. Während wir hier stehen, werden Juden angegriffen, und Hass breitet sich aus. ›Nie wieder‹ darf kein Slogan bleiben, es muss Handeln folgen. Jetzt.«

Er fügte hinzu: »Wenn antisemitische Lügen in den Hallen der UN erzählt werden, erhalten sie ein offizielles Siegel und verwandeln sich in Gewalt auf den Straßen. Das ist keine Meinungsfreiheit, das ist Antisemitismus.«

Seine Kritik an der UNO kommt nicht von ungefähr. Sowohl die Vollversammlung (UNGA) als auch der UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) verabschieden seit Jahren mehr Resolutionen gegen Israel als gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen. im

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026