Einspruch

Unerwiderte Liebe

Welch große Überraschung. Nach einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie meinen 55 Prozent der Deutschen, dass man nicht so viel über die Verfolgung der Juden in der NS-Zeit sprechen soll. Bei den unter 40-jährigen Deutschen sagen das sogar 67 Prozent.

Damit bestätigt sich ein seit ziemlich genau 70 Jahren vorherrschender Trend in der deutschen Gesellschaft: Es muss ein Schlussstrich gezogen werden. »Ich meine, wir sollen jetzt mit der Naziriecherei Schluss machen«, hatte Konrad Adenauer schon 1952 erklärt, »denn verlassen Sie sich darauf: Wenn wir damit anfangen, weiß man nicht, wo es aufhört.« Adenauer gilt immerhin als Architekt der Versöhnung mit den Juden und Israel.

naziriecherei
Eine Mehrheit der Deutschen hat ein Problem mit der Vergangenheit, vor allem der zwischen 1933 und 1945. Die beste Methode, damit umzugehen, ist wohl, einfach zu behaupten, dass dieses Problem schon zu intensiv behandelt wurde und es besser wäre, nicht mehr darüber zu reden, bevor das Problem, das ja eigentlich nie wirklich existierte, womöglich neu erweckt wird. Da aber die Naziriecherei nicht einfach so aufhört, muss man irgendwo anders Nazis finden.

Zum Glück gibt es dafür Israel. Nach der zitierten Studie vergleichen 41 Prozent der Deutschen die Politik Israels mit den Verbrechen der Nazis. 2007 taten dies »nur« 30 Prozent. Tja. Was ist in den letzten Jahren passiert, dass heute mehr Deutsche davon überzeugt sind, dass die Israelis die eigentlichen Nazis sind? Hatten die deutschen Medien endlich den Mut, über israelische KZs zu berichten? Hat die deutsche Öffentlichkeit endlich das Schweigen über den »Holocaust am palästinensischen Volk« gebrochen?

Nach 50 Jahren deutsch-israelischen Beziehungen stellt sich eine traurige Wahrheit heraus: Die Israelis, in ihrer Mehrheit, haben sich mit Deutschland versöhnt; die Deutschen, in ihrer Mehrheit, lehnen Israel ab. Heute wie damals.

Der Autor ist Korrespondent der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«.

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025

USA

Mehrheit der Juden blickt nach Mamdani-Sieg mit Sorge nach New York

Eine Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, Mamdani sei sowohl antiisraelisch als auch antisemitisch

 28.11.2025

Berlin

Israel, der Krieg gegen die Hamas und die Völkermord-Legende

Der israelische Militärhistoriker Danny Orbach stellte im Bundestag eine Studie und aktuelle Erkenntnisse zum angeblichen Genozid im Gazastreifen vor – und beklagt eine einseitige Positionierung von UN-Organisationen, Wissenschaft und Medien

 27.11.2025

USA

Staatsanwaltschaft rollt den Fall Etan Patz neu auf

Der jüdische Junge Etan Patz verschwindet am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule. Jahre später wird er für tot erklärt

 27.11.2025

Debatte

Neue Leitlinie zum Umgang mit NS-Raubgut für Museen und Bibliotheken

In Ausstellungshäusern, Archiven und Bibliotheken, aber auch in deutschen Haushalten finden sich unzählige im Nationalsozialismus entzogene Kulturgüter. Eine neue Handreichung soll beim Umgang damit helfen

von Anne Mertens  27.11.2025

Düsseldorf

Breite Mehrheit im Landtag wirbt für Holocaust-Zentrum in NRW

Große Mehrheit im NRW-Landtag: Fast alle Fraktionen werben für NRW als Standort eines vom Bund geplanten Holocaust-Bildungszentrums. Bayern und Sachsen sind ebenfalls im Rennen

von Andreas Otto  27.11.2025