Berlin

Umstrittene Veranstaltung abgesagt

Demonstration auf dem Al-Quds-Tag in London, der von der Islamic Human Rights Commission (IHRC) mitorganisiert wird Foto: dpa

Eine für Mittwoch geplante Veranstaltung im Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin (ZfA) zur Vorstellung des Projekts »Counter-Islamophobia Kit« findet nicht statt. Zuvor hatte die Zeitung »taz« darüber berichtet, dass auf der Veranstaltung im ZfA eine Vertreterin der Islamic Human Rights Commission (IHRC) auftreten sollte.

Die IHRC ist die Hauptorganisatorin des israelfeindlichen Al-Quds-Tags in London, bei der zur »Befreiung Jerusalems« aufgerufen wird. Bei dem Projekt wurden laut dem stellvertretenden ZfA-Direktor Uffa Jensen »Maßnahmen für die praktische Bildungsarbeit zum Thema Islamfeindschaft« erarbeitet.

Kooperation Das Projekt wird von der Justiz-Generaldirektion der Europäischen Kommission gefördert, unter anderem Mitarbeiter verschiedener Universitäten und der IHRC arbeiteten daran mit. Teil des IHRC-Projektteams war Luis Hernández Aguilar, der jetzt Fellow am ZfA ist und die Veranstaltung nach Berlin geholt hat.

Am Dienstag wurde die Veranstaltung schließlich von der University of Leads, die das EU-Projekt federführend leitete, abgesagt. Mit einer Nähe zu Israelfeinden hatte diese Entscheidung allerdings nichts zu tun. »Von dort hieß es zu Begründung, dass sie Drohungen in den sozialen Medien erhalten haben und die Sicherheit der eingeladenen Gäste nicht gewährleisten können«, sagte Jensen der Jüdischen Allgemeinen.

»Wir bedauern die Absage, weil es dazu führt, dass das Counter-Islamophobia Kit nicht vorgestellt werden kann. Für den wichtigen Kampf gegen Islamfeindschaft und antimuslimischen Rassismus ist das aus unserer Sicht keine gute Nachricht«, so Jensen weiter.

hass Auch die Al-Quds-Tag-Organisatoren der IHRC bedauerten die Absage der Veranstaltung. Gegen das Projekt sei durch eine »unverantwortliche und unpassende politische und mediale Kommentierung« ein »Klima des Hasses« geschaffen worden, heißt es in einer Presseerklärung. Dies sei »ein sehr trauriger Tag für alle, die alle Formen des Hasses bekämpfen.«

Der Grünen-Politiker und Dozent des Centrums für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum, Volker Beck, forderte das Zentrum für Antisemitismusforschung auf, zu klären, »wie es in die Nähe von Organisationen geraten konnte, die für antiisraelische Agitation bekannt sind«. Auf Becks Initiative war zunächst die IHRC-Vertreterin von dem Podium ausgeladen worden.

»Gewaltdrohungen sind inakzeptabel und zu verurteilen. Die behaupteten Drohungen glaube ich allerdings erst, wenn ich sie sehe. Bei Drohungen weicht man grundsätzlich nicht zurück, sondern ruft die Polizei«, sagte Beck der Jüdischen Allgemeinen. »Das Zentrum für Antisemitismusforschung schuldet der Öffentlichkeit eine Antwort auf die Frage: Was sagt ihr Fellow Hernández Aguilar zum Thema Antiisraelismus und der iranischen Al-Quds-Tag-Kampagne?«

Hernández Aguilar wollte dies auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen nicht beantworten, da die bisherige kritische Berichterstattung zu einem »Klima der Feindseligkeit« geführt habe.

»Zionisten« Auf der von der Islamic Human Rights Commission organisierten Demonstration zum jährlichen Al-Quds-Tag in London kam es in der Vergangenheit immer wieder zu antisemitischen Äußerungen. 2017 machte der hochrangige IHRC-Mitarbeiter Nazim Ali auf der Demonstration »Zionisten« für den Brand im Grenfell Tower verantwortlich.

»Zionisten geben der Tory-Partei Geld und töten Menschen in Hochhäusern«, sagte er dort laut der britischen Wochenzeitung Jewish Chronicle. »Wir haben die Zionisten und ihre Rabbis, ihre Synagogen und ihre Unterstützer satt«, sagte er weiter.

Im vergangenen Jahr lud das IHRC den Scheich Mohammed Bahmanpour als Hauptredner zur Al-Quds-Demonstration in London ein. Dort sagte er, dass »Israel von der Landkarte gefegt« werde. Zudem wurden dort mehrfach Fahnen der libanesischen Hisbollah gezeigt.

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026