Meinung

Trump und das würdige Gedenken

Erst im letzten Moment hat das Weiße Haus in Washington mitgeteilt, dass der amerikanische Präsident während seines Israelbesuchs in der kommenden Woche nach Yad Vashem gehen wird. Einen Kranz wird Donald Trump ablegen, aber wie lange er in der Gedenkstätte bleiben wird, ist unklar. Zuletzt war von einer Viertelstunde die Rede.

Man kann das nur mit einem Kopfschütteln wahrnehmen. Niemand erwartet von Trump, an diesem Ort die industrielle Vernichtung eines Großteils des europäischen Judentums mental zu durchdringen. Das haben selbst Intellektuelle nicht geschafft, die sich ein Leben lang mit diesem Thema beschäftigen. Je mehr er über das »Wie« erfahre, sagt der amerikanische Autor Leon Wieseltier, desto weniger verstehe er das »Warum«. Wenn man einige Interviews mit dem Präsidenten gelesen hat, weiß man, dass der noch nicht einmal die Grundelemente seiner eigenen Gesetzgebung durchdringt.

OPfer Doch hier geht es nicht um Donald Trump, der sich auf ein Aufmerksamkeitsdefizit berufen kann. Es geht nicht um einen Privatmann, dem man wünschte, er möge sich und uns den Auftritt ersparen, weil er sich ja doch wieder daneben benehme. Dieser Mann fliegt als gewählter Präsident der Vereinigten Staaten nach Israel. Und stärker noch als andere Staatsgäste, die Yad Vashem aufsuchen, sollte sich dieser Präsident der würdigen Erinnerung an die Opfer verpflichtet fühlen.

Nicht nur, weil er es am Holocaustgedenktag versäumte, die Juden zu erwähnen. Und nicht, weil sein Sprecher fabulierte, Hitler habe kein Gas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, und KZs »Holocaustzentren« nannte. Natürlich wäre es gut, wenn Trump auch dem etwas entgegen- setzte. Doch vor allem muss er sich in Yad Vashem Zeit nehmen, weil alles, was der wichtigste Verbündete Israels sagt und tut, in der Welt für etwas steht.

Antisemitismus Mit einem würdigen Besuch zollt der Präsident nicht nur den Ermordeten seinen Respekt. Er zeigt auch, dass sein Land Geschichte nicht vergisst und Lehren daraus zieht. Dass es weiß, wie wichtig Israel als jüdischer Staat ist. Als Zuflucht für Juden, denen vielerorts neuer Antisemitismus entgegenschlägt.

Dieselbe Symbolkraft übrigens, die ein Besuch in Yad Vashem hat, der mehr ist als ein Kranzablegen, liegt in allem, was Donald Trump nicht sagt und tut. Man kann nur hoffen, dass er diese Dynamik versteht und sich die nötige Zeit nimmt.

Die Autorin ist Publizistin in San Francisco.

Straße von Hormus

US-Marine soll jeden Minenleger versenken

Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft seinen Kurs gegen den Iran

 23.04.2026

Berlin

Bundesregierung sieht Chance bei Verhandlungen zwischen USA und Iran

Kehren die Washington und Teheran zurück an den Verhandlungstisch? Die Bundesregierung sieht in Verhandlungen eine Chance für den Frieden

 23.04.2026

Parteien

Streit um Israel: Linke auf der Sandbank?

Die Linke ringt weiter über ihre Haltung zu Israel und zum Nahostkonflikt. Der Parteivorstand will mit einem Leitantrag für den Parteitag in Postdam im Juni den Streit befrieden. Doch auch eine Personalie sorgt für Diskussionen

von Michael Thaidigsmann  23.04.2026

Zukünftige Führung

Schah-Sohn Reza Pahlavi wirbt in Berlin für härteren Kurs gegen Mullahs

Reza Pahlavi sieht keine Reformer in der iranischen Führung und wirbt für einen politischen Wandel. Vor seinem Auftritt wurde er mit Tomaten beworfen

 23.04.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« kooperiert mit katholischer »Tagespost«

Ein Zeichen gegen Antisemitismus: »Die Tagespost« legt ihren Abonnenten die »Jüdische Allgemeine« kostenlos bei. Hinter der Aktion steckt unter anderem ein rundes Jubiläum

von Hannah Krewer  23.04.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon warnt: Räumung von Minen in Straße von Hormus könnte ein halbes Jahr dauern

Der Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus wird darüber informiert, dass Teheran mindestens 20 Minen in und um der wichtigen Meerenge platziert haben soll

 23.04.2026

China

Viraler Judenhass in China

Im Zuge des Iran-Kriegs nimmt der Antisemitismus im Diskurs der asiatischen Großmacht dramatisch zu. Eine Analyse

von Sven Benentreu  23.04.2026

Magdeburg

Landtag setzt mit Staatsvertrag Zeichen gegen Antisemitismus

Am 12. Dezember 2025 hatten das Land und die jüdischen Gemeinden Sachsen-Anhalt den geänderten Staatsvertrag unterzeichnet. Am Mittwochabend hat der Landtag den Vertrag beschlossen

 23.04.2026

Houston

Jüdisches Gemeindezentrum nach Drohungen geschlossen

Betroffen ist auch die Shlenker School, eine zur Gemeinde gehörende Gesamtschule. Das FBI und die Polizei ermitteln

 23.04.2026