Washington D.C./Jerusalem

Trump soll Netanjahu von neuem Großangriff auf Iran abgehalten haben

US-Präsident Donald Trump am Dienstag auf dem Weg zu einer Wahlkampfveranstaltung in Greenville (North Carolina) Foto: picture alliance / AP Photo/Alex Brandon

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte Anfang Oktober offenbar eine neue massive Militäroffensive gegen das iranische Regime starten. US-Präsident Donald Trump soll den Plan jedoch gestoppt haben, weil er eine erneute Eskalation des Krieges unmittelbar vor den amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November verhindern wollte. Das berichtet die »Financial Times« unter Berufung auf drei mit den Planungen vertraute Personen.

Demnach hatte Netanjahu die israelischen Streitkräfte angewiesen, für das Wochenende des 10. Oktober eine mehrtägige Angriffswelle vorzubereiten. Im Visier standen iranische Atomanlagen, Kraftwerke, weitere Infrastruktur sowie Einrichtungen des Regimes. Die geplante Offensive sollte nach dem Bericht sogar umfangreicher ausfallen als der gemeinsame israelisch-amerikanische Militäreinsatz im Februar.

Die Operation wurde letztlich nicht umgesetzt. Eine erneute militärische Konfrontation ist allerdings keineswegs ausgeschlossen. Nach Einschätzung eines Insiders könnte es bereits in den kommenden Wochen zu weiteren Angriffen kommen, an denen sich sowohl Israel als auch die USA beteiligen könnten.

»Vereinbarung oder Angriff«

Ein mit den Gesprächen vertrauter Gesprächspartner beschrieb die möglichen nächsten Schritte gegenüber der »Financial Times« mit den Worten: »Entweder wird es eine Vereinbarung geben oder einen Angriff.« Washington wolle Teheran offenbar dazu bewegen, Zugeständnisse bei seinem Atomprogramm zu machen und die Kontrolle über die Straße von Hormus aufzugeben beziehungsweise deren freie Durchfahrt sicherzustellen. Die strategisch wichtige Meerenge ist für den weltweiten Ölhandel von zentraler Bedeutung.

Nach dem Bericht hatten israelische Vertreter ihren amerikanischen Ansprechpartnern eine aktualisierte Liste möglicher Angriffsziele übermittelt. Diese basiert demnach auf neu gewonnenen Erkenntnissen und enthalte auch zivile Infrastruktureinrichtungen, die bei der vorangegangenen Militärkampagne verschont geblieben waren.

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US-Verteidigungsminister Pete Hegseth reiste am Montag nach Israel und führte Gespräche mit Netanjahu sowie weiteren hochrangigen Vertretern des Landes. Ob die Vereinigten Staaten bei der ursprünglich für den 10. Oktober vorgesehenen Operation selbst militärisch mitwirken sollten, ist laut dem Bericht unklar.

Druck auf das Regime

Ein weiterer Insider hält es laut »Financial Times« für möglich, dass die israelischen Vorbereitungen vor allem dazu dienen sollten, den Druck auf die iranische Führung während der Verhandlungen zu erhöhen. Die Entscheidung über eine erneute Eskalation liege letztlich bei Trump.

Aus dem Weißen Haus kamen unterdessen Signale, dass Washington vorerst auf seine wirtschaftlichen und militärischen Druckmittel setzen will. Die stellvertretende Sprecherin Anna Kelly erklärte dem Bericht nach, der Iran befinde sich wirtschaftlich und militärisch in einer äußerst schwierigen Lage. Die US-Blockade iranischer Häfen und die gleichzeitigen Bemühungen, die Ölausfuhren aus den Golfstaaten aufrechtzuerhalten, zeigten demnach Wirkung. Amerikanische Angriffe vor den Zwischenwahlen schloss sie ausdrücklich aus.

Die Enthüllungen fallen in eine politisch sensible Phase für Israel. Am 27. Oktober wird dort ein neues Parlament gewählt. Gleichzeitig hat Trump seine Unterstützung für Netanjahus Wiederwahl öffentlich bekräftigt und den Druck auf Teheran verstärkt.

Am Sonntag deutete der US-Präsident an, Washington könnte sich gezwungen sehen, Iran auch ohne israelische Unterstützung militärisch entgegenzutreten, sollte Netanjahu die Wahl verlieren. Zugleich drohte er der iranischen Führung mit weiteren Maßnahmen, falls sie ihren Kurs nicht ändere. im

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