Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

US-Außenminister Marco Rubio mit Vizepräsident JD Vance im Hintergrund Foto: picture alliance / empics

Innerhalb der republikanischen Partei bahnt sich ein Machtkampf um die Nachfolge Donald Trumps an – und immer mehr jüdische Konservative positionieren sich bereits jetzt gegen Vizepräsident JD Vance. Grund für den Vertrauensverlust sind wiederholte Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter, seine Offenheit gegenüber antiisraelischen Verschwörungstheorien sowie sein beharrliches Schweigen zu Tucker Carlson, dem einflussreichen Kommentator, der sich zunehmend israelfeindlich positioniert. Die Jewish Telegraphic Agency (JTA) berichtete.

Vance gilt parteiintern nach wie vor als aussichtsreichster Kandidat, um Trump 2028 als republikanischer Kandidat zu beerben. Für jüdische Republikaner stellt sich damit die Frage, wen sie unterstützen sollen, sobald Trumps zweite Amtszeit endet. Viele von ihnen finden ihre Antwort in einer anderen Figur: Außenminister Marco Rubio.

Wie stark die Stimmung in jüdisch-konservativen Kreisen bereits gekippt ist, zeigt sich dem JTA-Bericht zufolge am Beispiel von Shabbos Kestenbaum. Der durch seinen Kampf gegen Antisemitismus an US-Universitäten bekannt gewordene Aktivist hatte schon im Mai, bei einer Gala der RJC (Republican Jewish Coalition), ein Stimmungsbild von »99 zu 1« zugunsten Rubios gezeichnet, korrigierte sich dann aber selbst nach oben: Realistisch sei das Verhältnis eher »100 zu 0«. Die überwältigende Mehrheit jüdischer MAGA-Wähler, Spender und politischer Entscheidungsträger stehe weiterhin geschlossen hinter einer Rubio-Kandidatur, erklärte Kestenbaum jetzt. Er selbst werde ihn »mit Freude« wählen.

Harte Linie gegenüber Iran und IStGH

Rubio, der 14 Jahre als Senator im Kongress war, hat sich durch seine unerschütterliche Unterstützung Israels und seine kompromisslose Haltung gegenüber dem Iran Sympathien in weiten Teilen der jüdisch-republikanischen Wählerschaft erarbeitet. Er zeigte sich offen dafür, von der Biden-Regierung verhängte Beschränkungen gegen gewaltbereite israelische Siedlergruppen im Westjordanland aufzuheben, und kündigte diese Woche an, den Internationalen Strafgerichtshof – der unter anderem gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat – zerschlagen zu wollen. Die RJC lobte diesen Vorstoß auf der Plattform X ausdrücklich als »Führungsstärke«.

Lesen Sie auch

Auch die rechtsgerichtete Aktivistin Laura Loomer zählt zu Rubios Fürsprecherinnen. Sie verwies auf seine harte Haltung gegenüber israelfeindlichen Demonstranten, darunter die von ihm befürwortete Rücknahme hunderter Studentenvisa im vergangenen Jahr. Auf X schrieb sie, man werde nun endlich »die Pro-Hamas-Schläger los«, und bezeichnete Rubio als Führungspersönlichkeit, die sich nicht scheue, gegen »hier nicht hingehörende islamistische Einwanderer« vorzugehen. In einem weiteren Beitrag sagte sie voraus, Rubio werde eines Tages Präsident sein.

Rubios enge Verbindungen zur pro-israelischen Gemeinschaft reichen laut JTA weit zurück: Sein wichtigster Förderer während seiner Zeit im Parlament Floridas war Norman Braman, ein bedeutender Spender für jüdische Anliegen. Seine proisraelische Haltung entspricht damit einem Muster, das bei kubanisch-amerikanischen Politikern häufig zu beobachten ist, die in Israel einen Verbündeten gegen den Kommunismus sehen. Enger politischer Weggefährte in der floridianischen Legislative war zudem der jüdische Abgeordnete Adam Hasner.

Lob für Rhetorik und internationale Auftritte

Kritiker Israels, die ihrerseits Verschwörungserzählungen über Juden und den jüdischen Staat verbreiten, werfen Rubio inzwischen vor, eher israelischen als amerikanischen Interessen zu dienen, und unterstellen, seine Kandidatur werde von Israel vorangetrieben.

Neben seiner proisraelischen Positionierung wird Rubio von jüdisch-konservativen Kommentatoren auch für seine rhetorische Wirkung gelobt, insbesondere für eine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz, die der Commentary-Redakteur Seth Mandel als »bemerkenswert« bezeichnete.

Auch aus den Reihen der republikanischen Großspender kommt Rückenwind für Rubio. Eric Levine, der sowohl im RJC-Vorstand sitzt als auch als einflussreicher Fundraiser der Partei gilt, sprach – ausdrücklich in privater Funktion – von »überwältigendem Rückhalt« für Rubio, und zwar über die jüdische Wählerschaft hinaus. Seine Verbindung zu Rubio reicht dabei weit zurück: Bereits 2016 hatte Levine dessen erste Präsidentschaftskampagne früh finanziell unterstützt und ihn als seinen damaligen Wunschkandidaten bezeichnet. Was ihn bis heute überzeuge, sei die Kombination aus außenpolitischem Profil und rhetorischer Stärke: Rubio sei »immer ein außerordentlich effektiver Fürsprecher« der amerikanisch-israelischen Partnerschaft gewesen.

Vances Rückhalt hingegen schwindet – nicht nur in jüdischen Kreisen. Mehrere hochrangige Trump-Berater drängen darauf, nicht den Vizepräsidenten, sondern Rubio 2028 als Kandidaten aufzustellen. Der republikanische Großspender Ken Griffin erklärte vergangene Woche, er werde in einer Vorwahl 2028 Rubio gegenüber Vance den Vorzug geben. Selbst an Wettmärkten steigen Rubios Chancen kontinuierlich. im

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026