Berlin

»Tödliche Dimension«

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung Foto: imago/epd

Nach der Messerattacke auf Juden im US-Bundesstaat New York hat sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bestürzt gezeigt.

Sie zeige, »dass die antisemitische Bedrohung mit ihrer tödlichen Dimension nicht mehr nur in Europa, sondern auch in Nordamerika von niemandem mehr bestritten werden kann«, sagte Klein am Sonntag in Berlin. »Auf diese internationale Herausforderung sollte die Staatengemeinschaft nun mit ihren international vereinbarten Instrumenten reagieren.«

OSZE Klein sieht hier insbesondere die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Pflicht: »Die OSZE-Teilnehmerstaaten sollten nun rasch die Verpflichtungen umsetzen, die sie in der sogenannten Berliner Erklärung von 2004 eingegangen sind. Hierzu gehören unter anderem eine engere Zusammenarbeit bei der Erfassung und Bekämpfung antisemitischer Straftaten sowie die Stärkung des Warschauer OSZE-Büros für Menschenrechte und Demokratische Institutionen.«

Der Antisemitismusbeauftragte kündigte an, hierzu vor der nächsten OSZE-Antisemitismus-Konferenz in Tirana eine Abstimmung mit den US-amerikanischen und französischen Partnern zu suchen.

Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte, grundsätzlich gelte, dass der Kampf gegen Antisemitismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die national, auf europäischer sowie auf internationaler Ebene angegangen werden müsse.

Fünf jüdische Beter waren am Samstagabend in dem Ort Monsey im Bundesstaat New York bei der Messerattacke verletzt worden. Man erlebe im Raum New York gegenwärtig eine »regelrechte Epidemie antisemitischer Angriffe«, sagte der Vorstand des American Jewish Committees (AJC), David Harris, am Sonntag (Ortszeit). In New York und Umgebung sei in der Woche vor dem Blutbad jeden Tag mindestens ein antisemitischer Angriff verübt worden.

Man erlebe im Raum New York gegenwärtig eine »regelrechte Epidemie antisemitischer Angriffe«, sagte David Harris vom AJC.

Haftrichterin Am Sonntag wurde der Verdächtige, der den Angriff in Monsey verübt haben soll, einer Haftrichterin vorgeführt. Der 38-jährige Afro-Amerikaner sei laut Polizei noch in der Tatnacht mit Hilfe eines automatischen Autokennzeichenlesesystems ermittelt und in New York festgenommen worden, berichtete der Sender CNN. Bei der Anhörung vor der Haftrichterin habe er auf nicht schuldig plädiert und keine weiteren Angaben gemacht. Er kam in Untersuchungshaft.

Zu einem Motiv wurde zunächst nichts bekannt. Bei dem Anschlag hatte der Täter auf Menschen eingestochen, die sich zu der Chanukka-Feier versammelt hatten. Der Angreifer habe danach versucht, in eine benachbarte Synagoge einzudringen, was ihm aber nicht gelungen sei, hieß es.

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Pinchas Goldschmidt, sagte zu dem Angriff: »Es ist entsetzlich zu erleben, dass Antisemitismus und Hass auf Juden noch nicht mal mehr vor der Wohnungstür halt macht.«

Nach vermehrten Angriffen auf Synagogen und jüdische Einrichtungen sehe die Situation für Juden in den USA mittlerweile leider sehr ähnlich aus wie in Europa, so Goldschmidt. »Für die jüdischen Institutionen aber auch die amerikanische Regierung wird das eine neue Herausforderung sein, denn Gotteshäuser müssen von ihren Regierungen angemessen geschützt werden.«

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) verurteilte den Angriff. »Als Brüder und Schwestern im Glauben, als Mitmenschen, prangern wir diese Gewalt an gegen Gläubige, die friedlich ihre heiligste Zeit begehen«, erklärte Generalsekretär Olav Fykse Tveit. Alle Menschen hätten das Recht, in Frieden an Gebetsorten zusammenzukommen.

Erst vor wenigen Wochen hatte es in Jersey City einen Angriff auf einen koscheren Supermarkt gegeben, bei dem sechs Menschen getötet wurden. Im kalifornischen Poway kam am 27. April bei einem Anschlag auf eine Synagoge eine Frau ums Leben. Großes Entsetzen rief auch der Angriff auf eine Synagoge im US-amerikanischen Pittsburgh im Oktober 2018 hervor. Dabei wurden acht Männer und drei Frauen erschossen. dpa/epd

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Bayern

14-Jähriger im Allgäu getötet - Details zu Verdächtigem werden bekannt

Ein vermisster Jugendlicher, eine Leiche und Polizeischüsse bei einer Fahndung - in Memmingen überschlagen sich die Ereignisse. Jetzt werden weitere Erkenntnisse bekannt

 05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Der frühere Präsident sagt, vor Jahren habe Netanjahu ihm gegenüber ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht, wie später gegenüber Trump

 05.05.2026

Abu Dhabi

Emirate melden neue Angriffe Irans

Einige Wochen lang schien sich die Lage für Anwohner in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Blick auf Irans Angriffe zu entspannen. Kommt es jetzt zur erneuten, größeren Eskalation?

 05.05.2026

Washington

Hegseth: »Die Waffenruhe ist nicht beendet«

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben am Montag wieder zugenommen. Ausgangspunkt war eine neue US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus. Nun gibt der Pentagonchef ein Update dazu

 05.05.2026

Erinnerungsarbeit

Virtuelle Ausstellung mit NS-Zeitzeugen tourt durch Brandenburg

In der mobilen Ausstellung »In Echt?« berichten NS-Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren Schicksalen. Die virtuelle Schau wurde 2023 in Potsdam entwickelt und tourt wieder durch Brandenburg

 05.05.2026

Sachsen-Anhalt

Erneut antisemitische Vorfälle an Kunsthochschule Halle

An der Kunsthochschule Halle tauchen antisemitische Aushänge auf. Die Hochschule prüft rechtliche Schritte und will den Dialog mit der Jüdischen Gemeinde stärken

 05.05.2026

London

Weiterer Brandanschlag in London - Starmer warnt den Iran

Nach mehreren antisemitischen Angriffen untersuchen die britischen Behörden mögliche Verbindungen nach Teheran. Am Morgen kommt es zu einem weiteren Zwischenfall

 05.05.2026