Claims Conference

Tausende Holocaust-Überlebende können Einmalzahlungen erhalten

Schoa-Überlebende in der Ukraine Foto: Marco Limberg

Änderungen im sogenannten Hardship Fund ermöglichen Einmalzahlungen an Tausende von jüdischen Holocaust-Überlebenden. Über dieses Ergebnis von Verhandlungen mit der Bundesregierung hat die Claims Conference am Dienstag informiert.

Danach können jetzt auch jüdische NS-Verfolgte Anträge auf die Zahlung von jeweils 2.556 Euro stellen, die vor den heranrückenden deutschen Truppen aus bestimmten Gebieten der früheren Sowjetunion geflohen waren, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht von den Deutschen besetzt wurden.

Berechtigt sind demnach Juden, die aus Moskau und Stalingrad geflohen sind; ebenso Personen, die nach dem 22. Juni 1941, jedoch vor der im September 1941 einsetzenden Blockade Leningrads die Stadt verlassen haben.

»Selbst in Zeiten der Finanzkrise bekennt sich die deutsche Regierung auch weiterhin zu ihrer Verantwortung gegenüber den jüdischen NS-Opfern«, sagte Botschafter Stuart Eizenstat, der Chefunterhändler der Claims Conference. »Deutschland weiß, was es bedeutet, die Leiden der europäischen Juden während der Schoa anzuerkennen, die angesichts der vorrückenden Wehrmacht um ihr Leben fürchten mussten.«

Anerkennung Die Leiden dieses Teils der jüdischen Bevölkerung werden damit von Deutschland erstmalig anerkannt, heißt es in einer Mitteilung der Claims Conference. Die Claims Conference habe seit Langem darauf hingewirkt, dass diese Personen, die große Entbehrungen zu erleiden hatten, als NS-Opfer anerkannt werden sollten.

»Juden, die vor dem Vorstoß deutscher Truppen flüchteten, um nicht ermordet zu werden, wurden zu Opfern, die Unvorstellbares erlitten haben«, sagte Julius Berman, Vorsitzender der Claims Conference. »Die Zahlungen können nie den Verlust ausgleichen, aber sie stellen eine Anerkennung des während des Krieges erlittenen Leids dar.«

Hardship Fund Weiterhin können ab dem 1. Januar 2012 Zahlungen an berechtigte Antragsteller erfolgen, die sowohl zum Zeitpunkt der NS-Verfolgung als auch zum Zeitpunkt eines sogenannten Globalabkommens Staatsbürger bestimmter westeuropäischer Länder waren. »Westverfolgte«, die glauben, dass sie berechtigt sein könnten und die noch keinen Antrag an den Hardship Fund gestellt haben, sollten dies tun. Die Antragsteller müssen auch die übrigen Berechtigungskriterien des Hardship Fund erfüllen.

Der Hardship Fund wurde 1980 nach fünfjährigen Verhandlungen der Claims Conference mit der Bundesregierung eingerichtet. Er ermöglicht Einmalzahlungen in Höhe von 2.556 Euro an bestimmte jüdische NS-Opfer, von denen viele aus den Staaten des früheren Ostblocks in den Westen emigriert sind. Die meisten Emigranten kamen nach 1969, also nach Ablauf der Antragsfristen des Bundesentschädigungsgesetzes (BEG).

Antragsformulare und weitere Informationen zum Hardship Fund im Internet: www.claimscon.de

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

 17.09.2026

Brandanschlag auf Synagoge Wuppertal

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linke

Neue Umfrage sieht eine Partei wieder knapp in Führung

 17.09.2026

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Karlsruhe

Iraker plante Anschlag in Bremen

Der 24-jährige Islamist soll eine Kirche in Bremen als Anschlagsziel ausgewählt und schon eine Schusswaffe beschafft haben. Die Ermittler werfen ihm mehrere schwere Straftaten vor

 17.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026