Gedenkveranstaltung

»Tatsächlich Endlösung?«

György Konrád Foto: Gregor Zielke

In der Berliner Akademie der Künste ist am Donnerstag an die Wannsee-Konferenz vor 70 Jahren erinnert worden. NS-Spitzenbeamte waren am 20. Januar 1942 an dem gleichnamigen See im Südwesten Berlins zusammengetroffen, um die Vernichtung der europäischen Juden zu besprechen. Den Hauptvortrag bei der gestrigen Gedenkveranstaltung hielt der ungarische Schriftsteller György Konrád: »Vom Wort zur Tat – Das Schicksal meiner Kleinstadt im Zweiten Weltkrieg«, so der Titel.

»Endlösung? Tatsächlich Endlösung? Nun ja, hier stehe ich als ein Beispiel dafür, dass sie doch nicht vollkommen gelungen ist. Doch die Ermordung von zwei Dritteln der europäischen Juden, das ist schon eine große Leistung. Wenn aber Adolf Hitler im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg nur ein trotzig aufstampfender Loser gewesen ist, dann können wir ihn, was seinen Traum von der Vernichtung der Juden betrifft, fast schon als Sieger betrachten.«

So begann Konrád seinen Vortrag, in dem er die Zeit des Holocaust in seiner ungarischen Heimatstadt Berettyóújfalu beschrieb. Von den 14.000 Einwohnern des Städtchens seien im Jahr 1944 rund 1.000 Juden gewesen. »670 wurden umgebracht, 330 kehrten zurück.« Heute lebe kein Jude mehr in der Stadt, sagte Konrád. Mit tiefer voluminöser Stimme trug der 78-Jährige die erste Seite seines Manuskripts vor, dann übergab er an den Schauspieler Hanns Zischler.

Gasflaschen »Die Synagoge meiner Heimatstadt dient heute als Gasflaschenlager für die im verstaatlichten Haus meines Vaters betriebene Eisenwarenhandlung«, las Zischler vor. »Ich sähe es gern, würde die Synagoge ein Haus der Kunst und eine Schule beherbergen, worin von Zeit zu Zeit der Juden gedacht werden würde.«

Gegen Ende des Vortrags unternahm Konrád einen »Ausflug in die Psyche der Täter«. Besonders sei nicht, »dass Hitler gesagt hat, was er gesagt hat, sondern dass sich nüchtern denkende Menschen diesen Wahnsinn zu eigen gemacht haben«.

Konrád dankte Historikern und Pädagogen dafür, dass der Holocaust, »dieses schwarze Loch in der europäischen Geschichte, mit seiner qualvollen Wirklichkeit vorstellbar wird«. Denn das Wissen sei »eine Schutzimpfung«.

Diese Anerkennung galt auch Norbert Kampe. Der Leiter der Gedenk- und Bildungssstätte »Haus der Wannsee-Konferenz« hatte zu Beginn der Veranstaltung gesagt, sein Haus werde demnächst den 1,5-millionsten Besucher begrüßen.

www.ghwk.de

München

20 Jahre Ohel-Jakob-Synagoge: Merz, Aigner und Söder beim Festakt

Am 9. November 2006 wurde die Synagoge Ohel Jakob eröffnet - als Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens ins Herz Münchens. Den 20. Jahrestag feiert die Kultusgemeinde mit einem Festakt. Erwartet werden prominente Gäste, etwa Bundeskanzler Merz

 02.11.2026

Berlin

SPD nominiert Michel Friedman für Bundesversammlung

Der Publizist darf damit über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier abstimmen

 02.11.2026

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026