Staatsanwaltschaft

»Strafgesetze durchsetzen«

Dirk Behrendt Foto: Gregor Zielke

Herr Behrendt, die Berliner Senatsjustizverwaltung beschäftigt ab September mit Claudia Vanoni erstmals eine Antisemitismusbeauftragte in der Generalstaatsanwaltschaft. Warum?
Der Vorschlag kam von der Generalstaatsanwältin Margarete Koppers, und ich finde das sehr gut. Vor allem ist diese Stelle ein Ergebnis der Debatte über die erschreckenden Vorfälle, die wir in Berlin hatten, nicht zuletzt die Gürtelschläger-Attacke in Prenzlauer Berg. Auch der Wunsch aus der jüdischen Community, die mehr staatliche Aktivität einforderte, spielte eine Rolle.

Welche Aufgaben liegen vor Frau Vanoni?
Sie wird zum einen nach außen Ansprechpartnerin für jüdische Organisationen sein – hier soll sie vor allem vernetzen und Kooperationen ermöglichen. Zum anderen soll sie nach innen der Justiz beratend zur Seite stehen. Da besteht Austauschbedarf.

Das fällt bei einigen Justizurteilen auf – siehe Wehrhahn-Prozess oder Brandanschlag auf die Wuppertaler Synagoge. Wie groß ist der Nachholbedarf beim Erkennen und Einordnen antisemitischer Motive?
So schlecht sind wir in Berlin nicht aufgestellt. Es gibt aber trotzdem den Bedarf nach Fortbildungen und Austausch mit Experten. Nur so können wir auf aktuelle Erscheinungsformen und Entwicklungen des Antisemitismus reagieren. Dafür hilft auch die einheitliche Antisemitismusdefinition.

Dennoch bleibt die Frage: Warum gerade in Ihrem Ressort? Schulungsbedarf haben auch Lehrer und Polizisten. Hat demnächst jede Senatsverwaltung einen eigenen Antisemitismusbeauftragten? Warum dann nicht gleich auf Landesebene?
Das Abgeordnetenhaus hat eine Berliner Ansprechperson für den Antisemitismusbeauftragten im Bund beschlossen. Die Person muss nun noch benannt werden. Ich kann hier aber nur für meinen Geschäftsbereich sprechen. Die Berliner Strafverfolgungsbehörden gehen damit bundesweit voran. Ich bin mir sicher, dass andere Länder folgen werden. Aber klar ist auch: Wir stehen als Justiz oft am Ende einer langen Entwicklung, die viel früher und woanders einsetzt – in der Schule, im Sportverein, auf der Straße. Wir werden die Taten nicht alle verhindern können. Wir können aber die Täter zur Rechenschaft ziehen.

Was sind die größten Herausforderungen?
Wir wollen das Dunkelfeld weiter aufhellen. Das findet in Berlin bereits, dank der guten Arbeiten von RIAS, statt. Denn wir können als Strafverfolgungsbehörden nur das verfolgen, was wir kennen. Uns geht es darum, für Vertrauen in die staatlichen Institutionen zu werben. Wir wollen vermitteln: Es lohnt sich, antisemitische Beleidigungen anzuzeigen. Nur wird die Justiz allein das Problem nicht lösen können. Trotzdem haben wir unsere Aufgabe: deutlich zu machen, dass wir die Strafgesetze durchsetzen und es Sanktionen gibt, sei es in Alltagssituationen oder bei Hetze im Internet.

Mit dem Berliner Justizsenator sprach Katharina Schmidt-Hirschfelder.

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte gebilligt, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland hergestellt werden

 09.07.2026

Genf

Bericht: UNESCO ehrte tote Terroristen als »Journalisten« – und korrigierte sich nie

Die UN-Unterorganisation soll die Fakten nie richtiggestellt haben, obwohl die Hamas und die Gruppe Islamischer Dschihad die Mitgliedschaften teils selbst öffentlich gemacht hatten

 09.07.2026

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus

US-Präsident Trump: »Das ist eigentlich kein Krieg.« Es gehe vielmehr um die »Entnuklearisierung des Iran«

 09.07.2026

Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller

von Stephanie Lettgen  08.07.2026

Tel Aviv/Neapel

Israelische Touristin storniert Hotel in Italien nach BDS-Nachricht

Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

 08.07.2026

Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026

Nahost

Bericht: Neue Angriffe im Süden des Libanon

Laut libanesischen Medien flog Israels Luftwaffe erneut Angriffe auf Ziele im Süden des Landes. Nach einem Schusswechsel dort meldet die israelische Armee den Tod eines Hisbollah-Terroristen

 08.07.2026