Krieg

»Ich bin Putins Feind Nr. 1. Meine Familie Putins Ziel Nr. 2«

»Ich bleibe in der Hauptstadt, ich bleibe bei meinem Volk«: Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj Foto: imago images/ZUMA Wire

Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer neuerlichen Botschaft Parallelen zwischen dem deutschen Angriff auf Kiew im September 1941 und dem Überfall Russlands auf die Ukraine gezogen. »Liebe Bürger der Russischen Föderation, wie ich bereits sagte, wurde heute Nacht begonnen, Wohngebiete der Heldenstadt Kiew zu bombardieren. Das alles erinnert an 1941.«

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»Das Ziel dieser Attacke ist Druck«, sagte Selenskyj am Freitag in einer Videobotschaft an seine Landsleute. »Druck auf Sie, liebe Bürger. Druck auf unsere Gesellschaft.« Die Russen machten entgegen eigener Ankündigungen keinen Unterschied zwischen militärischen Zielen und Wohnhäusern.

PROTESTE Zugleich kritisierte der Präsident die mangelnde Unterstützung aus dem Ausland. »Wir verteidigen unseren Staat allein. Die mächtigsten Kräfte der Welt schauen aus der Ferne zu.« Auch die neuen westlichen Strafmaßnahmen gegen Moskau seien nicht genug: »Haben die gestrigen Sanktionen Russland überzeugt? Am Himmel über uns und auf unserer Erde hören wir, dass dies nicht ausreicht.«

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Mit Blick auf die Menschen, die trotz Strafandrohung in Moskau und anderen Städten gegen den Krieg demonstrierten, fügte Selenskyj hinzu: »Alle Bürger, die protestieren: Wir sehen Euch.« Uniformierte russische Sicherheitskräfte gingen dabei teils mit roher Gewalt vor. Es gab mehr als 1700 Festnahmen bei Protesten in 55 Städten Russlands, wie die Menschenrechtsgruppe OWD-Info mitteilte.

Am Freitag gab es Berichte, wonach russische Truppen bereits vor den Toren Kiews sehen. Selenkyj versprach, er werde nicht weichen. »Ich bleibe in der Hauptstadt, bleibe bei meinem Volk«, sagte er in der Nacht zum Freitag.

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Die ukrainische Armee habe am ersten Tag der russischen Invasion 137 Soldaten verloren, so Selenskyj, 316 Soldaten seien verletzt worden. Der russische Angriff gelte auch ihm persönlich und seiner Familie, sagte Selenskyj. »Nach unseren Informationen hat mich der Feind zum Ziel Nr. 1 erklärt, meine Familie zum Ziel Nr. 2«. Er beklagte, dass keiner seiner internationalen Gesprächspartner eine Aufnahme der Ukraine in die Nato befürwortet habe. So sei die Ukraine auf sich allein gestellt.

MOBILMACHUNG Der 44-Jährige, der jüdisch ist und sich 2019 in einer Stichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Petro Poroschenko durchgesetzt hatte, verkörpere »in vielerlei Hinsicht die demokratischen Bestrebungen und Ambitionen der Ukraine und des ukrainischen Volkes«, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Ned Price dem Sender CNN.

Selenskyj ordnete am späten Donnerstagabend eine allgemeine Mobilmachung an, die für 90 Tage gelten soll und die Einberufung von Wehrpflichtigen und Reservisten vorsieht. Schon vorher hatte er eine Teilmobilmachung von Reservisten befohlen. »Wir müssen operativ die Armee und andere militärische Formationen auffüllen«, begründete er seine Entscheidung. Bei den Territorialeinheiten werde es zudem Wehrübungen geben. Wie viele Männer betroffen sein werden, sagte er nicht.

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Nach ukrainischen Behördenangaben dürfen männliche Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen. Man werde sie nicht über die Landesgrenze lassen, sagte der Leiter der ukrainischen Zollbehörde in Lemberg, Danil Menschikow. Er bat die Menschen, keine Panik zu verbreiten und nicht zu versuchen, eigenständig die Landesgrenze zu überqueren.

LAGE Verlässliche Angaben zur militärischen Lage gab es nicht. Der Gegner konzentriere seine Truppen in den Gebieten Charkiw und Donezk im Osten sowie im Süden, sagte ein Sprecher des ukrainischen Generalstabs. Hauptziel scheine zu sein, Kiew zu blockieren. Nachts rückten russische Kolonnen auf die Hauptstadt vor. In etwa 200 Kilometer Entfernung kreisten sie die Kleinstadt Konotop ein, wie die örtliche Verwaltung meldete.

In der strategisch wichtigen ukrainischen Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer wurden nach Angaben der Stadtverwaltung 17 große Hochhäuser durch Beschuss beschädigt. Die Stromversorgung sei teilweise ausgefallen, die Wasserversorgung funktioniere hingegen. 23 verletzte Einwohner der Stadt sowie 23 verletzte Soldaten seien in Kliniken aufgenommen worden. dpa/ja

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