Prozess

Seit Halle traumatisiert

Foto: imago images/Christian Grube

Der Synagogen-Attentäter Stephan B. hat auf seiner Flucht in Halle offenbar gezielt einen Somalier angefahren. Im Prozess vor dem in Magdeburg tagenden Oberlandesgericht Naumburg sagte am Dienstag der 24-jährige Somalier aus, der dabei verletzt wurde. Der junge Mann, der auch Nebenkläger in dem Mordprozess ist, berichtete, er sei gemeinsam mit einem Freund aus einer Straßenbahn gestiegen, als er von dem Attentäter angefahren wurde.

Der Somalier gab an, zu Boden gefallen und kurz ohnmächtig gewesen zu sein. Er erlitt Verletzungen an Knie und Arm. Ein weiterer Zeuge des Vorfalls schätzte die Geschwindigkeit des Fluchtautos auf 70 bis 80 Kilometer pro Stunde. Nach seiner Beobachtung war das Fahrzeug gezielt auf die Personen zugefahren.

Der Somalier gab an, noch immer unter den psychischen Folgen zu leiden. Er wolle nicht mehr in Halle leben, sagte er. Mit Halle verbinde er viele schlechte Erinnerungen, immer wieder Diskriminierungen und Beleidigungen. Nach dem Vorfall am 9. Oktober 2019 sei er dünnhäutiger geworden.

Seine Anwältin erklärte, ihr Mandant, ein Mann Mitte 40, sei durch diese abscheuliche und feige Tat mitten aus seinem Leben gerissen worden.

Ein Kollege des getöteten Kevin S., der mit dem 20-Jährigen in der Mittagspause im Döner-Imbiss war, konnte nicht als Zeuge vor Gericht aussagen. Es wurden Atteste verlesen, die deutlich machten, dass er durch den Anschlag schwer gesundheitlich beeinträchtigt ist. Ereignisse wie der Anschlag von Hanau im Februar 2020 und Medienberichte hätten seine Traumatisierung immer wieder reaktiviert.

Seine Anwältin erklärte, ihr Mandant, ein Mann Mitte 40, sei durch diese abscheuliche und feige Tat mitten aus seinem Leben gerissen worden. Er sei seit dem 9. Oktober 2019 nicht mehr arbeitsfähig und kaum in der Lage, seine Wohnung zu verlassen. Zudem mache er sich Vorwürfe: Er hatte an dem Tag sein Mittagessen vergessen und sei daraufhin mit Kevin S. in den Döner-Imbiss gegangen, was er vorgeschlagen hatte.

Vor Gericht wurde seine Aussage verlesen, die er bei der Polizei gemacht hatte. Er war gemeinsam mit Kevin S. auf einer Baustelle etwa zwei Minuten vom Döner-Imbiss entfernt im Einsatz. Zum Tatzeitpunkt hatte er mit seiner Freundin telefoniert, die am Telefon alles mitbekam.

Bei dem Angriff sei er sofort aufgesprungen, habe sich zunächst hinter einem Kühlschrank versteckt. Er habe furchtbare Angst gehabt, sagte er der Polizei: »Ich wollte einfach nur überleben.« Schließlich sei er in Panik in einen hinteren Raum geflüchtet.

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt.

Ein weiterer Gast aus dem Döner-Imbiss sagte als Zeuge aus und berichtete, wie er auf die Toilette geflohen sei und die Polizei alarmiert habe. Noch heute leide er unter Angst und Panik. Wenn er schwer bewaffnete Polizisten sehe, dann werfe ihn das in diesen Tag zurück, und er sehe sich wieder in dem Döner-Imbiss, sagte der Mann.

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 aus einer antisemitischen und rassistischen Motivation heraus einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Weil es ihm nicht gelang, mit Sprengsätzen und Schusswaffen in die Synagoge zu gelangen, erschoss er zunächst eine 40 Jahre alte Passantin und dann in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss den 20-jährigen Mann. Die Bundesanwaltschaft hat B. wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mehreren Fällen sowie weiterer Straftaten angeklagt. epd

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