Extremismus

Seehofer warnt vor Radikalisierung der »Querdenker«

Anti-Corona-Großdemo im August 2020 am Brandenburger Tor: Experten warnen davor, die sogenannten Querdenker-Proteste zu unterschätzen. Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE

Nach dem Mord an einem Studenten in Idar-Oberstein hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor einer Radikalisierung der sogenannten Querdenker-Bewegung in Deutschland gewarnt. »Die politisch motivierte Gewalt in Deutschland durch ‚Querdenker‘ ist gefährlich für unser Land«, sagte Seehofer der »Bild am Sonntag«. Die Gruppe der »Querdenker« werde zwar immer kleiner, aber leider auch immer radikaler und brutaler. Auch die Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer zeigen sich einer Umfrage zufolge sehr besorgt von der wachsenden Gewaltbereitschaft der Szene.

Seehofer forderte indessen harte Strafen für die Täter und auch deren Unterstützer: »Die Täter und diejenigen, die Verbrechen wie in Idar-Oberstein unterstützen, müssen hart bestraft werden.«

enTSETZEN In Idar-Oberstein tötete am 18. September ein mutmaßlicher Maskenverweigerer einen 20-jährigen Tankstellen-Mitarbeiter mit einem Revolver. Der 49-jährige Tatverdächtige wollte ohne den in der Pandemie vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz Bier kaufen. Darüber gab es laut Polizei zwischen ihm und dem späteren Opfer »eine kurze Diskussion«. Danach verließ der 49-Jährige den Angaben zufolge die Tankstelle, kam aber etwa eineinhalb Stunden später zurück und erschoss den Studenten. In seiner Vernehmung gab er laut Polizei an, er lehne die Anti-Corona-Maßnahmen ab. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus.

Einer Umfrage der Zeitungen der Funke Mediengruppe zufolge zeigen sich die Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer äußerst besorgt über das Gefahrenpotenzial, das von sogenannten Corona-Leugnern und der »Querdenker«-Szene ausgeht. Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein warnen vor einer Radikalisierung der Anti-Corona-Proteste, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten.

Auch Niedersachsen teilte mit, dass in der Szene von »Forderungen nach einem Regierungssturz« die Rede sei. Das Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg sehe insbesondere ein Gefahrenpotenzial durch extremistische Verschwörungsideologien wie »QAnon«, die wiederum von zahlreichen Akteuren aus der »Querdenker«-Bewegung heraus gestreut würden, hieß es weiter.

straftaten Einzelne Innenbehörden sehen demnach zudem eine wachsende Gewaltbereitschaft in der Szene der »Corona-Leugner«. Brandenburg habe zum Beispiel im Jahr 2021 bisher 133 Straftaten, davon acht Gewaltdelikte, registriert, die im Zusammenhang mit der Pandemie verübt wurden (2020: 89 Straftaten, davon 13 Gewaltdelikte). In Nordrhein-Westfalen werden laut Innenministerium 14 »Querdenker«-Initiativen vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Innenministerien der Bundesländer wiesen in der Umfrage aber auch darauf hin, dass sich an Versammlungen gegen die Corona-Auflagen auch nicht-radikale Menschen beteiligten. Die Thüringer Polizei erklärte, die Szene umfasse ein breites Spektrum, das sich sowohl aus den bürgerlichen Schichten als auch aus Esoterikern, der rechten und linken Szene und der Reichsbürgerbewegung zusammensetze. epd

Interview

»Putin ist in der Sackgasse«

Lettlands Ex-Präsident Egils Levits über Russlands Krieg, einen EU-Beitritt der Ukraine und Europas Handlungsfähigkeit

von Michael Thaidigsmann  01.08.2026

Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

von Eren Güvercin  01.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Kundgebung, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026