Meinung

Schade, nicht nur für uns in NRW

In der vergangenen Woche veröffentlichte Volker Beck an dieser Stelle seine Meinung zu den Brandstiftungen in Israel. Kaum eine Woche später ist nun Beck selbst Gegenstand zahlreicher Kommentare. Ich persönlich und wir als jüdische Gemeinschaft in Nordrhein-Westfalen hätten uns jedoch lieber einen positiven Anlass dazu gewünscht: wenn Beck für die kommende Bundestagswahl auf einem sicheren Listenplatz stünde. Aber Politik ist bekanntlich kein Wunschkonzert, und demokratische Abstimmungen führen, wie wir derzeit in weiten Teilen Europas erleben müssen, nicht immer zu einem vernünftigen oder erhofften Ergebnis.

anfeindungen Volker Beck ist in seiner politischen Karriere hoch geflogen, tief gefallen und immer wieder aufgestanden. Er war nie Leisetreter, nie ein angepasster Schön-Wetter-Politiker, sondern zeigte klare Kante, unabhängig von Parteiräson und immun gegen Anfeindungen. Dass damit nicht jeder, und vor allem nicht jeder in seiner Partei, glücklich oder einverstanden sein konnte, war Beck bewusst. Doch er hielt es nach dem rheinischen Grundgesetz: Et hätt noch immer jot jejange.

Bis letzten Sonntag. Ende, aus. Nicht völlig unerwartet, aber letztlich doch überraschend. Nach dem Tod Peter Hintzes und dem angekündigten Rückzug von Bundestagspräsident Norbert Lammert also der nächste politische Freund, den wir verlieren. Ziemlich viele auf einmal. Die Reihen derjenigen in der Politik, die sich unabhängig von ihrem Parteibuch offen zu Israel bekennen und deutlich gegen Antisemitismus eintreten, lichten sich merklich.

Vor allem diejenigen, die wie Volker Beck nicht von »den Mitbürgern« oder »den Israelis« sprechen, sondern von »wir« und »uns«. Nicht als Beobachter also, sondern als Beteiligter. Als Freund. Bleibt zu hoffen, dass von künftigen Politikergenerationen ebenfalls das Bekenntnis zu einem sicheren jüdischen Leben in Deutschland und zu Israel zu hören ist. Öffentlich, eindeutig und nachhaltig.

freundschaft Zum Schluss: Lieber Volker Beck, danke für Ihren unermüdlichen Einsatz. Frei nach dem jüdischen Konzept der Reue, der Buße und Umkehr, die Sie hinter sich gebracht haben, wünschen wir uns Sie an unserer Seite und brauchen Sie auch da. Ohne Parlamentsmandat, aber mit der gleichen klaren Stimme wie bisher. Wahrscheinlich mehr denn je. Und Sie wissen ja: Gute Freunde kann niemand trennen.

Der Autor ist Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein.

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert

Berlin

Thüringens Innenminister fordert AfD-Verbotsverfahren

In einem Gutachten begründen Juristen ihre Einschätzung besonders mit Verstößen gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026